Südstaaten-Fahne Symbol der Schande

Die Konföderierten-Fahne von South Carolina soll jetzt doch weg, finden die Republikaner. Die Debatte um Fahnen, Rassismus und Waffen zeigt, wie abhängig die Partei von alten, weißen Männern ist.

Einstige Kriegsflagge der Konföderierten: "Ein Teil von uns"?
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Einstige Kriegsflagge der Konföderierten: "Ein Teil von uns"?

Ein Kommentar von , Washington


Das Attentat auf eine schwarze Kirchengemeinde in South Carolina, der Mord an neun Menschen, bündelt und offenbart schmerzhaft die drängendsten Probleme Amerikas: latenter Rassismus und grassierende Waffenseuche.

Die politischen Reaktionen auf diesen Anschlag wiederum zeigen, wie festgefahren die Debatte ist. Und das liegt, man muss das so klar sagen, maßgeblich an den Republikanern.

Erstens: Waffen.

Obamas Versuch, nach den Morden eine neuerliche Diskussion um ein schärferes Waffenrecht anzustoßen, ist wieder mal verpufft. "Diese Art von Waffengewalt gibt es in anderen entwickelten Ländern nicht, es passiert dort nicht in dieser Häufigkeit", sagte der Präsident. Stimmt. Interessiert aber nicht, die republikanische Blockade im Kongress steht. Die Waffenlobby wird nicht verprellt.

Zweitens: Rassismus.

Der mutmaßliche Täter von Charleston, der 21-jährige Dylann R., zeigte sich auf Fotos gern mit Konföderiertenfahne. Jener Fahne, die noch immer direkt vorm Parlamentsgebäude von South Carolina weht. Tradition, sagen die Verfechter. Doch die einstige Kriegsflagge der Südstaaten ist eines der zentralen Symbole des Rassismus.

Fünf Tage mussten nach dem Attentat vergehen, bevor South Carolinas republikanische Gouverneurin Nikki Haley an diesem Montag endlich verkündete, die Fahne gehöre ins Museum. Allerdings braucht sie dafür im Parlament in beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit - die ist längst nicht sicher.

Video: Das Statement von Gouverneurin Nikki Haley

Ihrer Partei erwies Haley einen Dienst, sie zog die Notbremse. Denn in den Tagen zuvor irrlichterten einige der republikanischen Präsidentschaftsbewerber.

Der Baptisten-Prediger Mike Huckabee etwa verkündete, er persönlich zeige diese Fahne ja nicht, habe also nichts damit zu tun. Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard, gab zu Protokoll, ihre persönliche Meinung sei irrelevant. Und Wisconsins Gouverneur Scott Walker meinte, das sei nun mal Sache der Einzelstaaten. Klartext? Rückgrat? Fehlanzeige. Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, legte eine hübsche Wende hin. Die Fahne sei "ein Teil von uns", erklärte er anfangs. Nach Haleys Statement war auch er dann fürs Herunterholen der Flagge.

Die Möchtegern-Präsidenten Rick Santorum, Ted Cruz und Rand Paul hatten am Montag ihrerseits Handlungsbedarf, als herauskam, dass Dylann R. offenbar von den Pamphleten eines Rechtsaußen-Spenders radikalisiert worden war. Santorum und Co. überwiesen das Geld zurück oder spendeten es an die Opferfamilien.

In South Carolina findet 2016 eine der wichtigeren Republikaner-Vorwahlen statt. Das Hin und Her in der Flaggenfrage zeigt, wie abhängig sich viele von der durch die Tea Party unterwanderten Basis fühlen. Graham und Co. duckten sich anfangs in der Flaggenfrage weg, weil sie ihre Chancen bei den alten, weißen Männern im Süden nicht verspielen wollten.

Seit Jahren schon wird in diesen Kreisen Geschichte umgedeutet, etwa bei historischen Re-Enactments wie diesem hier. Die Abspaltung der Südstaaten hat dann plötzlich gar nichts mehr mit der Frage der Sklaverei zu tun.

Irre. Schließlich steht schon in der Sezessionserklärung South Carolinas, man spalte sich ab wegen der "wachsenden Feindschaft" des Nordens "gegenüber der Institution der Sklaverei". Und ihr Symbol, die Konföderiertenfahne, ist keineswegs ein Relikt vergangener Zeit, sondern ein hochpolitisches Symbol.

Unter dieser Flagge sammelten sich in den Sechzigern die Gegner der Bürgerrechtsbewegung und diese Fahne prangte auf dem Nummernschild von Dylann R. Sicherlich nicht, weil der die Geschichte des Bürgerkriegs so spannend fand.

Die Gouverneurin Haley übrigens konnte es nicht lassen und setzte am Montag noch zur Ehrenrettung der Fahne an. Dylann R., sagte sie, habe einen "kranken und verdrehten Blick" auf diese Fahne gehabt. Da liegt sie falsch. Diese Fahne steht für Rassismus. Und deshalb gehört sie ins Museum.

Wie übrigens auch die offizielle Fahne des Bundesstaats Mississippi. Oben links in der Ecke findet sich darin: die Kriegsflagge der Konföderierten.

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