Ermordeter Journalist in der Slowakei Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen Justizbeamte im Fall Ján Kuciak auf

Der Mord an dem Journalisten Ján Kuciak hat die Slowakei erschüttert. Mutmaßliche Täter und Auftraggeber wurden gefunden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Justiz- und Staatsbeamte.

Kerzen brennen vor Fotos des ermordeten Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martína Kusnírová am ersten Jahrestag des Verbrechens im Februar 2019
Petr David Josek/AP/DPA

Kerzen brennen vor Fotos des ermordeten Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martína Kusnírová am ersten Jahrestag des Verbrechens im Februar 2019


Im Mordfall des Journalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter Martína Kusnírová ermittelt die slowakische Staatsanwaltschaft nun auch gegen Justiz- und Staatsbeamte. "Vertreter staatlicher Behörden verschiedenen Ranges" hätten mit dem mutmaßlichen Auftraggeber des Mordes, dem Geschäftsmann Marian Kocner, in Kontakt gestanden, sagte ein Sonderermittler.

Örtliche Medien hatten zuvor Textnachrichten mehrerer Mordverdächtiger veröffentlicht, in denen diese mit ihren Beziehungen zu hochrangigen Politikern, darunter auch der damalige Ministerpräsident Robert Fico, prahlten.

Er fordere die Betroffenen "dringend" auf, sich zu melden und zu den Kontakten zu äußern, sagte der Sonderermittler. Die Ermittler hätten Grund zu der Annahme, dass die Behördenvertreter sich strafbar gemacht hätten.

Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte Kusnírová waren im Februar 2018 erschossen worden. Der Reporter hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Der Mord löste Massendemonstrationen gegen die Regierung aus und führte schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Fico.

Kocners Anwalt bestritt die Echtheit der Textnachrichten nicht

Fünf Verdächtige wurden angeklagt, darunter Kocner als mutmaßlicher Auftraggeber und dessen Dolmetscherin. Kuciak hatte sich auch mit den Geschäften von Kocners zahlreichen Unternehmen befasst.

Kocner beteuert seinem Anwalt Marek Para zufolge seine Unschuld. Para bestritt die Echtheit der an die Medien übermittelten Textnachrichten nicht. Ihr Inhalt mache jedoch deutlich, dass sie "überhaupt nichts mit der Tat zu tun haben".

In Nachrichten an seine Dolmetscherin Alena Z. bezeichnete Kocner Fico den Medienberichten zufolge als "Quadratschädel", ein weitverbreiteter Spitzname des Politikers. "Ich mache mir Sorgen, dass der Quadratschädel das nicht überstehen wird", schrieb Kocner, als der öffentliche Druck auf die Regierung nach dem Doppelmord wuchs.

Wochen später, als Fico bereits zurückgetreten war, schrieb Kocner an Alena Z., er werde dem "Quadratschädel einen Überraschungsbesuch abstatten und ihm in den Arsch treten".

höh/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.