Sipri-Bericht Rüstungsverkäufe steigen weltweit - USA vorn

Die größten Rüstungsproduzenten der Welt haben laut einer Studie 2018 mehr Waffen verkauft als im Vorjahr. Besonders in den USA steigen die Zahlen stark - auch wegen einer Ankündigung von Präsident Trump.
F-35-Kampfflugzeug der US-Luftstreitkräfte bei einer Flugshow in Toronto 2018

F-35-Kampfflugzeug der US-Luftstreitkräfte bei einer Flugshow in Toronto 2018

Foto: US AIR FORCE/C ALEXANDER COOK HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Produktion von Rüstungsgütern weltweit steigt weiterhin stark. In den USA profitieren davon dem schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge vermehrt große Konzerne: Die Unternehmen würden kleinere Unternehmen übernehmen, schreiben die Forscher in einem aktuellen Bericht .

"Die US-Unternehmen bereiten sich auf das neue Waffenmodernisierungsprogramm vor, das Präsident Trump 2017 angekündigt hat", sagt Sipri-Waffenexpertin Aude Fleurant zu der Entwicklung. "Große US-Firmen fusionieren, um in der Lage zu sein, die neue Generation von Waffensystemen produzieren zu können und damit in einer besseren Position zu sein, um Verträge von der US-Regierung zu gewinnen."

Insgesamt haben die 100 führenden Rüstungskonzerne weltweit dem Bericht zufolge vergangenes Jahr ihre Verkäufe um 4,6 Prozent steigern können. Es ist der vierte Anstieg in Folge. 2017 hatte das Plus laut den Stockholmer Forschern noch 2,5 Prozent betragen.

Spitzenreiter USA

Der Gesamtwert der hergestellten Rüstungsgüter und militärischen Dienstleistungen belief sich damit laut Sipri vergangenes Jahr auf 420 Milliarden Dollar. Nicht berücksichtigt wurden Güter von Unternehmen aus China - zu diesen fehle es weiter an ausreichenden Daten für verlässliche Schätzungen.

Mit weitem Abstand vorn bei den Verkäufen bleiben die USA. Erstmals seit 2002, seitdem Sipri auch über vergleichbare Daten über Lieferungen aus Russland verfügt, nehmen US-Konzerne gleich alle fünf Top-Positionen unter den führenden Rüstungsunternehmen ein. Dabei handelt es sich um Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics. Zusammengenommen verkauften sie laut Sipri Rüstungsgüter im Wert von 148 Milliarden Dollar.

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Insgesamt seien US-Unternehmen auf 246 Milliarden Dollar gekommen - das entspreche 59 Prozent aller Verkäufe unter den 100 größten Waffenproduzenten und einem Zuwachs von 7,2 Prozent im Vergleich zu 2017.

Deutschland hinter Italien, Japan und Israel

24 Prozent der weltweiten Waffenverkäufe entfallen laut dem Bericht auf Europa. Die 27 in der Liste vertretenen europäischen Waffenproduzenten verkauften Güter im Wert von 102 Milliarden Dollar - ein leichter Zuwachs um 0,7 Prozent.

Als Waffenverkäufe wertet Sipri jeglichen Verkauf militärischer Güter und Dienstleistungen an militärische Abnehmer im In- wie im Ausland. Seit 2002 haben die Verkäufe laut den Friedensforschern insgesamt um knapp 47 Prozent zugenommen.

Die Zahlen der vier gelisteten deutschen Konzerne nahmen dagegen insgesamt um 3,8 Prozent ab. Steigenden Lieferungen militärischer Fahrzeuge von Rheinmetall an die Bundeswehr stehe ein Rückgang der Verkaufszahlen bei der Marinesparte ThyssenKrupps entgegen, sagte Sipri-Experte Pieter D. Wezeman. Damit hat Deutschland laut dem Bericht einen Anteil von zwei Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen und rangiert hinter Italien, Japan und Israel, aber vor Indien und Südkorea. Airbus wird bei der Sipri-Auswertung als transeuropäischer Konzern gelistet, weil das Unternehmen seinen Sitz in mehr als nur einem Land hat.

U-Boot-Werft von Thyssen Krupp Marine Systems in Kiel: Deutschland hat einen Anteil von zwei Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen

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Foto: Carsten Rehder/dpa

Die Verkäufe französischer Rüstungsschmieden stiegen um 2,4 Prozent, die der britischen sanken unter anderem wegen Verzögerungen beim Waffenmodernisierungsprogramm ihres Landes um 4,8 Prozent. Großbritannien bleibt dennoch Europas Waffenverkäufer Nummer eins.

Fast unverändert blieben die Rüstungsverkäufe aus Russland: Die zehn in den Top 100 gelisteten russischen Konzerne verkauften Güter und Dienste im Gesamtwert von 36,2 Milliarden Dollar, was einem minimalen Rückgang von 0,4 Prozent entsprach. Fünf der Unternehmen verzeichneten demnach Zuwächse, fünf Einbußen.

apr/dpa
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