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Sipri-Studie: Milliarden für die Militärs

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Weltweiter Waffenboom USA und China rüsten auf, Russland spart

Die Staaten der Welt stecken immer mehr Geld in ihr Militär. Zu diesem Schluss kommt das Sipri-Friedensforschungsinstitut. Warum einige Länder stark investieren und andere abrüsten.

1739 Milliarden Dollar haben Länder weltweit im vergangenen Jahr für Rüstungsgüter ausgegeben - so viel wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Zu diesem Schluss kommt das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri in seiner jüngsten Studie. Im Vergleich zu 2016 entspricht dies einer Steigerung von 1,1 Prozent.

Das schwedische Parlament hatte das Institut einst gegründet. Es versorgt seit Jahrzehnten Wissenschaftler, Politiker und Medien mit Daten, Analysen und Empfehlungen zu internationalen militärischen Fragen - in enger Zusammenarbeit mit der Uno und der EU. Finanziert wird es zum großen Teil von der schwedischen Regierung.

Die USA, China, Saudi-Arabien, Russland und Indien führen die jüngste Liste der Länder mit den höchsten Militärausgaben an. Zusammengenommen sind sie für 60 Prozent der weltweiten Rüstungsinvestitionen verantwortlich.

2017 stiegen die Rüstungsausgaben in Subsahara-Afrika, Südamerika, Zentral-, Süd- und Ostasien sowie in Zentral- und Westeuropa, wohingegen sie in Nordafrika, Zentralamerika, Ozeanien und Osteuropa sanken.

Krisen, Konflikte, Abschreckung: Welche Staaten im vergangenen Jahr bei ihren Militärausgaben besonders auffielen und was dahintersteckt: der Überblick.

USA

Mit Investitionen von 610 Milliarden Dollar stehen die USA mit weitem Abstand an der Spitze in der Rangliste der weltweiten Militärausgaben. Ihre Investitionen waren fast dreimal so hoch wie die Chinas, das auf Platz zwei folgt. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen kaum verändert.

Die Ausgaben zeigen deutlich, dass die USA seit zwei Jahren eine etwas andere Strategie fahren: Denn zwischen 2010 und 2016 hatte die US-Regierung die Investitionen jährlich reduziert. Nun wollen die USA aufrüsten wie lange nicht.

Im kommenden Jahr will die US-Regierung noch mal kräftig investieren, es wird mit einem Budget von 700 Milliarden gerechnet. Das Militär ist US-Präsident Donald Trumps große Leidenschaft. "Ich liebe das Militär. Ich werde es wieder aufbauen. Es wird stärker und größer sein als jemals zuvor", versprach er bereits im Wahlkampf. Vor allem sollen neue Raketen, Flugzeuge und Schiffe angeschafft werden. Es gehe darum, durch Abschreckung "Kriege zu verhindern", sagte Trump.

China

China will die Weltmacht von morgen sein - und rüstet dafür kräftig auf. 228 Milliarden Dollar gab die Volksrepublik im vergangenen Jahr für das Militär aus - das sind die zweithöchsten Ausgaben weltweit. Damit ist China weltweit für 13 Prozent aller Militärinvestitionen verantwortlich, 2008 waren es vergleichsweise niedrige 5,8 Prozent.

"Die Spannungen zwischen China und vielen Nachbarländern führt insgesamt zu einer Steigerung bei den Militärausgaben in Asien", sagt Siemon Wezeman, Wissenschaftler vom Sipri-Insitut. Besonders wegen Streitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer rüstet China seit Jahren kräftig auf.

Saudi-Arabien

Im vergangenen Jahr hat Saudi-Arabien für Rüstungsprodukte 69,4 Milliarden Dollar ausgegeben - zum Vergleich: Iran gab 14,5 Milliarden Dollar aus, Israel erhielt von den USA Rüstungshilfen in Höhe von rund 3,1 Milliarden Dollar und gab selbst 16,5 Milliarden Dollar für Waffen aus.

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Sipri-Studie: Milliarden für die Militärs

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Saudi-Arabien hat seine Ausgaben im vergangenen Jahr insgesamt um 9,2 Prozent gesteigert. Die wahhabitische Monarchie steht dadurch weltweit auf Platz drei, im Nahen Osten sogar auf dem Spitzenplatz.

Ein Grund für den Waffenboom in Saudi-Arabien: Kronprinz Mohammed bin Salman führt gegenwärtig einen Krieg im Jemen. Zudem führt das sunnitische Land einen Schattenkampf um die regionale Vormachtstellung mit dem schiitischen Iran.

Russland

Erstmals seit 1998 hat Russland laut Sipri-Studie die Militärausgaben gesenkt. Mit 66,3 Milliarden Dollar lagen die Ausgaben um 20 Prozent niedriger als im Vorjahr. Diesen Weg will Kreml-Chef Wladimir Putin offenbar auch weiterverfolgen. Kurz nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten kündigte er weitere Kürzungen an. Er wolle keinen "Rüstungswettlauf", sagte er.

Die Modernisierung der Armee sei weiterhin ein Schwerpunkt auf der russischen Agenda, sagte Siemon Wezeman vom Sipri-Institut. Allerdings sei das Budget wegen ökonomischer Probleme im Land zuletzt niedriger ausgefallen.

Deutschland

Im Ranking der Rüstungsausgaben landet Deutschland auf dem neunten Platz, in Europa belegt die Bundesregierung hinter Großbritannien und Frankreich Rang drei.

Mit 44,3 Milliarden Euro gab die Regierung so viel aus wie zuletzt 1999. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben laut Sipri um 3,5 Prozent.

Der jüngste Zustandsbericht über die Bundeswehr hatte der Verteidigungsministerin und ihrer Truppe ein mieses Zeugnis ausgestellt: Die Mängelliste ist lang. Um die größten Ausrüstungsprobleme zu beseitigen, will das Verteidigungsministerium noch in diesem Jahr laut Medienberichten milliardenschwere Großaufträge vergeben.

Algerien

Produkte deutscher Rüstungsschmieden wie Rheinmetall oder Krauss-Maffei Wegmann sind im Ausland begehrt - besonders in Algerien. Das nordafrikanische Land war im vergangenen Jahr mit weitem Abstand das Top-Empfängerland deutscher Rüstungsexporte.

Das ehemalige Bürgerkriegsland unter Langzeitherrscher Abdelaziz Bouteflika, in der de facto das Militär herrscht, leidet zwar seit Jahren unter den niedrigen Öl- und Gaspreisen. Vermutlich hat es auch deshalb seine Rüstungsausgaben zwischen 2016 und 2017 reduziert. Es kommt aber immer noch auf rund zehn Milliarden. Damit ist Algerien weiterhin das Land in Afrika mit den größten Militärinvestitionen.