Söldner im Irak US-Armee lässt Folterer mit Rüge davonkommen

Die US-Armee hat sechs ihrer Soldaten die schärfste mögliche Rüge erteilt, weil sie irakische Gefangene misshandelt haben sollen. Dadurch können sie aus dem Militärdienst ausgeschlossen werden. Weitere Konsequenzen seitens der Armee drohen ihnen aber vermutlich nicht.



Bagdad - Ein weiterer US-Soldat sei verwarnt worden, teilte ein Armeesprecher mit. Gegen sechs Militärpolizisten wird außerdem gerichtlich ermittelt. In einem internen Bericht der Streitkräfte hieß es, die Häftlinge im Gefängnis Abu Ghureib nahe Bagdad seien "sadistischem, unverhohlenem und mutwillig kriminellem Missbrauch" ausgesetzt gewesen. Dies berichtete das Magazin "The New Yorker".

Die Verweise blieben geheim, und es würden keine Details über Identität und Dienstrang der Offiziere veröffentlicht, hieß es. Bei dem Verweis handelt es sich um die schärfste Bestrafung in schriftlicher Form, die von der US-Armee ausgesprochen werden kann. Damit könnten die Soldaten möglicherweise aus dem Militärdienst ausgeschlossen werden, weitere Konsequenzen seitens der Armee drohen vermutlich aber nicht, hieß es. Allerdings wurden nach Informationen der "Washington Post" vor einem Strafgericht sechs Anklagen gegen die Soldaten eingereicht.

Auch die britische Armee untersucht Misshandlungsvorwürfe gegen eigene Soldaten. Der US-Oberkommandierende im Irak, General Ricardo Sanchez, hatte bereits im Januar eine Untersuchung in Zusammenhang mit möglichen Misshandlungen irakischer Gefangener eingeleitet.

Der US-Sender CBS hatte in der vergangenen Woche Bilder veröffentlicht, auf denen US-Soldaten irakische Gefangene in Abu Ghureib misshandeln und erniedrigen. Unter anderem waren Gefangene zu sehen, die nackt übereinander lagen. Auf einem anderen Bild ist ein Mann zu sehen, der auf einer Kiste steht. Sein Kopf ist verhüllt, an seinen Händen und Füßen sind Kabel zu sehen. Ihm sei mit einem Stromschlag gedroht worden, wenn er von der Kiste steige, berichtete der Sender.

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Fotostrecke: Die Folterer von Bagdad

Foto: AP / The New Yorker

Das US-Militär im Irak hat unterdessen einen neuen Kommandeur für die am Wochenende gebildete Falludscha-Schutztruppe ins Spiel gebracht. Derzeit wird die Streitkraft von dem ehemaligen General der alten irakischen Armee, Dschasim Mohammed Saleh, befehligt. Saleh rekrutierte am Wochenende rund 1000 Männer, die meist aus der im Vorjahr aufgelösten irakischen Armee stammen. Wie ein US-Militärvertreter am Montag in Bagdad sagte, soll aber ein anderer irakischer Ex-Militär das Kommando über die künftige "Falludscha-Brigade" führen. Seinen Namen gab er mit Mohammed Latif an.

Saleh werde weiterhin das erste Bataillon der "Falludscha-Brigade" führen, sagte der US-Militärvertreter. Saleh werde dem Brigade-Kommandeur Latif unterstellt sein.

Die irakische Schutztruppe soll nun Ordnungsaufgaben übernehmen, die Aufständischen und gegebenenfalls ausländische Kämpfer entwaffnen und die Rückkehr von Polizei und Justiz ermöglichen. Rund 2000 US-Marineinfanteristen hatten am Wochenende damit begonnen, ihren Belagerungsring rund um Falludscha zu räumen.

Eine Rolle Latifs war bereits am Wochenende vom Kommandeur der für Falludscha zuständigen 1. Marineinfanteriedivision, General James Conway, angedeutet worden. Der ehemalige Oberst des irakischen Militärgeheimdienstes sei aus dem Land vertrieben worden und habe vorübergehend in Europa gelebt, sagte Conway am Samstag.

24 besorgte bulgarische Soldaten sind am Montag früher als geplant aus dem Irak abgezogen worden. Sie hatten ihre Rückverlegung selbst beantragt, weil das Risiko ihres Einsatzes in der Stadt Kerbela "größer als erwartet ist". Das meldete der Staatsrundfunk in Sofia. Bis Ende April hatten demnach 44 der insgesamt 484 im Irak stationierten Bulgaren Anträge auf Rückverlegung gestellt.

Bisher wurden sechs bulgarische Soldaten im Irak getötet. Die Staatsführung und das Parlament in Sofia haben dennoch das Verbleiben des Militärkontingents im Irak bekräftigt.

In Nadschaf kam es zu schweren Gefechten zwischen Aufständischen und US-Truppen. Aufständische beschossen in der Nacht den ehemaligen spanischen Militärstützpunkt, der mittlerweile von US-Truppen genutzt wird. Rund 20 Granaten schlugen im Gebäude und in der Nähe ein, Berichte über mögliche Opfer gab es zunächst nicht. Im Laufe des Tages flammten wieder Gefechte auf, über der Gegend kreisten Hubschrauber.

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