Snowden-Enthüllungen "Guardian" holt "New York Times" ins Boot

Allianz der Medien gegen Geheimdienst und Regierung: Der britische "Guardian" will künftig gemeinsam mit der "New York Times" die Snowden-Enthüllungen aufarbeiten. Die US-Zeitung erhalte Zugang zu "sensiblen" Dokumenten.
"Guardian"-Gebäude in London: Im Visier britischer Spione

"Guardian"-Gebäude in London: Im Visier britischer Spione

Foto: Bethany Clarke/ Getty Images

London/New York - Der "Guardian" steht massiv unter Druck. Unter Aufsicht des britischen Geheimdienstes mussten die NSA-Enthüller ihr Recherchematerial zerstören, Premier David Cameron soll laut "Independent" persönlich Schikanen gegen die britische Tageszeitung angeordnet haben. Jetzt holt sich die Redaktion Schützenhilfe in den USA: Das Blatt will das brisante Material des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden künftig gemeinsam mit der "New York Times" auswerten.

"In einem Klima immensen Drucks von Seiten der britischen Regierung" habe sich der "Guardian" entschieden, einen US-Partner ins Boot zu holen, schreibt die Zeitung  am Freitag auf ihrer Internetseite. Die "NYT" erhalte damit Zugang zu "sensiblen" Dokumenten über den britischen Geheimdienst GCHQ, die Snowden den Journalisten zugespielt hat. Aber auch der "Guardian" werde weiterhin darüber berichten.

Mit Bohrern und Schleifmaschinen

Die britische Zeitung hatte vor einigen Tagen öffentlich gemacht, dass ihr Chefredakteur Alan Rusbridger von der Regierung in London gezwungen wurde, Festplatten mit Informationen von Snowden zu vernichten. Während die Zeitungsleute mit Bohrern und Schleifmaschinen zu Werke gegangen seien, hätten die Agenten Fotos gemacht.

Auch der "Independent" hat am Freitag die Enthüllungen über Agenten und Spione vorangetrieben. Mit Hilfe von Snowdens Datenschatz meldete die Zeitung, dass Großbritannien im Nahen Osten eine bisher nicht bekannte Spionagebasis unterhält.

Gegen David Miranda, den Lebensgefährten des "Guardian"-Journalisten Glenn Greenwald, hat die britische Polizei derweil Ermittlungen eingeleitet. Er soll bei seiner vorübergehenden Festnahme am Flughafen London-Heathrow "hochsensibles Material" bei sich gehabt haben, teilte Scotland Yard-Anwalt Jonathan Laidlaw mit. Vor dem Hintergrund erklärte der "Guardian" am Freitag, in den USA seien Journalisten durch die Verfassung besser geschützt als in Großbritannien.

Der "Guardian" und die "New York Times" hatten schon im Jahr 2010 kooperiert: beim Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Zeitung "News of the World" von Rupert Murdoch. In dem Medienskandal wurden zu Beginn der Woche erneut britische Boulevardjournalisten angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, Staatsdiener bestochen zu haben.

bos/AFP
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