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28. Dezember 2006, 07:07 Uhr

Somalia

Äthiopische Truppen rücken auf Mogadischu vor

Der Krieg zwischen Äthiopien und Somalia weitet sich aus. Mit Panzern rücken äthiopische und mit ihr verbündete Truppen auf die somalische Hauptstadt Mogadischu vor. Frankreich warnt vor einer Destabilisierung am Horn von Afrika. Unterdessen scheiterte im Uno-Sicherheitsrat erneut eine gemeinsame Resolution.

New York - Äthiopische Truppen und Soldaten der somalischen Übergangsregierung hatten bereits am Mittwoch die letzten Orte in der Umgebung von Mogadischu erobert. Die Regierungstruppen in Somalia rücken unterdessen weiter mit Panzern und Truppen auf die Hauptstadt Somalias vor, das noch von einem islamistischen Bündnis kontrolliert wird. "Wir hoffen, dass Mogadischu ohne einen einzigen Schuss in unsere Hände fällt", sagte der Sprecher der Übergangsregierung, Abdirahman Dinari.

Truppen der Übergangsregierung vor Mogadischu: Die Hauptstadt steht vor dem Fall
AP

Truppen der Übergangsregierung vor Mogadischu: Die Hauptstadt steht vor dem Fall

Die islamistischen Milizen zogen sich nach heftigen Gefechten zurück und drohten mit einem Guerillakrieg. Somalia hat seit dem Sturz von Staatschef Mohamed Siad Barré im Jahr 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr.

Mit der militärischen Intervention Äthiopiens waren die Kämpfe in Somalia in den vergangenen Tagen eskaliert. Äthiopien unterstützt die international anerkannte somalische Übergangsregierung gegen die islamistischen Milizen. Diese erhalten wiederum Hilfe von Eritrea. Unterdessen befürchtet Frankreich ein Übergreifen des Krieges in Somalia auf die Nachbarstaaten. "Ich denke an Eritrea und Dschibuti, die auch von dieser drohenden Destabilisierung in Serie betroffen sind", sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy der Zeitung "Le Parisien" (Donnerstagsausgabe). Mit den Krisen in Darfur und Somalia bestehe die Gefahr der "Destabilisierung in einer für den ganzen afrikanischen Kontinent wesentlichen strategischen Zone". Eine "militärische Lösung" lehnte Douste-Blazy ab. Die Somalier müssten "die einzigen Herren des Schicksals ihres Landes" sein.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte sich am Mittwoch den zweiten Tag in Folge nicht auf einen Aufruf zu einem sofortigen Waffenstillstand in Somalia einigen können. Wie am Vortag scheiterte die Erklärung an unterschiedlichen Standpunkten zu den ausländischen Truppen in Somalia. Katar als einziges arabisches Land unter den 15 Ratsmitgliedern, das im Dezember auch die Ratsgeschäfte leitet, bestand demnach darauf, in dem Appell den Rückzug des äthiopischen Militärs und anderer
ausländischer Truppen aus Somalia zu verlangen. Frankreich,
Großbritannien, die USA, Russland, China sowie Ghana und Tansania lehnten es jedoch entschieden ab, nur Äthiopien beim Namen zu nennen. Es sei bekannt, dass auch eine ganze Reihe anderer Länder indirekt in die Kämpfe verwickelt seien, hieß es.

Am Mittwoch hatten die Afrikanische Union (AU) und die Arabische Liga das christlich geprägte Äthiopien zum unverzüglichen Abzug seiner Truppen aus Somalia aufgefordert. In einer in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba veröffentlichten gemeinsamen Erklärung wurden aber auch "ausländische Elemente" zum Verlassen des Landes am Horn
von Afrika aufgefordert, ohne diese konkret zu benennen.

Der scheidende Uno-Generalsekretär Kofi Annan sagte am Mittwochabend nach Beratungen mit dem Weltsicherheitsrat in New York zu Journalisten, er habe mit dem äthiopischen Regierungschef Meles Zenawi telefoniert.
Dieser hätte ihm versichert, dass der militärische Einsatz seines
Landes im Nachbarland Somalia nur von kurzer Dauer sei und dass die äthiopischen Truppen bald wieder zurückkehren würden.

sev/rtr/dpa

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