Putin über Homosexuelle "Lassen Sie bitte die Kinder in Ruhe"

Homosexuelle dürften bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi entspannt sein, behauptet Wladimir Putin - solange sie sich von Kindern fernhalten. Mit den fragwürdigen Äußerungen verteidigte der Kreml-Chef das umstrittene Propaganda-Gesetz in Russland.
Wladimir Putin in Sotschi: "Wir verbieten nichts"

Wladimir Putin in Sotschi: "Wir verbieten nichts"

Foto: ALEXEY NIKOLSKY/ AFP

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi in fragwürdiger Weise über den Umgang mit Homosexuellen geäußert. "Wir verbieten nichts, und wir sperren niemanden ein. Deshalb können Sie ruhig und entspannt sein", sagte der 61-Jährige an Homosexuelle gewandt, "aber lassen Sie bitte die Kinder in Ruhe."

Der Kommentar dürfte Empörung auslösen. In Putins Aussage schwingt der Vorwurf mit, Homosexuelle würden sich bevorzugt jungen Menschen nähern. Der Präsident wiederholt damit auch den Vorwurf, der seinen Getreuen zur Verteidigung des umstrittenen Gesetzes zum Verbot von Homosexuellen-Propaganda dient: dass Schwule und Lesben Einfluss auf Kinder und Heranwachsende nehmen könnten.

Homosexuelle bräuchten keine Angst vor einer möglichen Verfolgung haben, sagte Putin im Gespräch mit freiwilligen Helfern der Olympischen Spiele. "Das sind völlig verschiedene Dinge: das Verbot von bestimmten Beziehungen oder von Propaganda dieser Beziehungen."

Laut der Nachrichtenagentur Interfax fragte eine der Helferinnen Putin, wie es sein könne, "dass wir dieses Gesetz haben und unsere Volunteer-Uniformen gleichzeitig die Regenbogenfarben tragen?" Er habe die T-Shirts nicht entworfen, gab Putin zurück.

Russland ist in den vergangenen Monaten wegen seiner Politik gegenüber Schwulen und Lesben scharf kritisiert worden. Mehrere Prominente sagten Reisen in das Land ab. Moskaus Politik ließ international Zweifel an der Offenheit und den Gastgeberfähigkeiten Russlands bei den Olympischen Winterspielen (7. bis 23. Februar) aufkommen.

Zuletzt hatte sich das russische Außenministerium scharf gegen Kritik aus der Europäischen Union gewehrt. Brüssel betreibe ein "aggressives Durchsetzen der Rechte der sexuellen Minderheiten", hieß es in einem Bericht. "Es gibt Versuche, anderen Ländern eine unangemessene Sicht von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen als Lebensnorm aufzuzwingen, die Unterstützung auf staatlicher Ebene verdient."

hut/sid/dpa/AP