Somalia Islamisten köpfen sieben Männer

Neue Welle der Gewalt in Somalia: In der Stadt Baidoa haben islamistische Milizen sieben Männer hingerichtet. Sie waren als "Christen und Spione" beschuldigt worden. Es ist die bisher größte Hinrichtungsaktion in dem afrikanischen Krisenland.


Mogadischu - In Somalia herrscht das Gesetz des Stärkeren. Mit ihrer unfassbaren Brutalität halten die islamistischen Milizen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Nun haben Angehörige der Schabab-Milizen Augenzeugenberichten zufolge sieben Menschen enthaupten lassen. Die Schabab (arabisch für "Die Jugend") habe erklärt, es handle sich um Christen und Spione, sagte der Verwandte eines Hingerichteten in der Stadt Baidoa. Nach somalischen Angaben ist es die bisher größte Hinrichtungsaktion in dem Land.

Somalische Islamisten: Kampf gegen die gemäßigte Übergangsregierung
REUTERS

Somalische Islamisten: Kampf gegen die gemäßigte Übergangsregierung

In westlichen Sicherheitskreisen gelten die Schabab-Milizen, die weite Teile des südlichen Somalia und Gebiete in der Hauptstadt Mogadischu kontrolliert, als Arm der Extremistenorganisation al-Qaida. In der gleichen Region hatte die Gruppe bereits im Juni drei Menschen enthauptet.

Die Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf den Schabab-Rebellen vor, sie begehe Kriegsverbrechen, indem sie Zivilisten hinrichten lasse und Bomben lege. Vor allem Frauen und Kinder litten unter der Gewalt in dem rechtsfreien Land am Horn von Afrika, sagte sie in Genf. Berichten zufolge bedienten sich Kämpfer beider Seiten der Folter und feuerten Mörsergranaten in zivile Wohngebiete. Außerdem gebe es zunehmend Hinweise, dass Kindersoldaten rekrutiert würden.

In großer Gefahr schweben laut Pillay auch Menschenrechtler, Entwicklungshelfer, Journalisten und Flüchtlinge. Allein in diesem Jahr seien schon sechs Journalisten getötet worden.

Die radikalen Islamisten wollen den gemäßigten Präsidenten der Übergangsregierung, Sharif Ahmed, stürzen. Er versucht seit Januar, das Land zu regieren. Seit Anfang Mai kämpfen Regierungstruppen vor allem in der Region rund um Mogadischu gegen Milizen der radikalen Islamisten.

Ende Juni hatte die somalische Regierung den Notstand ausgerufen. Die Islamisten, darunter vor allem die radikalislamischen Shabab-Milizen, beherrschen mittlerweile den kompletten Süden des Landes sowie große Teile der Hauptstadt Mogadischu. Dort wird von regierungstreuen Truppen und rund 4300 Soldaten der Afrikanischen Union (AU) - bestehend ausschließlich aus Ugandern und Burundern - lediglich noch der Hafen, der Flughafen und der Präsidentenpalast gehalten.

An die 200 ausländische Kämpfer, mit Erfahrung aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak, sollen die Islamisten inzwischen unterstützen. Besonders die USA fürchten, dass ein von den Islamisten überrolltes Somalia zum Hort für Kämpfer von al-Qaida und befreundeter Gruppen werden und die gesamte Region destabilisieren könnte. In Somalia gibt es seit 20 Jahren keine funktionierende Zentralregierung mehr.

ler/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.