Solidaritätsproteste für Athen Randale in mehreren europäischen Hauptstädten

In Griechenland entspannt sich die Lage - dafür gibt es jetzt Krawalle in anderen europäischen Ländern. Bei Solidaritätsprotesten unter anderem in Rom, Madrid und Kopenhagen bekämpften sich Autonome und Polizisten, viele Menschen wurden festgenommen.


Hamburg/Athen - Tagelang schien die Lage in Griechenland außer Kontrolle - nun beruhigt sich die Situation in Athen und anderen griechischen Städten. Zwar kam es am Mittwoch auch am Rande eines seit längerem geplanten Generalstreiks im Zentrum der Hauptstadt wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Das Ausmaß war jedoch geringer als in den Tagen zuvor.

Dagegen kam es bei Solidaritätskundgebungen in anderen europäischen Städten zu teilweise heftigen Ausschreitungen. In Madrid, Barcelona, Kopenhagen, Rom und Bologna wurden zahlreiche Demonstranten festgenommen.

Randale in Rom: Solidaritätsproteste für getöteten Griechen
REUTERS

Randale in Rom: Solidaritätsproteste für getöteten Griechen

In Madrid wurden in der Nacht neun Randalierer festgenommen, die im Zentrum der spanischen Hauptstadt gegen die Erschießung des jungen Griechen demonstriert und die Scheiben eines Polizeireviers eingeschlagen hatten. Mehrere Beamte wurden nach Angaben der Behörden bei dem Angriff verletzt.

In Barcelona kamen etwa 300 junge Leute zu einer nicht angemeldeten Demonstration zusammen. Die Polizei löste die Kundgebung auf, nachdem Teilnehmer Steine gegen Geschäftsstellen von Banken geschleudert hatten. Die Beamten nahmen zwei Gewalttäter fest, darunter eine junge Griechin.

Zu Ausschreitungen kam es auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten vor dem griechischen Generalkonsulat in Bologna wurden den Berichten zufolge fünf Polizisten verletzt.

Auch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen löste die Polizei am Abend eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 200 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland. 25 Demonstranten wurden festgenommen.

In Griechenland kündigten Schüler- und Studentenverbände für Donnerstag friedliche Demonstrationen an. Sie planen aus Protest gegen die Tötung eines 15-jährigen Schülers bei einem Polizeieinsatz am vergangenen Samstag wichtige Straßenkreuzungen zu sperren.

Todesschütze weiter in Untersuchungshaft

Vier Tage nach dem Tod des 15-Jährigen ordnete ein Untersuchungsrichter am Mittwochabend in Athen eine Fortsetzung der Untersuchungshaft gegen den Polizisten an, der den tödlichen Schuss abgegeben hatte. Der tragische Vorfall hatte die schwersten Krawalle in Griechenland seit Jahrzehnten ausgelöst.

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Nach Angaben seines Rechtsanwalts wird er jedoch durch die ballistische Untersuchung der tödlichen Kugel entlastet. So komme der noch nicht veröffentlichte Bericht zu dem Schluss, dass es sich um einen Querschläger gehandelt habe, sagte der Anwalt griechischen Medien. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür bislang nicht.

Der 37-jährige Polizist hatte mehrmals beteuert, lediglich drei Warnschüsse abgefeuert zu haben; das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Er hofft nun, nicht wegen Totschlags oder gar Mordes belangt zu werden. Einem 31-jährigen Polizei-Kollegen wird Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Auch er bleibt in Untersuchungshaft.

flo/dpa/AFP



insgesamt 1386 Beiträge
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SaT 08.12.2008
1. deren Probleme sind die unsrigen
Polizisten warfen einfach mit den Steinen auf Demonstranten zurück – das Wasser war ausgegangen. Eigentlich eine menschliche Reaktion. Und doch bestätigt es mich in dem Urteil, dass Griechenland als Mutterland Europas noch nicht reif für die EU war und ist – 1981 nicht und heute auch nicht. Zu groß sind die Unterschiede die seit dem West und Oströmischen Reich existieren. Nun ist aber das Land in der EU und deren Probleme sind die unsrigen. Mit den Demonstranten habe ich nicht allzu viel Sympathie. Ich war früher selbst links (inzwischen habe ich dazugelernt) und nahm an Demonstrationen teil – war allerdings nie gewalttätig. Durch das zerstören öffentliches und privates Gut wird sicher nichts besser.
Bre-Men, 08.12.2008
2. ?
Zitat von sysopBahnverbindungen sind blockiert, Universitäten besetzt: In Griechenland haben die schweren Ausschreitungen schon mehr als hundert Millionen Euro Schaden angerichtet. Wie kann das Land seine aktuellen Probleme lösen?
das Thema dürfte die griechisch-stämmige Bevölkerung hier sicher interessieren. Ich fahr dort auch gerne hin in Urlaub. Aber, warum sollen eigentlich wir hier in Deutschland diese Frage beantworten? Können wir hier nicht mal die Leute selbst ihre Probleme regeln lassen?
dragonmasterx2 08.12.2008
3.
So wie ich das sehe ist die derzeitige griechische Regierung unfähig und korrupt.
Xiuhcoatl 08.12.2008
4. Vorurteil
Je weiter man in Europa nach Süden kommt, desto bananenrepublikanischer. (Nicht, dass mir das ansympathisch wäre.)
Michael KaiRo 08.12.2008
5. ?
Zitat von sysopBahnverbindungen sind blockiert, Universitäten besetzt: In Griechenland haben die schweren Ausschreitungen schon mehr als hundert Millionen Euro Schaden angerichtet. Wie kann das Land seine aktuellen Probleme lösen?
Kann SPON in einfachen Sätzen nicht mal erklären, was dort eigentlich los ist? Dass die Demonstrationen / Krawalle nunmehr entgleist sind (angeblich wegen dem Tod eines 15jährigen) habe ich ja noch mitbekommen. Aber was war der Auslöser überhaupt. Worum geht es? Bitte die 5 W beantworten: Wer, was, wann, wie und wo und dann vielleicht noch die letzten beiden Ws: Warum und weshalb. Danke!
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