Weltweite Studie Zahl der Atomwaffen geht zurück - Arsenale werden aber modernisiert

Weltweit gibt es schätzungsweise knapp 14.000 Atomwaffen. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Friedensforscher sehen aber keinen Grund zu Optimismus.

Nach der Explosion einer französischen Atombombe 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll
DPA

Nach der Explosion einer französischen Atombombe 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll


Die Atommächte investieren nach Angaben von Friedensforschern wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomwaffen weltweit im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zurück, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Dafür seien die Atommächte aber wieder stärker darauf aus, ihre Waffen zu modernisieren.

"Offen gesagt ist das ein negativer Trend", sagte der Sipri-Atomwaffenexperte Shannon Kile. Der Rückgang bei den Atomwaffen habe sich in den vergangenen Jahren entscheidend verlangsamt und sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die USA und Russland Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr brauchten.

Insgesamt gab es im Januar 2019 schätzungsweise 13.865 Atomwaffen auf der Welt, wie aus dem am Montag veröffentlichten Sipri-Jahresbericht 2019 hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es demnach etwa 14.465 gewesen. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Mitte der Achtzigerjahre gab es einst etwa 70.000 Atomsprengköpfe auf dem Planeten.

Laut Sipri befinden sich heute mehr als 90 Prozent der Atomwaffen im Besitz der USA und Russlands. Die beiden Länder verfügen den Schätzungen zufolge über 6185 beziehungsweise 6500 Atomsprengköpfe. Aber auch die weiteren drei Uno-Vetomächte Großbritannien (200), Frankreich (300) und China (290) sowie Israel (80-90) und die in einen internen Konflikt verstrickten Staaten Indien (130-140) und Pakistan (150-160) verfügen den Angaben zufolge über solche Waffen. Indien, Pakistan und auch China hätten ihre Arsenale in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut, sagte Kile.

Die Zahl der Atomwaffen im Besitz von Nordkorea schätzen die Friedensforscher auf 20 bis 30 - nach 10 bis 20 ein Jahr zuvor. Lediglich Atomsprengköpfe der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs gelten teilweise als sofort einsatzbereit.

Eine atomwaffenfreie Welt? Nicht in Sicht

Die Regierungen aller Atommächte seien zudem dabei, ihre nuklearen Arsenale zu modernisieren, sagte Kile. "Was wir sehen, ist, dass Atomwaffen bei nationalen Sicherheits- und Militärstrategien wieder wichtiger werden." Unter der Regierung von Präsident Donald Trump betrieben die USA eine umfassende Modernisierungsstrategie. "Das umfasst sowohl die Waffen als solche als auch Bomber, U-Boote, Marschflugkörper und die Produktionskapazitäten", sagte der Experte. Einen ähnlichen Trend könne man in Russland beobachten. Eine atomwaffenfreie Welt sei somit weiter nicht in Sicht, sagte Kile.

Die Friedensforscher bezogen ihre Daten für die 50. Ausgabe ihres Jahresberichts wieder aus öffentlichen Quellen, unter anderem von Regierungen. Die Sipri-Experten kritisierten allerdings, dass nicht alle Staaten die Daten zu ihren Arsenalen transparent veröffentlichten.

Erst vor knapp einer Woche hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gewarnt, die Krise bei den Bemühungen um nukleare Abrüstung und Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen stelle eine Gefahr für den Weltfrieden dar.

aar/dpa/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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SpitzensteuersatzZahler 17.06.2019
1.
Vermutlich sollten wir froh sein, dass es die Dinger gibt und wir seit 70 Jahren keine für die westliche Welt relevanten Kriege mehr hatten.
telos 17.06.2019
2. Menschen im Revierverhalten
Die Bestückung der Trägersysteme mit Mehrfachsprengköpfen und die Treffgenauigkeit dieser machen Köpfe mit großer Sprengkraft unnötig. Insgesamt betrachtet eine ungute Entwicklung. Ein menschliches oder technisches Versagen und die Unmöglichkeit, diesen dann gestarteten Automatismus zu stoppen sind sehr besorgniserregend. Politisch als Erpressung angewendet kann sie eine gewisse Zeit funktionieren, aber je öfter diese verbal angedroht und nicht vollzogen wird, desto mehr verliert sie an Glaubwürdigkeit. Das ist im Grunde genommen das Dilemma von Atomwaffen. Eine psychologische Waffe in der Hoffnung, niemals angewendet werden zu müssen.
Beat Adler 17.06.2019
3. Warum verbreitet SIPRI total falsche Zahlen? New START ist In Kraft!
Warum verbreitet SIPRI total falsche Zahlen? New START ist In Kraft! 2010 von Obama und Medvev unterschrieben, vom Kongress und der Duma ratifiziert. Russland und die USA halten sich Beide daran: Je unter 1'550 Atomsprengkoepfe auf maximal 700 Traegern. New START aktualisierte Zahlen sind publiziert und gegenseiitig ueberwacht. Selbst SIPRI kann das nachlesen. Das Abkommen laeuft noch bis 2021, dann muss der Nachfolger von Trump mit Putin ein neues Abkommen aushandeln. Es wird hoechtse Zeit, dass die Horrorzahlen von SIPRI korrigiert werden! hier nachzulesen: https://en.wikipedia.org/wiki/New_START und http://www.state.gov/t/avc/newstart/index.htm Wieviele Atomsprengkoepfe auf wie vielen Traegern sind noetig, um das MAD Konzept umzusetzen, also fuer Gegenschlag und Zweitschlag? Genau das wird ab 2021 in Russland und in den USA diskutiert. Zum grossen Glueck fuer die Menschheit werden die Atomwaffen modernisiert und damit vor Unfaellen, unbeabsichtigen Einsaetzen GESCHUETZT! Wer will dieses Teufelszeug mit der Technologie der 60iger und 70iger Jahre schon weiter erhalten? Niemand! mfG Beat
jetrabbit 17.06.2019
4.
In den 50er Jahren dauerte es noch 30 Minuten bis eine Rakete den Feind erreichte. Als dann in den 60er Jahren Atomuboote kamen, wurden 30 Minuten auf 10 Minuten reduziert. Und nun mit Hyperschall dauert es nur noch zwei oder drei Minuten bis die Rakete ihr Ziel erreicht, wenn Trump die US Truppen nach Polen verlegt.
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