Skandal in Frankreich Sarkozy wegen Kumpaneivorwurf in der Klemme

Der Vorwurf kommt nicht zum ersten Mal: Frankreichs Präsident soll seine Macht für persönliche Gefälligkeiten missbrauchen. Jetzt ließ er einen hochrangigen Polizisten feuern - weil der eine Demonstration im Garten eines befreundeten Schauspielers nicht verhindert hat.

Paris - Ein Sturm der Entrüstung überzieht Frankreich, Opposition und Gewerkschafter schäumen. "Die Wünsche des Prinzen werden erfüllt", kommentierte Zentrumspolitiker François Bayrou am Dienstag den Fall.

Die Geschichte spielt auf Korsika. Am Samstagabend hatten einige Dutzend Nationalisten auf der Mittelmeerinsel demonstriert. "Gegen die Ausbeutung der Korsen". Publicity-trächtig hatten sie sich als Ort des Protests den Garten der Villa von Schauspieler Christian Clavier ausgesucht - immerhin ein Freund des Staatspräsidenten.

Die örtliche Polizei war bereits vorab über die Aktion informiert. Dominique Rossi, Koordinator der korsischen Sicherheitskräfte, wusste seit Freitag von geplanten Demonstrationen in der Gegend von Claviers Villa. Dennoch ließ er das Anwesen nahe des noblen Porto Vecchio nicht von Bereitschaftspolizisten schützen.

Sarkozy platzte deshalb der Kragen. Laut den Sendern France Inter und Europe-1 rief er seinen Vertrauten Clavier sofort an und sagte: "Es kommt nicht in Frage, dass du für unsere Freundschaft bezahlst."

Der Elysée-Palast lehnte am Dienstag jede Stellungnahme ab. Fakt ist, dass Polizeichef Rossi am Montagabend vom Innenministerium am Telefon über seine sofortige Entlassung unterrichtet wurde.

"Kumpanei ersetzt Staatsräson"

Bayrou, Chef der Oppositionspartei Modem, prangerte am Dienstag eine "willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung" an. Sie zeige, dass bei Sarkozy die Kumpanei zwischen den Mächtigen die Staatsraison ersetze.

Laut Emmanuel Roux, dem Chef der Gewerkschaft der Polizeikommissare (SCP), ist dem geschassten Rossi gar nichts vorzuwerfen. "Wir können nicht vor allen Villen Bereitschaftspolizisten postieren, das wäre eine Provokation." Er habe erst nicht glauben können, dass die Freundschaft zwischen Sarkozy und Schauspieler Clavier hinter der Entlassung stecke, sagte Sozialistenchef François Hollande.

Die Nähe zu den Schönen und Mächtigen und von persönlichen Erwägungen getroffene Entscheidungen haben Sarkozy schon mehrfach Kritik eingebracht. So urlaubte er als frisch gewählter Präsident auf der Yacht des Industriellen Vincent Bolloré, flog in Privatjets reicher Freunde in den Urlaub und ließ den beliebten Fernsehmoderator Patrick Poivre d'Arvor beim Privatsender TF1 an die Luft setzen. Der Grund: Er hatte Sarkozy vor dessen erstem G-8-Gipfel mit einem kleinen aufgeregten Jungen verglichen, der endlich bei den Mächtigen mitmischen dürfe.

ler/AP

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