Somalia Kenianische Truppen rücken auf Stadt Kismayo vor

Kampf gegen die Schabab-Miliz: Truppen aus Kenia wollen die Extremisten-Hochburg Kismayo einnehmen, die islamischen Aufständigen sollen vertrieben werden. Auch die somalische Hauptstadt Mogadischu wurde erneut von heftigen Angriffen erschüttert.

Kenianische Truppen: Aktion auf somalischem Boden
AP

Kenianische Truppen: Aktion auf somalischem Boden


Mogadischu/Nairobi - Kenianische Truppen rücken nach eigenen Angaben auf die somalische Extremisten-Hochburg Kismayo vor. Man werde so lange in Somalia bleiben, bis sich dort keine islamistischen Aufständischen mehr aufhielten, erklärte ein kenianischer Sprecher am Donnerstag.

Es war die bislang deutlichste Stellungnahme über die Absichten der am Wochenende begonnenen kenianischen Intervention. Nairobi hatte die Militäraktion mit den Entführungen mehrerer Ausländer auf kenianischem Territorium durch somalische Bewaffnete begründet.

Derweil wurde die somalische Hauptstadt Mogadischu von heftigen Kämpfen zwischen der radikalislamischen Schabab-Miliz und Truppen der Übergangsregierung sowie der Afrikanischen Union erschüttert worden. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden brachte die Regierung einen von den Milizen besetzten Stadtteil im Nordwesten Mogadischus großteils unter ihre Kontrolle.

Augenzeugen: Vier Zivilisten in Mogadischu leicht verletzt

Auf Seiten ihrer Truppen seien zwei Soldaten bei den Kämpfen leicht verletzt worden. Nach Angaben eines Augenzeugen wurden zudem vier Zivilisten verletzt. Zahlreiche Familien verließen den Stadtteil demnach fluchtartig. Die Schabab-Milizen werden seit Sonntag auch von der kenianischen Armee bekämpft.

Nairobi wirft den Milizen vor, in Kenia mehrere Ausländer entführt und Angriffe verübt zu haben. Im Fall einer aus Kenia entführten französischen Urlauberin, die kürzlich getötet worden war, sagte Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet in Paris, die Entführer hätten inzwischen die Herausgabe ihres Leichnams gegen Geld angeboten. Dies sei "der Gipfel der Erbärmlichkeit".

Der Tod der krebskranken Marie Dedieu, die im Rollstuhl saß und auf Medikamente angewiesen war, war am Mittwoch bekannt geworden. Umstände und Zeitpunkt ihres Tods blieben bislang unklar. Möglicherweise erhielt sie ihre Medikamente nicht. Dedieu war in der Nacht zum 1. Oktober aus ihrem Haus auf der kenianischen Ferieninsel Manda von zehn bewaffneten Männern nach Somalia verschleppt worden. Aus der Region hatten Unbekannte bereits am 11. September eine britische Touristin verschleppt und ihren Ehemann getötet. Vergangene Woche wurden zudem zwei spanische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation entführt.

luk/AFP/AP

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werauchimmer 20.10.2011
1. Na das wäre ja mal eine gute Nachricht,
wenn disziplinierte kenianische Truppen diesen Islamistenfluch beenden würden. Vielleicht dringen sie ja sogar in die Piratennester vor? DAS zu unterstützen wäre mal ein sinnvoller Einsatz deutscher Entwicklungshilfegelder.
albert schulz 20.10.2011
2. Gute Nachricht ?
Kenia wird gesichert eine Menge von nicht nur finanziellen Zusagen erhalten haben. Es ist einfach lachhaft, wie impotent die internationale Gemeinschaft bislang auf und in Somalia reagiert hat. Jetzt haben sie einen Dummen gefunden, der ihnen die Kastanien aus dem Feuer holt. Ansonsten ist die Meldung hinlänglich belanglos. Da steht so gar nichts drin, wozu das Ganze gut sein soll. Erinnert verdammt an Libyen und die behämmerten Meldungen und Photos. Nicht ein ernstzunehmendes Faktum.
timorieth 21.10.2011
3. ...
Haben die eigentlich nichts von uns gelernt? Islamisten, ob sie nun al-Shabab oder Taliban oder sonst wie heißen, lassen sich nicht durch Waffen besiegen sondern nur in den Köpfen der Menschen. Da müsste man aber gegen Armut, mangelnde Bildung und Perspektivlosigkeit etc. kämpfen, was natürlich nicht so einfach ist, wie einen Abzug zu betätigen. Am ende wird diese Offensive die al-Shabab gestärkt hervorgehen lassen, wenn auch nur in den Köpfen...
albert schulz 21.10.2011
4. verlieren ist immer unangenehm, wen man nichts hat sowieso
Zitat von timoriethHaben die eigentlich nichts von uns gelernt? Islamisten, ob sie nun al-Shabab oder Taliban oder sonst wie heißen, lassen sich nicht durch Waffen besiegen sondern nur in den Köpfen der Menschen. Da müsste man aber gegen Armut, mangelnde Bildung und Perspektivlosigkeit etc. kämpfen, was natürlich nicht so einfach ist, wie einen Abzug zu betätigen. Am ende wird diese Offensive die al-Shabab gestärkt hervorgehen lassen, wenn auch nur in den Köpfen...
Arme und ungebildete Menschen glauben immer gern. Da dürfte die Art Religion ziemlich egal sein. Man nimmt was man kriegen kann. Und wenn es nur Balsam für das Gemüt ist.
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