Slowakei Liberale Anwältin Caputová gewinnt Präsidentschaftswahl

Mit Zuzana Caputová wird in der Slowakei zum ersten Mal eine Frau zur Präsidentin gewählt. Auch ihre liberalen Ansichten sind ungewöhnlich für das eigentlich eher konservative Land.

Zuzana Caputová
Martin Divisek/EPA-EFE/REX

Zuzana Caputová


Die liberale Bürgeranwältin Zuzana Caputová hat nach vorläufigen Ergebnissen die Präsidentenwahl in der Slowakei gewonnen. Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen lag die 45-Jährige kurz nach Mitternacht mit fast 60 Prozent klar vor dem EU-Kommissar Maros Sefcovic.

Caputová dankte den Wählern für ihr Vertrauen, das sie als Signal der Veränderung interpretierte. Sefcovic gratulierte seiner Gegnerin bereits. Das offizielle Endergebnis soll erst am Sonntagmittag bekannt gegeben werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Innenministerium in Bratislava erfuhr.

Caputová hatte bereits in den Umfragen deutlich vor Sefcovic, dem von den regierenden Sozialdemokraten nominierten Vizepräsidenten der EU-Kommission, geführt. Schon im ersten Wahlgang am 16. März errang die Umweltaktivistin mit fast 41 Prozent einen deutlichen Vorsprung auf den 52-jährigen Diplomaten, der mit nicht ganz 19 Prozent Zweiter wurde. Der parteilose Amtsinhaber Andrej Kiska war nicht mehr angetreten.

Insgesamt waren am Samstag mehr als 4,4 Millionen Stimmberechtigte zur Wahl ihres neuen Staatsoberhaupts für die nächsten fünf Jahre aufgerufen. Auch viele Slowaken, die in den österreichischen und ungarischen Nachbargemeinden der Hauptstadt Bratislava oder in Tschechien leben, fuhren eigens über die Grenze, um an der Wahl teilnehmen zu können, die nur im Inland möglich ist.

kry/dpa



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Geopolitik 31.03.2019
1.
Interessant. In so vielen Ländern kommen Populisten an die Macht oder gewinnen zumindest Einfluss. Die Lehre der Wahl in der Slowakei ist aber wohl auch, dass wenn ein/e authentischer unverbrauchter KanditatIn zur Wahl steht, diese/r auch gewinnen kann. Das deutet eben auch darauf hin, dass westliche WaehlerInnen der Berufspolitiker Leid sind. Wenn man sich z.B. den Spiegel von vor 20 Jahren anschaut kommen darin etliche Politiker vor die man auch heute, fünf Legislaturperioden später, noch in der Politik findet. Oft mit der gehörigen Distanz zur Realität des Durchschnittswaehlers.
Bibs1980 31.03.2019
2. Super
Das ist endlich mal eine gute Nachricht. Sie ist zwar nicht die Regierungschefin, hat aber trotzdem weitreichende Befugnisse, um die Slovakei zu einem modernen und gerechten Land zu machen. Kann dem Hardliner-Bündnis der Visegràd-Gruppe nur gut tun.
mheise 31.03.2019
3. Gratuliere......
Hoffentlich schauen sich die Polen davon etwas ab bei den nächsten Wahlen der EU im Mai, und dann später auch bei den Parlamentswahlen in Polen! Hoffentlich ist die Zeit der rückwärts gewandten, national konservativen Intelligenz-Verweigerer, welche mit dem Segen der polnischen Kirche das Volk spalten und zum Hass aufrufen, und dabei das Verfassungsgericht zerlegt und die Verfassung selbst mehrfach verletzt haben abgelaufen.
Björn L 31.03.2019
4. Hoffnungsschimmer
Es wird sich zeigen wie es weitergeht in einem Land , wo unbequeme und am System rüttelnde Personen nicht alt werden
mens 31.03.2019
5. Respekt.
Die Wahl zeigt, dass die Slowaken, trotz ähnlicher Geschichte wie die ihrer Nachbarn, Ethik und Empathie nicht auf dem Scheiterhaufen des rechten Populismus opfern. Geholfen haben sicherlich die skandalösen Vorgänge, aber wie sie politisch damit umgegangen sind, ist eindeutig ein Gegentrend und hat mir persönlich den Tag gerettet. Die Entwicklungen, auch in Westeuropa, waren in letzter Zeit besorgniserregend. Eigentlich liberale und humanistisch sozialisierte Menschen in Europa DENEN ES GUT GEHT fangen plötzlich an Stammtischreden Gehör zu schenken, Populisten zu wählen und Rassismus zu relativieren, weil irgendein Manipulator und Chauvinist bei Teiltehmen ja *irgendwie Recht hat* UND man grundsätzlich mit der globalen Entwicklung nicht mehr zurecht kommt. Das ist recht erbärmlich. Chapeau, liebe Slowaken!
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