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Atomwaffen: Asien rüstet auf

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Jason Lee/ REUTERS

Jahresbericht zur Rüstung Atommächte erneuern ihre Arsenale

Statt um Abrüstung kümmern sich die Atommächte der Welt lieber um gezielte Modernisierung ihrer Waffen. Weltweit sind laut einem neuen Report des Friedensinstituts Sipri immer noch rund 4400 nukleare Sprengköpfe einsatzbereit - drei Staaten bauten ihre Arsenale sogar weiter aus.

Eine Welt ohne Atomwaffen liegt nach wie vor in weiter Ferne. Das Stockholmer Sipri-Institut  sieht massive Anstrengungen der Atommächte zur Modernisierung der Arsenale. Auch die Zahl sofort einsatzbereiter Sprengköpfe bleibt konstant hoch. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) in seinem neuen Jahrbuch angab, wurden im vergangenen Jahr knapp 2000 Sprengköpfe auf einer hohen Bereitschaftsstufe gehalten und waren damit quasi ständig einsatzbereit.

Alles in allem hielten die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel demnach 4400 Atomwaffen im betriebsbereiten Zustand. Das entsprach dem Vorjahresstand. Mit diversen entweder schon laufenden oder geplanten Programmen sollten atomare Sprengköpfe sowie deren Trägersysteme an Bord von Flugzeugen und U-Booten sowie landgestützte Raketen modernisiert werden.

Der zuständige Sipri-Experte Shannon Kile sagte: "Es hat weiter wenig Anlass zu der Hoffnung gegeben, dass die Atomwaffen-Staaten wirklich bereit wären, ihre nuklearen Arsenale aufzugeben."

Im Gegensatz zu den meisten Atommächten haben China, Indien und Pakistan demnach ihre Arsenale aufgestockt. China verfüge über nunmehr 250 Atomsprengköpfe, Pakistan über 100 bis 120 und Indien über 90 bis 110, heißt es in dem Bericht des Instituts. Das seien jeweils zehn Sprengköpfe mehr als noch im Jahr 2012.

Angesichts des fragilen Friedens in Asien sei dies eine beunruhigende Entwicklung, schreibt das Institut. Als Beispiele nannte der Bericht die "seit 2008 zunehmenden Spannungen" zwischen Indien und Pakistan, zwischen Nord- und Südkorea sowie zwischen China und Japan.

Nur schleppende Reduzierung von Bio- und Chemiewaffen

Weltweit gibt es nach Schätzungen des schwedischen Instituts 17.265 Sprengköpfe, die entweder einsatzbereit, eingelagert oder bereits zur Verschrottung vorgesehenen sind. Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl um 1700 gesunken. Hauptgrund dafür ist laut Sipri die Umsetzung entsprechender Vereinbarungen zwischen den USA und Russland. Aber schon damals hieß es: Atomwaffen werden weniger, dafür aber moderner.

Schwierig seien Informationen über Nuklearwaffen in Israel, Indien und Pakistan zu beschaffen, hieß es weiter. Sipri schätzt die Zahl der israelischen Atomsprengköpfe auf 80. Nordkorea und Iran verfügen nach Einschätzung von Sipri bislang nicht über Atomwaffen.

Bei den Bio- und Chemiewaffen verläuft die Reduzierung der Bestände laut Sipri nur schleppend. Entgegen ihrer Zusagen hätten die USA und Russland bislang nicht all ihre Chemiewaffen zerstört, und Syrien habe sogar mit einem Einsatz im Falle eines Angriffs von außen gedroht.

Im vergangenen Jahr nahm der Sipri-Statistik zufolge die Zahl der bei Friedensmissionen aktiven Soldaten um mehr als zehn Prozent ab. Dies sei vor allem auf den Truppenabzug aus Afghanistan zurückzuführen. Hingegen könnte die Zahl der Soldaten bei Friedensmissionen in Gebieten wie Mali und der Sahelzone steigen, möglicherweise könnte es zudem zu einem Einsatz in Syrien kommen. In den vergangenen Jahren hat sich laut dem Institut die Zahl von Konflikten mit Einbindung verschiedener Staaten erhöht. Die Internationalisierung von Konflikten berge die Gefahr, dass sie sich in die Länge zögen.

Sipri ist eine Denkfabrik, die auf die Erforschung von Konflikten, Waffenkontrolle und Abrüstung spezialisiert ist. Das Institut wurde 1966 gegründet und wird zur Hälfte vom schwedischen Staat finanziert.

ore/itz/dpa/AFP