Somalia Explosion bei Rede des neuen Premiers

Die Explosion einer Handgranate und eine daraufhin ausbrechende Panik haben im Fußballstadion von Mogadischu heute mindestens 16 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben von Augenzeugen explodierte die Granate während einer Rede des somalischen Ministerpräsidenten Ali Mohammed Gedi.


Regierungschef Gedi (Archiv): Tote bei Explosion in Mogadischu
AFP

Regierungschef Gedi (Archiv): Tote bei Explosion in Mogadischu

Mogadischu - Der Regierungschef blieb unverletzt. Die Explosion ereignete sich nur zehn Meter vom Standort des Ministerpräsidenten entfernt. Augenzeugen sprachen von mindestens 16 Toten und 35 Verletzten. Sie sagten, überall sei Blut zu sehen. Im Stadion seien durch die Explosion sieben Menschen getötet worden. Eine weitere Person sei von einem Fahrzeug überfahren worden, das von dem Stadion wegraste. Zwei Menschen erlagen ihren Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.

Ursprünglich war von einem Attentat die Rede, doch Gedi betonte, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Er glaube, die Granate sei aus Versehen explodiert und nicht gegen ihn gerichtet gewesen: "Ich werde meine Aktivitäten fortsetzen."

Gedi war erst am Freitag aus Kenia zurückgekommen, wo die im Exil gebildete somalische Regierung ihren Amtssitz hat. Bei der Veranstaltung im Stadion wollte Gedi die Bewohner Mogadischus über seine Pläne für einen Regierungsumzug in die somalische Hauptstadt informieren. Mehrere hundert Menschen hatten sich zu der Rede versammelt.

Regierungsmitgliedern zufolge wurde niemand aus dem Gefolge des Ministerpräsidenten von der Explosion in Mitleidenschaft gezogen. Die Verletzten seien teilweise zu Schaden gekommen, weil sie von in Panik flüchtenden Menschen niedergetrampelt worden seien. Andere seien von den hohen Umgrenzungen des Stadions gesprungen und hätten sich dabei Verletzungen zugezogen. Die Ursache der Explosion werde noch untersucht.

In Somalia hat es seit dem Sturz von Militärmachthaber Mohammed Siad Barre 1991 keine zentrale Regierung mehr gegeben, regional herrschen Clans und Milizenführer. Die Exilregierung, die im vergangenen Jahr in Kenia gebildet wurde, sieht sich dem Widerstand islamischer Extremisten und mehrerer Kriegsherren gegenüber. Der somalische Präsident Abdulahi Jussuf Ahmed hat die Afrikanische Union um eine Friedenstruppe von 20.000 Mann ersucht. Die AU hat bislang jedoch nur ein paar tausend Soldaten angeboten.



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