Russland Olympia-Kritiker Witischko zu drei Jahren Haft verurteilt

Haftstrafe für Protestplakate an einem Zaun: Der russische Umweltaktivist und Olympia-Kritiker Jewgenij Witischko ist zu drei Jahren Straflager verurteilt worden. Ihm wird vorsätzliche Zerstörung von Eigentum vorgeworfen.
Eislauf-Palast in Sotschi: Umstrittenes Sport-Event

Eislauf-Palast in Sotschi: Umstrittenes Sport-Event

Foto: Yuri Kochetkov/ dpa

Moskau - Der russische Oppositionelle Jewgenij Witischko ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in der Schwarzmeerstadt Tuapse entschied am Freitag, Witischko habe gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen.

Der Aktivist, der gegen Umweltsünden im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi kämpft, war im vergangenen Jahr verurteilt worden, weil er an einem Zaun in einem Schutzgebiet Protestplakate angebracht hatte. Dieser wurde nach Ansicht Witischkos und seiner Mitstreiter illegal um eine Luxusvilla errichtet, die dem Gouverneur der Region Krasnodar zugerechnet wird.

Das Urteil sei "eine Machtdemonstration" der Justiz gegenüber Umweltschützern, sagte Witischko; er betätigt sich für die Umweltgruppe Environmental Watch on the North Caucasus. Der Geologe arbeitet derzeit an einem Bericht über die Umweltschäden im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Winterspiele im Februar 2014. Er hat zehn Tage Zeit, um das Urteil anzufechten.

Am vergangenen Sonntag hatte die russische Polizei nach Kritik an den Olympischen Winterspielen 2014 führende Vertreter der Minderheit der Tscherkessen vorübergehend festgenommen. Die Tscherkessen lehnen das Sportspektakel im Schwarzmeerort Sotschi ab, das auf den Gräbern ihrer Vorfahren stattfinde. Russland steht außerdem wegen seines Anti-Homosexuellen-Gesetzes und wegen der Unterdrückung der Opposition international in der Kritik. Bürgerrechtler riefen Sportler und Politiker deshalb wiederholt zum Boykott des Sportereignisses auf.

Zuletzt hatten auch Zwangsumsiedlungen, sklavenähnliche Verhältnisse für die Gastarbeiter und Korruptionsskandale rund um die Olympia-Vorbereitungenin Sotschi für Aufsehen gesorgt.

In Deutschland sorgt derweil der Olympia-Boykott von Bundespräsident Joachim Gauck für Unmut. Seine Entscheidung, nicht nach Sotschi zu reisen, war offenbar ein Alleingang. Nach SPIEGEL-Informationen hat er damit Bundeskanzlerin Angela Merkel verärgert.

bos/dpa/AFP
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