"Green Primary" Ska Keller ist Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen

Die Grünen ziehen mit der Deutschen Ska Keller und dem Franzosen José Bové in den Europawahlkampf. Das ist das Ergebnis der "Green Primaries", der Urwahl, die erstmal nur im Internet erfolgte. Damit hängte die 32-Jährige überraschend die Europa-Fraktionschefin Rebecca Harms ab.

Spitzenkandidatin Keller: Setzte sich gegen Rebecca Harms durch
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Spitzenkandidatin Keller: Setzte sich gegen Rebecca Harms durch


Brüssel/Berlin - Der klare Vorsprung von Ska Keller kommt überraschend: Die 32-jährige deutsche EU-Abgeordnete wurde gemeinsam mit dem Franzosen José Bové zum Spitzenkandidaten der Europäischen Grünen für die Europawahl im Mai gewählt. Die Brandenburgerin und der französische Globalisierungsgegner gewannen damit deutlich die europaweite Online-Abstimmung. Das gaben die Grünen am Mittwoch in Brüssel bekannt.

Durch Kellers klaren Sieg landete die Fraktionschefin im EU-Parlament, Rebecca Harms aus Deutschland, lediglich auf Platz drei. Das dürfte Auswirkungen auf die Wahl der deutschen Spitzenkandidaten für die Europawahl haben: Hier bewirbt sich Harms für Platz eins. Die entsprechende Liste für Deutschland wird Ende nächster Woche auf dem Bundesparteitag in Dresden beschlossen.

Die bisher weitgehend unbekannte Keller ist Vertreterin der Europäischen Grünen Jugend. Sie wurde 1981 in Guben geboren, studierte Islamwissenschaft, Turkologie und Judaistik in Berlin und Istanbul. In das EU-Parlament zog sie 2009 ein, zu ihren Themen gehören Handels- und Einwanderungspolitik.

Urwahl wurde zum Mitmach-Fiasko

Insgesamt geriet der Versuch, das Votum im Internet umzusetzen, zum Mitmach-Fiasko: Die Beteiligung blieb weit unter den Erwartungen. Nach Angaben der Partei gaben nur 22.656 ihre Stimme bei den "Green Primaries" genannten Vorwahlen ab. Die Grünen haben europaweit etwa 200.000 Mitglieder, angesprochen waren jedoch rund 380 Millionen Bürger.

Von den abgegebenen Stimmen erhielt Keller 11 791 Stimmen, Bové mit 11 726 nur knapp weniger. Weitere Kandidaten war neben Harms auch die Ko-Chefin der Europa-Grünen Monica Frassoni aus Italien. Die beiden Sieger sollen im Wahlkampf "Gesicht und Stimme" der 33 grünen Parteien in der Europäischen Union sein.

Während die anderen großen Parteien ihre Spitzenkandidaten selbst bestimmen, organisierten die Grünen die Vorwahl online für alle EU-Bürger. Für die Sozialdemokraten tritt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz an, für die Konservativen womöglich Luxemburgs Ex-Premier Jean-Claude Juncker.

vek/dpa/AFP

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Peter Werner 29.01.2014
1.
Die Urwahl über das Internet war zwar wohl gut gemeint, dennoch recht undemokratisch. Was ist mit Menschen, welche (warum auch immer) keinen Internetanschluss besitzen, sich nicht damit auskennen, der Technik nicht vertrauen usw. usw. Eine Wahl mit Papierzettel ist das Einfachste was es gibt, bewährt, nachvollziehbar und sicher. Für die Wahl des EU-Spitzenkandidaten hätte es auch Briefwahl sein können.
friedrich_eckard 29.01.2014
2.
Da die EU-Wahlen ja hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt von Bedeutung sind, dass es eine Mehrheit gegen das fluchwürdige Projekt "Freihandelsabkommen" zu wählen gilt, und da Frau Keller - man bemühe die Suchmaschine seines Vertrauens - sich sehr deutlich als Gegnerin dieses Projektes positioniert hat, ist das auch für den, der die GRÜNEN zu wählen nicht die Absicht hat, eine gute Nachricht.
Steuerzahler0815 29.01.2014
3.
Zitat von Peter WernerDie Urwahl über das Internet war zwar wohl gut gemeint, dennoch recht undemokratisch. Was ist mit Menschen, welche (warum auch immer) keinen Internetanschluss besitzen, sich nicht damit auskennen, der Technik nicht vertrauen usw. usw. Eine Wahl mit Papierzettel ist das Einfachste was es gibt, bewährt, nachvollziehbar und sicher. Für die Wahl des EU-Spitzenkandidaten hätte es auch Briefwahl sein können.
Sie können keine Wahl mit Papierzettel machen wenn eine relativ kleine Partei aus welchen Gründen auch immer ganz Europa befragen will
Peter Werner 29.01.2014
4.
Zitat von Steuerzahler0815Sie können keine Wahl mit Papierzettel machen wenn eine relativ kleine Partei aus welchen Gründen auch immer ganz Europa befragen will
Briefwahl. Die Partei ist relativ klein, also hat sie auch relativ wenige Mitglieder, an welche die Wahlunterlagen gesendet werden müssten. Zumindest einmal würde hierbei niemand von Vornherein ausgeschlossen. Über das Internet können sicherlich zahllose sinnvolle Dinge gemacht werden, ernsthafte politische Wahlen gehören jedoch meiner Auffassung nach nicht hierzu. Wenn sich eine Partei für eine basisdemokratische Abstimmung entscheidet, so sollte sie dies auch so tun, dass niemand ausgeschlossen wird und die Wahl als solches von jedem nachvollzogen werden kann.
ironbutt 29.01.2014
5. José Bové ist eine Katastrophe
ein französischer Nationalist, eher dem extrem linken Spektrum als den Grünen angehörig
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