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30. August 2015, 23:44 Uhr

NSA-Enthüller

Snowden sollte mit Evo Morales aus Moskau fliehen

WikiLeaks wollte im Juli 2013 Edward Snowden geheim aus Russland ausfliegen lassen. Der Whistleblower sollte zusammen mit dem bolivianischen Staatschef Evo Morales nach Lateinamerika reisen, wie Julian Assange nun verriet.

Im Sommer 2013 saß NSA-Enthüller Edward Snowden wochenlang auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo fest. Die USA hatten seinen Reisepass ungültig gemacht, Snowden bat in 21 Ländern weltweit um Asyl. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks plante damals, Snowden aus Russland geheim ausfliegen zu lassen. Dies gab WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem am Sonntag veröffentlichten Gespräch mit der bolivianischen Zeitung "El Deber" bekannt.

"Wir erörterten zunächst die Möglichkeit, Snowden im Flugzeug des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro auszufliegen", sagte Assange der Zeitung in der ecuadorianischen Botschaft in London. Da die Maschine Maduros vom US-Geheimdienst beobachtet worden sei, sei in Betracht gezogen worden, Snowden im Flugzeug von Morales nach Lateinamerika zu fliegen. Beide Präsidenten befanden sich zu einer Konferenz in der russischen Hauptstadt.

Der Plan sei aufgegeben worden, als klar wurde, dass europäische Regierungen den Überflug der Maschine von Morales sperren wollten. Das bolivianische Präsidentenflugzeug wurde damals in Wien zu einer Zwischenlandung gezwungen.

Erst nachdem klar war, dass Snowden sich nicht an Bord befand, durfte Morales weiterfliegen. Bolivien machte damals die USA für den Vorfall verantwortlich. Morales hatte öffentlich erklärt, er sei bereit, Snowden Asyl zu gewähren.

Anfang August 2013 erhielt Snowden eine Aufenthaltsgenehmigung von Russland. Diese wurde 2014 um drei Jahre verlängert.

kha/dpa

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