Präsidentenwahl in Slowakei Millionär Kiska wird Staatschef

Der parteilose Andrej Kiska hat überraschend die Präsidentschaftswahl in der Slowakei gewonnen. Der millionenschwere Ex-Unternehmer besiegte in der Stichwahl den sozialdemokratischen Regierungschef Robert Fico.


Bratislava - Triumph für einen Neuling in der slowakischen Politikszene: Der parteilose Millionär Andrej Kiska siegte am Samstag bei der Präsidentschaftswahl. Er holte bei der Stichwahl 59,4 Prozent der Stimmen. Sein sozialdemokratischer Gegner, Ministerpräsident Robert Fico, erhielt 40,6 Prozent.

Kiska hat sein Vermögen mit Konsumentenkrediten gemacht. Vor einem Jahrzehnt verkaufte er seine Firmen und gründete eine Wohltätigkeitsorganisation, die Familien mit kranken Kindern unterstützt.

"Ich will das Vertrauen der Menschen in die Präsidentschaft wiederherstellen", sagte Kiska in seiner Siegesrede in seiner Wahlkampfzentrale in der Hauptstadt Bratislava. "Ich will Politik menschlicher machen." Kiska versprach, er werde Präsident aller Slowaken sein, "ich werde dafür arbeiten, die Menschen zu einen und zu motivieren, damit wir stolz auf unser Land sein können". Fico, der bis zur Parlamentswahl 2016 weiter Regierungschef bleiben dürfte, gratulierte Kiska zu seiner Wahl.

Der 51-jährige Kiska gehört der politischen Mitte an. Er ist der erste Staatschef seit der Unabhängigkeit der Slowakei 1993, der nie Mitglied der Kommunistischen Partei war. Kiska dürfte in der Stichwahl von den Stimmen derjenigen Bürger profitiert haben, die in der ersten Runde weder ihn noch Fico wählten. Ex-Kommunist Fico hatte dagegen auf die Mobilisierung der Nichtwähler aus der ersten Runde gehofft. Die Beteiligung lag am 15. März bei nur 43,4 Prozent.

Kiska tritt am 15. Juni an, wenn die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Ivan Gasparovic endet. Gemäß der slowakischen Verfassung darf dieser nach zwei gewonnenen Wahlen 2004 und 2009 nicht noch einmal antreten.

als/dpa/AFP



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redbayer 30.03.2014
1. Das passt ja prima! In der Ukraine ist der Westen
auch gerade dabei einen Oligarchen zu installieren. Das ist die beste Waffe gegen Russland. Denn dort ist Putin gegen Oligarchen vorgegangen, sonst hätten die dort heute auch schon einen Regierungssturz nach westlichem Muster.
derandersdenkende, 30.03.2014
2. Geld regiert die Welt
Zitat von sysopAFPDer parteilose Andrej Kiska hat überraschend die Präsidentschaftswahl in der Slowakei gewonnen. Der millionenschwere Ex-Unternehmer besiegte in der Stichwahl den sozialdemokratischen Regierungschef Robert Fico. http://www.spiegel.de/politik/ausland/slowakei-millionaer-kiska-gewinnt-praesidentenwahl-a-961510.html
Und der Mensch ist nur Mittel zum Zwecke der Reichtumsanhäufung einiger weniger. Da diese Demokratie so funktioniert, macht es wenig Sinn, Handlanger des Kapitals zu wählen, da kann man das Kapital auch gleich wählen oder aber man verzichtet gleich auf die Wahl!
tatramatrafatra 30.03.2014
3. Das Volk hat gewählt!
Menschen in der Slowakei sind es überdrüssig die Marionetten für korrupte Politiker zu sein, die über deren Köpfe hinweg und über das Wohlergehen deren Landes sich stetig bereichern als währen sie in einem "Selbstbedienungsladen". Die Wahlergebnisse zwischen/um Tatra, Matra und Fatra spiegeln mehr als eindeutig die Stimmung des Volkes wider - es reicht! So und so ähnlich ist es nicht nur in dem kleinen Land unter der hohen Tatra. Bei dem östlichen Nachbarn Ukraine sieht man es noch besser und Ungarn im Süden ist ein "Pulverfass" schlecht hin. Möge die Slowakei, oder andere Länder noch so unbedeutend und vor allem leider noch so unbekannt für viele sein, es empfiehlt sich sie genau zu betrachten. Die Sorgen der Menschen sind universell. Die Mittelschicht rutscht immer weiter ab, die unermesslich Reichen die von Subventionen und Chaos profitiert haben wissen gar nicht mehr wo sie mit ihrem Geld hin sollen. Der Schrei nach Identität in der Wüste des gelobten "Pluralismus" wird immer lauter. Liebe Politiker - schaut hin, hört zu, lernt, respektiert und hilft! Und das nicht nur Euch selbst! Andrej Kiska ist ein Funken Hoffnung, der hoffentlich nicht schneller verblasst als er aufgestrahlt hat. Alle ehrlich, hart arbeitenden Slowaken haben es verdient einen Repräsentanten zu haben, der Sie stolz macht!
fam.weber11 30.03.2014
4. Wegweiser für die Demokratie?
Eine Wahlbeteiligung von rd. 43 %. Und ein neu gewählter Präsident, der keine Partei im klassischen Sinn mehr benötigt, sondern Millionär geworden ist; durch Konsumentenkreditkarten. Da steckt unglaublich viel Symbolik drinnen und ebenso viel Stoff für Politikseminare über die Zukunftsfähigkeit demokratischer Systeme in Europa.
ivan.varga.nr 30.03.2014
5.
Ich sehe es als Slowake ein bischen anders... Wir haben vor allem gegen Macht einer Partei gewählt. Hätte jetzt der Robert Fico gewonnen, so würden eigentlich alle relevante politische Institutionen unter Kontrolle einer Partei - der Sozial-Demokraten. Somit würde die Situation sehr Aehnlich der in Ungarn. Kiska wurde auch von der Oposition unterstützt. Und ja, er hat sein Vermögen mit Krediten-Firma gemacht, allerdings es war in der neunzigen Jahren und damals gaben die Banken keine Kredite an private Kunden (und die Zinsen waren um 20% p.a.). Kiska hat damals den Leuten ermöglicht, sich Fernseher, Waschmaschine oder sonst etwas zu kaufen ohne mehr zu bezahlen als in normalen Geschäft. Er hat die Zinsen von den Margen bedeckt (es waren also keine direkte Kredite, sondern Raten-Zahlung - so wie es jetzt ziemlich üblich auch von anderen Firmen angeboten wird - etwa bei den Auto-Verkäufer). Präsidenten Wahl war also vor allem Antwort darauf, dass wir nicht wollen, dass eine Partei totale Macht in der Slowakei hat. Und ehrlich gesagt - letzte gute Präsident in der Slowakei war Vaclav Havel - für alle andere müsste man sich mehr schämen als stolz sein...
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