Skandal in Israel Bestechungsvorwürfe gegen Scharons Parteifreunde

In Israel sind schwere Vorwürfe gegen den konservativen Likud-Block laut geworden: Politiker der Partei von Ministerpräsident Ariel Scharon sollen durch Bestechung auf Listenplätze für die baldige Parlamentswahl gelangt sein. Auch die Mafia hat angeblich ihre Hände im Spiel.


Ariel Scharon: Bestechungs- vorwürfe gegen Parteifreunde
AP

Ariel Scharon: Bestechungs- vorwürfe gegen Parteifreunde

Jerusalem - Die israelische Polizei hat am Sonntag mit der Untersuchung der Bestechungsvorwürfe begonnen. Die Tageszeitung "Haaretz" hatte berichtet, Kandidaten für einen Listenplatz des Likuds seien von einigen der rund 3000 Mitglieder des Wahlparteitags am 8. Dezember aufgefordert worden, Tausende Schekel zu zahlen, um damit ihre Unterstützung zu erhalten. Zehn Schekel entsprechen etwa dem Wert von zwei Euro. Nach jüngsten Umfragen wird der Likud bei der Wahl zwischen 30 und 40 der 120 Knesset-Sitze gewinnen und damit stärkste Fraktion werden.

Die Knesset-Abgeordnete Nechama Ronen hatte in der vergangenen Woche vor der Polizei ausgesagt, ihr seien von mehreren Likud-Delegierten Unterstützung gegen Barzahlung angeboten worden. Israelische Medien gingen am Sonntag davon aus, dass mehrere Likud-Kandidaten durch aktive Bestechung einen sicheren Listenplatz erkauft hätten. In diesem Zusammenhang wurden auch zwei prominente Jerusalemer Familien genannt, die eng mit der israelischen Mafia verknüpft seien. Es werde nicht ausgeschlossen, dass die Unterwelt auf diese Weise Kandidaten auf die Likud-Liste gebracht hat.

Generalstaatsanwalt Eliakim Rubinstein, der dem Likud nahe steht, sagte im israelischen Fernsehen, die Kandidatenkür des Likud-Parteitags reflektiere einen ernsthafte Niedergang der israelischen Demokratie. Laut "Haaretz" ordnete er die sofortige polizeiliche Untersuchung an, die noch vor der Wahl am 28. Januar abgeschlossen sein soll. Mögliche Anklagen sollten jedoch erst nach der Wahl erhoben werden.



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