Sorge vor Anschlägen FBI befragt Libyer in den USA

Die US-Bundespolizei hat großes Interesse an Libyern, die in den Vereinigten Staaten leben: Das FBI hat einem Zeitungsbericht zufolge mit einer Befragung von Bürgern aus dem nordafrikanischen Land begonnen - aus Angst vor möglichen Vergeltungsschlägen des Gaddafi-Regimes.
Ein FBI-Mitarbeiter in den USA: Interviews mit Libyern

Ein FBI-Mitarbeiter in den USA: Interviews mit Libyern

Foto: REUTERS

Washington - Seit diesem Dienstag fliegen US-Kampfflugzeuge keine eigenen Angriffe mehr auf Ziele in Libyen, aber die Krise in dem nordafrikanischen Land beschäftigt die Regierung von Präsident Barack Obama weiter - auch wegen der Sicherheit im eigenen Land. In Washington gibt es die Sorge, dass Libyens Despot Muammar al-Gaddafi Vergeltungsschläge in den Vereinigten Staaten organisieren könnte.

Aus diesem Grund hat die US-Bundespolizei FBI laut einem Bericht des "Wall Street Journal" jetzt mit einer groß angelegten Befragung von in den Vereinigten Staaten lebenden Libyern begonnen.

Mit Hilfe der Interviews wollen die USA mögliche Terroristen identifizieren und das tatsächliche Risiko möglicher Anschläge in den Vereinigten Staaten ausloten. Bei der Befragung stehen demnach besonders diejenigen im Fokus, die familiäre oder berufliche Verbindungen in das nordafrikanische Land haben. Die Sorge: Das Gaddafi-Regime könnte mit Hilfe der in den USA lebenden Libyer Anschläge verüben.

Dem Bericht zufolge wird die Gefahr für entsprechende Attacken allerdings für Europa geringfügig höher eingeschätzt als für die Vereinigten Staaten - zusammen mit Frankreich und Großbritannien hatten die USA zunächst in einer militärischen Allianz Angriffe gegen militärische Ziele von Libyens Machthaber Gaddafi geflogen, ehe die Nato das Kommando über die Militäroperation übernahm.

Rund 5000 Libyer leben in den USA

Die Befragungen hätten in dieser Woche begonnen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte FBI-Vertreter, die mit der Aktion vertraut sind. Offiziell wollte sich das FBI jedoch nicht äußern.

Das FBI-Programm weise Parallelen zu Befragungen auf, die die Bundespolizei kurz nach der US-Invasion im Irak gestartet habe, heißt es in dem Bericht. Damals seien in der sogenannten "Operation Darkening Clouds" Daten von mehr als 130.000 Personen gesammelt worden, rund 50 FBI-Agenten seien involviert gewesen. Das lange geheime Programm habe später zu einer Klage der Bürgerrechtsorganisation New York Civil Liberties Union geführt.

Dem "Wall Street Journal" zufolge geht das FBI von einem deutlich geringeren Aufwand für das jetzt gestartete Programm aus. So seien beim Zensus im Jahr 2000 etwas mehr als 5000 in den USA lebende Libyer registriert worden - die Zahl der im Irak geborenen Bürger habe dagegen bei annähernd 90.000 gelegen.

Gaddafi lässt sich bejubeln

In Libyen ließ sich der umstrittene Despot Gaddafi zuletzt feiern - während seine Emissäre über eine politische Lösung des Konflikts mit den Rebellen sprechen. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana meldete, Gaddafi habe sich in der Nacht zum Dienstag von Anhängern bejubeln lassen, die zu seinem Bab al-Asisija-Stützpunkt in Tripolis gekommen seien.

Der Gesandte Abdel Ati al-Obeidi war von der Gaddafi-Familie nach Griechenland, in die Türkei und nach Malta geschickt worden. Die von ihm übermittelten Vorschläge für einen Waffenstillstand sehen jedoch nicht den Abschied der Familie von der Macht vor. Damit sind sie aus Sicht der Aufständischen inakzeptabel.

Einer der Söhne des libyschen Machthabers rechtfertigte zudem den Rückzug von Getreuen seines Vaters und sieht das Regime nicht geschwächt. "Es sind alte und kranke Menschen und wir werden seit zwei Wochen bombardiert", sagte Saif al-Islam al-Gaddafi am Dienstag in einem Interview mit dem Sender BBC. Die Tatsache, dass etwa der frühere Außenminister Mussa Kussa vergangene Woche nach Großbritannien gegangen sei, sei keinesfalls ein Zeichen für die bröckelnde Unterstützung seines Vaters.

Kussa habe vielmehr um Erlaubnis gefragt, Libyen verlassen zu dürfen, da er krank sei und sich in London regelmäßig behandeln lassen müsse, behauptete der junge Gaddafi. Der zweitälteste Sohn des Diktators betonte, dass die Aussagen, die Kussa in London über das Gaddafi-Regime gemacht haben soll, frei erfunden seien. Die britische Regierung habe Druck auf Kussa ausgeübt. Weil er wegen seiner Gesundheit im Land bleiben wolle, habe er Geschichten erfunden, die nicht stimmten.

hen/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.