Rüstungsbericht 2016 USA und Europa rüsten auf

Erstmals seit fünf Jahren haben die USA 2016 wieder mehr Geld für Waffen ausgegeben. Auch in Westeuropa stiegen die Rüstungsausgaben. Allerdings erreichten nur vier Länder das Zwei-Prozent-Ziel der Nato.
US-Panzer in Rumänien (Archivbild)

US-Panzer in Rumänien (Archivbild)

Foto: Andreea Alexandru/ dpa

Die weltweiten Rüstungsausgaben sind im zweiten Jahr in Folge gestiegen. Insgesamt erreichten die Rüstungsverkäufe im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 1572 Milliarden Euro (umgerechnet 1686 Milliarden Dollar), das ist gegenüber 2015 ein Plus von 0,4 Prozent. Das geht aus dem Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor.

Laut den Sipri-Daten  wuchsen die Rüstungsausgaben erstmals seit 2011 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Nach Weltregionen aufgeschlüsselt zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede: Wachstum bei den Militärausgaben verzeichnen Asien, Ozeanien, Mittel- und Osteuropa sowie Nordafrika. Zum Teil klar rückläufig waren die Ausgaben in Mittel- und Südamerika, im Karibikraum sowie in Nahost und in der Subsahara-Region.

Die USA gaben laut Sipri 1,7 Prozent mehr für ihr Militär aus, insgesamt waren es im Zeitraum zwischen 2015 und 2016 611 Milliarden Dollar. Es ist das erste Mal seit 2011, dass die Ausgaben der Vereinigten Staaten stiegen. Den zweiten Platz belegte China mit Ausgaben in Höhe von 215 Milliarden Dollar (plus 5,4 Prozent), gefolgt von Russland mit 69,2 Milliarden Dollar (plus 5,9 Prozent). In den vergangenen Jahren hat nur China (Anstieg von 118 Prozent) seine Militärausgaben kräftiger erhöht als Russland (plus 87 Prozent).

Saudi-Arabien, das 2015 noch an dritter Stelle lag, belegte in der Sipri-Rangliste 2016 nur noch Platz vier. "Trotz seiner anhaltenden Beteiligung in regionalen Kriegen" schrumpften die Ausgaben des Scheichtums laut Sipri um 30 Prozent auf 63,7 Milliarden Dollar. Die Sipri-Forscher führen das auf die gesunkenen Erdöl-Einnahmen zurück. Indien steigerte hingegen seine Ausgaben um 8,5 Prozent auf 55,9 Milliarden Dollar und rückte damit auf Platz fünf vor Frankreich und Großbritannien vor.

Rüstungsausgaben in Westeuropa steigen um 2,6 Prozent

Deutschland erhöhte seine Militärausgaben im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 41,1 Milliarden Dollar und blieb damit auf Platz neun. Wollte es das Nato-Ziel einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts erreichen, müsste es seine Ausgaben deutlich erhöhen, und zwar auf 69 Milliarden Dollar. Es würde damit auf den vierten Platz aufsteigen.

Insgesamt erreichten nur vier der 27 Nato-Länder, deren Rüstungsausgaben das Institut vergleicht, das Nato-Zwei-Prozent-Ziel: die USA, Estland, Frankreich und Griechenland. Neben Deutschland müssten besonders Belgien, Kanada, Dänemark, die Niederlande und Spanien ihre Ausgaben demnach deutlich erhöhen. US-Präsident Donald Trump hatte die Nato-Länder mehrfach aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen und damit einen fairen Beitrag zu leisten. Beim Nato-Gipfel im Mai sollen die Ausgaben zentrales Thema sein.

Insgesamt verzeichnete Westeuropa einen Anstieg bei den Rüstungsausgaben um 2,6 Prozent. Mit Ausnahme von drei Ländern kletterten die Ausgaben in allen westeuropäischen Staaten - am stärksten in Italien, dort wuchsen sie um elf Prozent.

In Osteuropa stiegen die Ausgaben insgesamt um 2,4 Prozent. Allerdings gab Lettland 44 Prozent und Litauen 35 Prozent mehr für Rüstung aus, sie landeten damit auf dem ersten und dritten Platz der Länder mit den prozentual höchsten Steigerungen. Die Sipri-Forscher führen dies darauf zurück, dass Russland dort wieder als "größere Bedrohung" wahrgenommen wird - obwohl seine Rüstungsausgaben 2016 nur bei 27 Prozent der Gesamtausgaben aller europäischen Nato-Mitglieder lagen.

max/AFP/dpa