Skandal um Sex-DVD Malaysischer Minister tritt zurück

Pikanter Rücktrittsgrund: Im Zusammenhang mit einem Sex-Skandal hat der Gesundheitsminister Malaysias sein Amt niedergelegt. Unbekannte hatten Videoaufnahmen verbreitet, auf denen der Familienvater in eindeutiger Aktion mit einer Fremden zu sehen ist.


Kuala Lumpur - Die öffentliche Buße war nicht genug: Nach Auftauchen der delikaten Aufnahmen hatte sich Malaysias Gesundheitsminister Chua Soi Lek zwar beim Premier und anderen Parteimitgliedern entschuldigt - zurücktreten wollte er aber zunächst nicht. Einen Tag später zog der 61-Jährige nun die Konsequenzen aus der Video-Affäre und gab bekannt, er lege mit sofortiger Wirkung sein Regierungsamt nieder. Außerdem wolle er auf seinen Posten in der Regierungspartei MCA verzichten, deren Vizepräsident er war.

Malaysias Gesundheitsminister Chua Soi Lek: Nach DVD-Affäre gibt der Politiker sein Amt auf
REUTERS

Malaysias Gesundheitsminister Chua Soi Lek: Nach DVD-Affäre gibt der Politiker sein Amt auf

Gestern hatte der Vater von drei Kindern eingeräumt, auf einem Sex-Video zu sehen zu sein, das einen Mann beim Geschlechtsverkehr mit einer Frau in einem Hotelzimmer zeigt. Die Aufnahmen dauern etwa eine Stunde und wurden am Wochenende von Unbekannten in Chuas Heimat-Bundesstaat Johor verbreitet.

Chua stritt ab, von der Entstehung des Filmmaterials etwas gewusst zu haben. Er habe politische Rivalen in Verdacht, das Video heimlich aufgenommen zu haben, sagte er. Auf die Identität der Frau auf dem Video wollte der Politiker nicht näher eingehen - sie sei "eine Freundin", sagte Chua.

Bei einer offiziellen Stellungnahme, bei der Chua von seiner Ehefrau begleitet wurde, zeigte sich der Ex-Minister reuig: Er hätte eingesehen, dass die Menschen eine öffentliche Entschuldigung allein nicht akzeptieren würden. "Einige Malaysier reagieren sehr sensibel auf der Thema", sagte der gefallene Minister. "Ich denke, dass jeder in einer Führungsrolle für seine Schwächen und Fehler geradestehen muss", fügte er hinzu. Chua verteidigte sein Verhalten in der Video-Affäre: "Ich bin stolz darauf, dass ich mich für ein Geständnis entschieden habe. Ich habe niemals abgestritten, dass ich auf der DVD zu sehen war".

Unangenehm dürfte die pikante Angelegenheit auch für den Premierminister Abdullah Ahmad Badawi sein, der Chua vor drei Jahren ins Kabinett geholt hatte. Der frühere Physiker Chua hatte dank Badawis Unterstützung binnen weniger Jahre eine steile Karriere in der malaysischen Politik hingelegt. Der Präsident der Regierungspartei Ong Ka Ting sagte, die MCA billige Chuas Rücktritt. Gleichzeitig verurteilte er die Unbekannten scharf, die das Video möglicherweise gefilmt und in Umlauf gebracht hätten.

Der Skandal trifft das überwiegend muslimische Malaysia wenige Monate vor den Parlamentswahlen und liefert den Oppositionsparteien nun Zündstoff für den anstehenden Wahlkampf. "Der Minister hat ein persönliches Handeln zugegeben, das von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden kann", sagte Oppositionspolitiker Mahfuz Omar, "als Führungsfigur, die für Anstand und Integrität steht, ist Chua gescheitert."

amz/dpa.



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