Snowden-Unterlagen Al-Qaida wappnet sich gegen Kampfdrohnen

Drohnen sind die wichtigste Waffe der USA im Kampf gegen al-Qaida. Aus amerikanischen Geheimdienstunterlagen geht hervor, wie die Terroristen versuchen, sich gegen die tödlichen unbemannten Flieger zu wehren - mit oft einfachsten Mitteln.

USAF

Kampfdrohnen sind eine der Säulen in Amerikas Strategie gegen al-Qaida. Während sich die USA am Boden mit ihren Soldaten aus dem Nahen und Mittleren Osten zurückziehen, weitet Washington den Krieg aus der Luft weiter aus.

Qaida-Terroristen etwa in Pakistan, Afghanistan, Jemen oder Somalia müssen sehr vorsichtig bei ihren Bewegungen und ihrer Kommunikation sein. Der US-Drohnenkrieg hat in den vergangenen zehn Jahren rund 3000 Menschen getötet - darunter auch Zivilisten, was in den betroffenen Ländern regelmäßig zu Protesten der Bevölkerung führt.

Das Terrornetzwerk denkt verstärkt darüber nach, wie es die Drohnenangriffe bekämpfen kann. Offenbar hat al-Qaida deshalb inzwischen mehrere Zellen mit Experten eingerichtet. Dies geht aus amerikanischen Geheimdienstunterlagen hervor, die der Whistleblower Edward Snowden der US-Zeitung "The Washington Post" weiterleitete.

Die Qaida-Zellen bestehen aus Ingenieuren; das Terrornetzwerk rekrutiert schon seit längerem Anhänger mit speziellen Kenntnissen. Auch Chalid Scheich Mohammed, einer der Planer der Anschläge vom 11. September, ist technisch versiert und gilt als begeisterter Bastler. Die Attentäter schickte das Terrornetzwerk vor dem Anschlag in Flugschulen.

Die Qaida-Techniker sollen sich bislang mit folgenden Projekten befassen:

  • Störsender: Mit diesen könnte al-Qaida das GPS-Signal oder die Infrarot-Marker der Drohnen stören. Auf diese sind die amerikanischen Piloten der Drohnen in ihren Operationsräumen angewiesen, um die unbemannten Kampfflugzeuge aufs richtige Ziel feuern zu lassen.

  • Frühwarnsystem: Offenbar überlegt al-Qaida auch, ob es möglich sein könnte, die Drohnen mit kleinen Überwachungsballons oder Bastelflugzeugen auszuspähen. So wären die Terroristen frühzeitig über mögliche Flugrouten und Angriffsziele informiert.

Die Ingenieure sollen demnach der Qaida-Führung in Pakistan ihre Ideen vorlegen. Die würde sie dann auf ihre praktische Anwendbarkeit hin überprüfen, so der Geheimdienstbericht.

Experten warnen vor der Störanfälligkeit der Drohnen

Als besonders störanfällig gelten die Satellitenverbindung und die Fernbedienungssysteme der Drohnen. Erst sie machen es möglich, dass Piloten die unbemannten Flugzeuge aus Tausenden Kilometern Entfernung steuern.

Schon länger warnen US-Experten, dass es Terroristen mit einfachen Mitteln gelingen könnte, sich gegen die Drohnen zu wehren. Der Wissenschaftsrat der US-Luftwaffe (Scientific Advisory Board of the United States Air Force) schrieb in einem Bericht im April 2011: "Trotz der bisher geringen Anzahl an Verlusten unbemannter Drohnen könnten preisgünstige physische Bedrohungen (wie MANPADS, einfache Flugabwehrraketen, und Luft-Luft-Raketen) sowie elektronische Bedrohungen (wie Schallmesser, billige Radars oder Störsender) zukünftige Einsätze gefährden." Als simple Störmittel aufgelistet in dem Bericht werden etwa Laser, die die Kamera oder Sensoren der Drohnen blenden oder Sender, die ihre Steuerung und Kommunikation behindern könnten.

Forscher der Universität von Texas in Austin haben vergangenes Jahr bewiesen, dass dies keine nur theoretische Möglichkeit ist. Sie kaperten mit ihrem GPS-Signal eine kleine zivile Drohne und brachten sie von ihrem eigentlichen Kurs ab.

Von solchen Entführungen der US-Kampfdrohnen kann die Qaida-Führung bisher nur träumen. Bisher setzen die Terroristen auf nicht-elektronische Abwehrmethoden, wie Dokumente zeigen, die im malischen Timbuktu sichergestellt wurden. Solche schultergeschützten und einfachen Boden-Luft-Flugabwehrraketen versucht al-Qaida jetzt auch zu bekommen.

ras

insgesamt 213 Beiträge
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Seite 1
ratxi 04.09.2013
1. Darauf lässt sich dann aufbauen...
Zitat von sysopUSAFDrohnen sind die wichtigste Waffe der USA im Kampf gegen al-Qaida. Aus amerikanischen Geheimdienstunterlagen geht hervor, wie die Terroristen versuchen, sich gegen die tödlichen unbemannten Flieger zu wehren - mit oft einfachsten Mitteln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/snowden-wie-al-qaida-sich-gegen-drohnen-wehrt-a-920325.html
Dass al-Quaida alles Mögliche versucht, ist doch klar. Dafür braucht es keine Geheimdienstinformationen. Der Informationswert ist so hoch, wie bei Berichten über Lebenslängliche, die überlegen, wie man ausbrechen könnte. Vorab werden die Islamisten wohl die westlichen Medien studieren, um Informationen über mögliche Schwachpunkte der Drohnen zu sammeln. Darauf lässt sich dann aufbauen...
pontypool 04.09.2013
2. Die Al Kaida braucht bald keine......
....Bastelflugzeuge und Laserpointer mehr. Gegenwärtig wird sie von der CIA and Friends mit modernster Flugabwehrtechnik ausgestattet. Damit kann man vielleicht keine Jets vom Himmel pusten, aber für eine niedrig und langsam fliegende Kampfdrohne langt es allemal. Aber Kerry und Hagel haben ja versprochen, das die FSAAlNusra wenn sie die Syrische Grenze in Richtung Ausland überqueren, diese Waffensystem am Zoll abgeben werden! Also doch keine Gefahr für die schöne neue Nato- Drohnenwelt! Noch mal Glück gehabt.
Basiscreme 04.09.2013
3. 3000 Menschenleben...
...und wieviele waren davon eindeutig Terroristen?? Der Artikel zeigt das wahre Problem der Drohnen: Durch anfällige Technik wird bestimmt die ein oder andere Drohne mal abstürzen und unschuldige Opfer töten. Dazu kommen die Opfer, weil Raketen leider zu ungenau treffen und dann mal die Nachbarsfamilie mit ihren 10 Kindern verletzt oder tötet. Klasse Technik!!!
Leserbrief 04.09.2013
4. neue arme Lieblinge ?
Och, die Armen, können sich nicht gegen die bösen Killerdrohen wehren. Sie müssen mit selbstgebastelten Dingen auskommen... das ist so unfair. Wie wäre es damit: diese ganzen durchgeknallten Islamisten können sich einen zivilen Beruf suchen und normal Geld verdienen, als Bauer, Automechaniker, Bauleiter, Bauarbeiter oder Abwasserwirtschaftsexperte... zuviel verlangt?
Spiegelansgar 04.09.2013
5. Roboter-Mord !
Jedes Segelglugzeug, jedes Kleinstflugzeug braucht in Deutschland seine Genehmigungen...aber bewaffnete, todbringende Sprengstofftraeger duerfen mal einfach tausende von Kilometern hinweg ueber meinen Kopf gejagt werden, um irgenswo auf der Welt Leute zu ermorden, denen kein zivilisierter Prozess eingeraemt wurde ??! - Ich verabscheue diese menschenrechtswidrige Amerikanische Wild-West- Ideologie mit Roboter-Mord !
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