Simbabwe Zwangsräumungen im Sicherheitsrat diskutiert

Der Weltsicherheitsrat hat sich erstmals mit der Räumung von Armensiedlungen in Simbabwe befasst. China, Russland und drei afrikanische Staaten bezeichneten die Zerstörung der Hütten als innerstaatliche Angelegenheit.


Polizisten in Simbabwe: Beamte kontrollieren, ob die Häuser auch wirklich abgerissen werden
REUTERS

Polizisten in Simbabwe: Beamte kontrollieren, ob die Häuser auch wirklich abgerissen werden

New York - Nur neun der 15 derzeitigen Mitglieder des Sicherheitsrates stimmten dem britischen Vorschlag zu, die Uno-Beauftragte Anna Tibaijuka hinter verschlossenen Türen anzuhören. Ein Vertreter enthielt sich der Stimme.

Tibaijuka war kürzlich nach Simbabwe gereist und hatte danach einen äußerst kritischen Lagebericht vorgelegt. China, Russland und die drei afrikanischen Staaten Algerien, Benin und Tansania lehnten die Anhörung ab und warfen dem Sicherheitsrat eine Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten vor.

"Die Situation in Simbabwe ist eine katastrophale humanitäre Krise", sagte die amtierende US-Botschafterin bei den Uno, Anne Patterson, vor Journalisten. "Wir wollen dieses Thema unter der strengen internationalen Kontrolle haben, die es verdient." Die Uno-Beauftragte Tibaijuka habe wegen ihres Berichts inzwischen auch Drohungen erhalten.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe hat etliche Wellblechsiedlungen am Rande der Hauptstadt Harare abreißen lassen. 700.000 Menschen wurden nach Uno-Schätzungen obdachlos. Mugabe bezeichnet die Zerstörung der Hütten offiziell als Aktion gegen den Schwarzmarkt und versprach umgerechnet rund 280 Millionen Dollar für Neubauprojekte auszugeben. Gegner sehen in der Zerstörung der Slums allerdings einen Vergeltungsakt gegen Teile der Bevölkerung, die bei den Wahlen im März überwiegend für die Opposition gestimmt hatten. Kritiker bezweifeln zudem, dass sich Simbabwe angesichts einer Inflation von 144 Prozent und schätzungsweise vier Millionen Menschen, die auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind, sich die Millionen-Ausgaben überhaupt leisten kann.



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