Solidarität mit Chinas Führung 19 Staaten boykottieren Nobelpreisverleihung

Der Druck aus Peking wirkt. Neben China haben 18 weitere Staaten ihre Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises für den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo abgesagt. Das chinesische Außenministerium bezeichnete Unterstützer des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo als Clowns.

Inhaftierter Preisträger Liu Xiaobo: Unterstützer werden an Ausreise gehindert
DPA

Inhaftierter Preisträger Liu Xiaobo: Unterstützer werden an Ausreise gehindert


Oslo - Bei der Verleihung des Nobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo werden zahlreiche Stühle frei bleiben: Neben China haben insgesamt 18 Staaten angekündigt, keine Vertreter zu der Zeremonie an diesem Freitag in Oslo zu schicken. Das teilte nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters das norwegische Nobelkomitee mit.

Die Einladung abgelehnt haben demnach jetzt Kolumbien, Tunesien, Saudi-Arabien, Pakistan, Serbien, Iran, Vietnam, Afghanistan, Venezuela, die Philippinen, Ägypten, der Sudan und die Ukraine. Bereits zuvor hatten Russland, Kasachstan, Kuba, Marokko und der Irak erklärt, nicht an der Zeremonie teilnehmen zu wollen.

China sieht eine noch viel größere Unterstützung für seinen Boykott: Mehr als 100 Länder und Organisationen hätten bisher ihre Unterstützung für die chinesische Haltung geäußert, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Dienstag in Peking. "Das zeigt ganz klar, dass die internationale Gemeinschaft die Entscheidung des Nobelpreiskomitees nicht akzeptiert." Die Namen der Länder und Organisationen, die der Zeremonie fernbleiben wollten, wollte China nicht nennen.

Drei Tage vor der Verleihung kommen aus Peking immer schärfere Attacken: "Ich will den Mitgliedern des Nobelkomitee sagen, dass sie selbst Regisseure und Schauspieler einer antichinesischen Posse sind", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, vor der Presse. Mit der Verleihung an einen "inhaftierten Kriminellen" unterstütze das norwegische Komitee öffentlich "gesetzesbrecherische und kriminelle Aktivitäten" in China. Es sei eine "grobe Einmischung" in die Souveränität der chinesischen Justiz. "Diese falsche Entscheidung stößt nicht nur auf energischen Widerstand des chinesischen Volkes, sondern wird auch von den meisten Ländern in der Welt, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, nicht akzeptiert."

Die Welt schaut am Freitag nach Oslo - aber Preisträger Liu wird seine Auszeichnung nicht entgegennehmen können. Der 54-Jährige sitzt wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" in einem chinesischen Gefängnis. Mit anderen Aktivisten hatte Liu vor genau zwei Jahren die "Charta 08" für Demokratie und Menschenrechte in China entworfen. Am 8. Dezember 2008, zwei Tage vor ihrer Veröffentlichung, wurde Liu festgenommen. Auch Lius Frau Liu Xia steht unter Hausarrest.

Das Nobelkomitee in Oslo hatte Liu für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte" ausgezeichnet. Er ist Mitautor der "Charta 08", in der Dissidenten Reformen, Freiheiten und das Ende des Machtmonopols der Kommunistischen Partei in China forderten.

Zuletzt hatte die Führung in Peking den Druck auf Kritiker im Land drastisch verschärft und Unterstützer Lius an der Ausreise gehindert. Jüngstes Opfer ist der bekannte chinesische Gegenwartskünstler Ai Weiwei, der am Donnerstag an einer Reise nach Südkorea gehindert wurde. "Ich war schon durch den Zoll und wurde am Flugsteig gestoppt", sagte Ai Weiwei am Freitag.

anr/Reuters/dpa



insgesamt 263 Beiträge
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Baracke Osama, 07.12.2010
1. --
Zitat von sysopDer Druck aus Peking wirkt. Neben China haben 18 weitere Staaten ihre Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises für den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo abgesagt. Das chinesischen Außenministerium bezeichnete Unterstützer des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo als "Clowns" . http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733226,00.html
"Die Einladung abgelehnt haben demnach jetzt Kolumbien, Tunesien, Saudi-Arabien, Pakistan, Serbien, Iran, Vietnam, Afghanistan, Venezuela, die Philippinen, Ägypten, Sudan und die Ukraine. Bereits zuvor hatten Russland, Kasachstan, Kuba, Marokko und Irak erklärt, nicht an der Zeremonie teilnehmen zu wollen. " Eine neue Achse des Bösen?
darkwingduck, 07.12.2010
2. von China lernen heißt siegen lernen
Zitat von sysopDer Druck aus Peking wirkt. Neben China haben 18 weitere Staaten ihre Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises für den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo abgesagt. Das chinesischen Außenministerium bezeichnete Unterstützer des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo als "Clowns" . http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733226,00.html
Tja, da werden die USA nun eifrig lernen wie man missliebige Menschen diskreditiert. Sicher werden auf diplomatischen Kanälen schon Erfahrungen ausgetauscht.
Haarspalter 07.12.2010
3. ?
Zitat von sysopDer Druck aus Peking wirkt. Neben China haben 18 weitere Staaten ihre Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises für den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo abgesagt. Das chinesischen Außenministerium bezeichnete Unterstützer des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo als "Clowns" . http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733226,00.html
Da hat man ja eine schöne Liste von Abschaumstaaten zusammen.
vHayekFan 07.12.2010
4. zu denken
Mal abgesehen davon, dass der Friedensnobelpreis ein Witz ist, seit er vornehmlich Regierungsvertretern des Westens verliehen wird (auch wenn sie gerade mehrere Kriege zugleich führen) und Regimegegnern in nichtwestlichen Staaten, sollte den Chinesen die Reihe der Länder, die sich da auf ihre Seite stellen, doch sehr zu denken geben.
SchneiderG 07.12.2010
5. .
Zitat von Baracke Osama"Die Einladung abgelehnt haben demnach jetzt Kolumbien, Tunesien, Saudi-Arabien, Pakistan, Serbien, Iran, Vietnam, Afghanistan, Venezuela, die Philippinen, Ägypten, Sudan und die Ukraine. Bereits zuvor hatten Russland, Kasachstan, Kuba, Marokko und Irak erklärt, nicht an der Zeremonie teilnehmen zu wollen. " Eine neue Achse des Bösen?
Nein. Die einen sind die Clowns der Chinesen und die anderen sind die Clowns der Befürworter (?) ... von wem eigentlich, da es ja keine Nation war die den Preis verliehen hat. Grundsätzlich ist der Wortlaut aus der KPCH ähnlich primitiv wie dem einiger KPCH-Befürworter im Forum die sich hauptsächlich durch Beleidigungen und Beschimpfungen hervortun und präsentieren, wenn sich jemand kritisch gegenüber der KPCH äußert.
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