Somalia Frau wegen Ehebruch-Vorwurf gesteinigt

Hunderte Menschen sahen tatenlos zu: In Somalia haben Islamisten eine Frau gesteinigt. Ihr wurde Ehebruch vorgeworfen.


Kismayu - Augenzeugen in der somalischen Hafenstatd Kismayu berichteten, die 23-jährige verschleierte Frau habe geschrien, als sie an Händen und Armen gefesselt worden sei. Ein Verwandter habe versucht, zu ihr zu gelangen, sagte der Mann der Nachrichtenagentur Reuters. Daraufhin hätten Wachen um sich geschossen und dabei ein Kind getötet. Dann sei die Frau, der Ehebruch vorgeworfen wurde, von Islamisten gesteinigt worden.

Verwandte der 23-Jährigen bezeichneten die Todesstrafe in dem Fall als unreligiös und unlogisch. Denn nach islamischem Recht dürfe eine Frau nur dann wegen Ehebruchs hingerichtet werden, wenn vier Zeugen und ihr Liebhaber öffentlich ausgesagt hätten. Dies sei jedoch nicht erfolgt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) konnte den Fall gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht bestätigen. Man sei aber besorgt über die Entwicklung in Somalia.

Die öffentliche Steinigung am Montag war die erste ihrer Art in Somalia seit rund zwei Jahren. Die Islamisten hatten 2006 während ihrer sechsmonatigen Herrschaft über weite Teile des Landes und die Hauptstadt Mogadischu mehrfach Menschen öffentlich hingerichtet. Die radikalen Muslime wurden schließlich von Regierungstruppen und äthiopischen Soldaten vertrieben. Seitdem erkämpften sie sich jedoch immer mehr Gebiete zurück.

als/hen/Reuters



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