Somalia Islamisten wollen mit Übergangsregierung verhandeln

Verworrene Lage am Horn von Afrika: Tausende Islamisten haben in Mogadischu zum Kampf gegen in Somalia einmarschierte äthiopische Truppen aufgerufen. Gleichzeitig sollen die somalischen Extremisten zu Verhandlungen mit der schwachen Übergangsregierung bereit sein.


Mogadischu/Nairobi - "Gott ist groß!" und "Wir müssen sie bekämpfen" stand auf den Plakaten der islamistischen Demonstranten, die heute in Mogadischu gegen den Einmarsch äthiopischer Truppen nach Somalia protestierten. Zwischen 3000 und 5000 Anhänger der extremistischen Union Islamische Gerichte (UIC), die inzwischen weite Teile des Landes kontrolliert, versammelten sich in einem Fußballstadion der somalischen Hauptstadt.

Organisierte Demonstration in Mogadischu: Islamisten verbrennen die äthiopische Fahne
REUTERS

Organisierte Demonstration in Mogadischu: Islamisten verbrennen die äthiopische Fahne

Die Demonstranten verbrannten äthiopische Flaggen und skandierten: "Äthiopische Soldaten sind in Somalia unerwünscht". "Wir sagen Äthiopien, dass wir bereit sind zu sterben", sagte ein hochrangiges Mitglied der UIC, Scheich Mukthar Robow, in einer Ansprache vor der Menge. "Gott hat uns befohlen, Euch zu bekämpfen." Die Islamisten hatten Äthiopien zuvor bereits den "Heiligen krieg" erklärt.

Am Wochenende hatten sich die Spannungen zwischen den neuen Machthabern Somalias und Äthiopien weiter verschärft. Äthiopische Truppen rückten nach Augenzeugenberichten in den Ort Wadschid zwischen der somalisch-äthiopischen Grenze und Baidoa ein. Die international anerkannte somalische Übergangsregierung hält sich aus Furcht vor den überlegenen islamischen Fundamentalisten in Baidoa auf. Auch dort sollen bis zu 5000 Soldaten aus Äthiopien eingerückt sein.

Äthiopien soll den Einmarsch zum Schutz der international anerkannten somalischen Übergangsregierung angeordnet haben, die von den Milizionären der UIC zunehmend bedroht wird. Die Regierung in Addis Abeba fürchtet, dass die Islamisten ihren Einfluss auf das mehrheitlich christliche Äthiopien ausdehnen könnten. Sowohl die äthiopische als auch die somalische Regierung haben die Berichte über eine Truppenpräsenz der Äthiopier in Somalia zurückgewiesen.

Dennoch gibt es auch einen Hoffnungsschimmer: So hat sich die UIC nun doch zu Friedensgesprächen mit der Regierung in Baidoa bereit erklärt. Die Gespräche sollen am 2. August in der sudanesischen Hauptstadt Khartum beginnen, sagte ein Sprecher der UIC heute in Mogadischu. Noch am Samstag war ein im Sudan geplantes Treffen an tiefem Misstrauen und Vorwürfen beider Seiten gescheitert.

Die Islamisten hatten in Mogadischu und in weiten Teilen des Landes im Juni die Macht übernommen. Sie haben in den von ihr eroberten Gebieten Gerichte nach strengem islamischen Recht eingerichtet. Dies hat international die Besorgnis ausgelöst, in Somalia könnte sich ein Regime nach dem Muster der Taliban in Afghanistan etablieren.

Den Gefechten zwischen den islamistischen Milizen und säkularen Kriegsherrn um die Macht in Mogadischu fielen seit Februar mindestens 400 Zivilisten zum Opfer. Dies berichtete gestern das somalische Dr-Ismael-Jumale-Menschenrechtszentrum. In ganz Somalia seien im Laufe der vergangenen zwölf Monate mindestens 682 Zivilisten bei Kämpfen zwischen verfeindeten Gruppen ums Leben gekommen, heißt es in dem Bericht.

Somalia versank 1991 nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Siad Barre in Anarchie, verschiedene Clans kämpfen um die Vorherrschaft.

phw/AFP/AP/Reuters/dpa



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