Flüchtlinge in Europa Slowenien beginnt mit dem Bau von Grenzzäunen

Slowenien und Kroatien sind Mitgliedstaaten der EU. Dennoch hat Slowenien laut Berichten angefangen, erste Grenzzäune zum Nachbarland zu bauen. Soldaten rollen Stacheldraht aus.
Soldaten verlegen Draht in Veliki Obrez: Grenzzäune zu Kroatien

Soldaten verlegen Draht in Veliki Obrez: Grenzzäune zu Kroatien

Foto: ANTONIO BRONIC/ REUTERS

In den Gemeinden Brezice und Razkrizje in Slowenien haben Soldaten offenbar mit ersten Arbeiten für einen Grenzzaun begonnen. Laut der Nachrichtenagentur dpa berichten das slowenische Medien übereinstimmend. Auch ein Fotograf der Agentur Reuters meldet, Lastwagen hätten Maschendraht in die Ortschaft Veliki Obrez gebracht. In der Grenzregion Gibina würden Soldaten Stacheldraht ausrollen, berichtet auch ein AFP-Fotograf.

Regierungschef Miro Cerar hatte diesen Schritt am Dienstag angekündigt. An den Übergängen bleibe die Grenze jedoch offen, sagte er. Weitere Details zu dem Vorhaben waren nicht genannt worden. So soll der Andrang von Flüchtlingen und Migranten aus Kroatien in Richtung Österreich und Deutschland kontrolliert werden.

Allein am Dienstag seien rund 7400 Menschen nach Slowenien gekommen, meldete die Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Polizei. Seit Mitte Oktober seien 180.000 Flüchtlinge in dem Land registriert worden. Die sogenannte Balkanroute aus der Türkei führt über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Kroatien über Slowenien nach Westeuropa.

Slowenien schließe seine Grenze nun "symbolisch", meldet die Zeitung "Delo". Dafür habe das Land die Zustimmung Deutschlands und Österreichs, hieß es. Allerdings hieß es aus Regierungskreisen, der Schritt bedeute nicht, dass der Zustrom der Flüchtlinge "entscheidend reduziert" würde. Damit soll offenbar möglichen Befürchtungen einer kompletten Grenzschließung entgegengewirkt werden.

Schon jetzt ist Slowenien mit dem Andrang an seiner Grenze überfordert: Mehrere EU-Länder haben Polizeibeamte zur Verstärkung der slowenischen Grenzbeamten geschickt. Bei einem Krisentreffen Ende Oktober war die Entsendung 400 zusätzlicher Beamter beschlossen worden. Auch Deutschland beteiligt sich.

Zu den Plänen hatte sich auch Kanzlerin Angela Merkel geäußert: Cerars Ankündigung zeige "die Dringlichkeit, mit der wir an einer gesamteuropäischen Lösung arbeiten müssen". Auch in Deutschland wird über den Umgang mit der Flüchtlingskrise gestritten. Die Große Koalition ist sich weiter uneins, wie mit dem Thema Familiennachzug von Syrern weiter umgegangen werden soll.

Die europäische Grenzschutzbehörde Frontex registrierte in diesem Jahr nach eigenen Angaben bislang rund 1,2 Millionen illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen und Migranten. Das sind viermal so viele wie im gesamten Jahr 2014.

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vek/Reuters/dpa/AFP
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