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02. Januar 2019, 12:41 Uhr

Nach Kritik an Festnahmen im Wahlkampf

Somalia verweist Uno-Gesandten des Landes

Das Bürgerkriegsland Somalia hat den Uno-Sondergesandten für die Krisenregion zur unerwünschten Person erklärt. Er hatte die Festnahme eines Kandidaten zur Regionalwahl und staatliche Gewalt gegen Demonstranten kritisiert.

Somalias Regierung hat den Uno-Sondergesandten Nicholas Haysom zur Ausreise aufgefordert. Der südafrikanische Diplomat wurde zur "persona non grata" erklärt, weil er "die Souveränität des Landes" verletzt habe. Seine Dienste würden in Somalia "nicht länger benötigt", teilte das Außenministerium via Twitter mit.

Haysom hatte die Stelle erst im September angetreten. Er war zuvor bereits Uno-Gesandter im Südsudan gewesen. Haysom hatte sich am Wochenende besorgt über einen Einsatz somalischer Sicherheitskräfte Mitte Dezember geäußert, bei dem nach Uno-Angaben mindestens 15 Menschen getötet und 300 Menschen festgenommen wurden.

Somalische Sicherheitskräfte hatten Proteste in der Stadt Baidoa im Südwesten des Landes brutal niedergeschlagen. Ausgelöst hatte die Demonstrationen die Festnahme des früheren Islamistenführers Muktar Robow, der für das Amt des Regionalpräsidenten kandidiert hatte.

Robow, der sich 2017 von der islamistischen Terrormiliz al-Shabab losgesagt hatte, galt als aussichtsreichster Bewerber. Er wurde wenige Tage vor dem Urnengang verhaftet und in die Hauptstadt Mogadischu gebracht, weil er die "Stabilität" Somalias gefährde.

Mehr als zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg

Haysom hatte am Sonntag schriftlich bei der somalischen Regierung angefragt, auf welcher rechtlichen Grundlage Robow festgenommen worden sei, und eine Untersuchung der Todesfälle bei den Protesten gefordert. Außerdem wollte Haysom wissen, ob Uno-finanzierte Polizeieinheiten an den Festnahmen beteiligt waren.

Die Uno-Unterstützungsmission in Somalia (Unsom) hilft der somalischen Polizei und übernimmt für sie unter anderem Gehaltszahlungen und Ausstattung. Zeil der Mission ist es, der international anerkannten Regierung zuzuarbeiten.

Somalia war nach dem Sturz des Machthabers Siad Barre im Jahr 1991 im Bürgerkrieg versunken. Die Schabab-Miliz kontrollierte über Jahre weite Teile des Landes am Horn von Afrika und verübt noch immer regelmäßig Anschläge, auch auf die Uno-Mission und die Truppen der Afrikanischen Union (Amisom), welche die Islamisten bekämpft. Am stärksten engagieren sich die unmittelbaren Nachbarländer Äthiopienund Kenia.

Im Kampf gegen die mit al-Qaida verbündeten Islamisten helfen auch die USA. Sie setzen seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump verstärkt auf Drohnenangriffe. Zuletzt schlugen die unbemannten Kampfflugzeuge Ende Dezember zu und töteten nach US-Angaben mehr als 60 feindliche Kämpfer. Die Zahl der Angriffe stieg im vergangenen Jahr nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auf mehr als drei Dutzend.

Video: Mein Somalia - Zwischen Krieg und Armut

cht/AFP

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