Somalia Blutiger Kampf um Mogadischu

Im seit 15 Jahren vom Bürgerkrieg gequälten Somalia sind erneut heftige Kämpfe ausgebrochen. Trotz der jüngst ausgerufenen Waffenruhe zweier verfeindeter Gruppen fließt vor allem in der Hauptstadt Mogadischu Blut.


Nairobi - Allein in der vergangenen Nacht starben bei Gefechten mindestens 20 Menschen. Seit dem Wochenende stieg die Zahl der Opfer damit auf 120. Unter den letzten Toten seien eine schwangere Frau und ihre drei Kinder, sagte Milizenführer Siyad Mohamed. 50 Menschen wurden verletzt.

Mogadischu: Bewaffnete Milizen kämpfen um die Hauptstadt
AP

Mogadischu: Bewaffnete Milizen kämpfen um die Hauptstadt

Die Kämpfe hätten dabei im Armenviertel Siisii im Norden Mogadischus am heftigsten gewütet. "Siisii ist zu einem Schlachtfeld geworden. So viele Häuser wurden beschossen und tausende Einwohner sind auf der Flucht", sagte Mohamed. Die Kämpfe hielten noch an. Es sei daher mit weiteren Toten zu rechnen. "Es ist eine Katastrophe."

Die jüngsten Gefechte zwischen der islamischen Miliz und der so genannten Anti-Terrorismus-Koalition der Kriegsherren waren am Sonntag ausgebrochen und halten seitdem an. Erst am Vortag hatten beide Seiten ihre Bereitschaft zu einem Waffenstillstand erklärt.

Es ist der dritte gewaltsame Konflikt zwischen den beiden Gruppen in diesem Jahr. Bei Auseinandersetzungen waren im Februar und März etwa 90 Menschen ums Leben gekommen.

Beobachtern zufolge ist Somalia zum Schlachtfeld der USA im Kampf gegen Islamisten geworden. Die US-Regierung steht im Verdacht, die Kriegsherren zu unterstützen. Beobachter der Uno erklärten in einem am Mittwoch dem Sicherheitsrat vorgelegten Bericht, es werde der Verstoß eines namentlich nicht genannten Landes gegen das Waffenembargo durch geheime Rüstungslieferungen an die Kriegsherren untersucht. Somalias Übergangspräsident Abdullahi Yusuf erklärte, dieses Land seien die USA. Dem Uno-Bericht zufolge gewinnen die islamistischen Rebellen inzwischen die Oberhand.

Das größtenteils von Moslems bewohnte Somalia wird seit dem Sturz des Diktators Mohammed Siad Barre im Jahr 1991 von rivalisierenden Kriegsherren beherrscht. Im vergangenen Jahr kehrte eine Übergangsregierung aus dem kenianischen Exil in das nordostafrikanische Land zurück. Sie war aber nicht in der Lage, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen.

ler/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.