Sozialdemokraten Israels Arbeitspartei spaltet sich auf

Nach einem heftigen Richtungsstreit zerfällt Israels sozialdemokratische Arbeitspartei: Der bisherige Parteichef Ehud Barak gründet eine neue Partei  - und will mit ihr in der Regierung von Ministerpräsident Netanjahu bleiben. 
Verteidigungsminister Barak: Neue Partei gegründet

Verteidigungsminister Barak: Neue Partei gegründet

Foto: Pool/ Getty Images

Ehud Barak

Jerusalem - Es ist ein dramatischer Schritt: Der israelische Verteidigungsminister hat die sozialdemokratische Arbeitspartei verlassen. Der bisherige Parteivorsitzende Barak sagte am Montag in Jerusalem, er wolle gemeinsam mit vier weiteren Abgeordneten eine neue Partei mit dem Namen Azmaut (Unabhängigkeit) gründen.

Benjamin Netanjahu

Barak kommt mit diesem Schritt dem linken Parteiflügel zuvor, der sich massiv für ein Ausscheiden der Arbeitspartei aus der rechtsorientierten Regierung des Ministerpräsidenten eingesetzt hatte. Barak will jedoch in der Regierungskoalition bleiben. Die Mehrheit der Regierung Netanjahu, die bislang über 74 der 120 Sitze im Parlament verfügt, wäre auch im Falle eines Ausscheidens der verbleibenden acht Abgeordneten der Arbeitspartei nicht gefährdet.

"Die neue Partei wird in der politischen Mitte angesiedelt, zionistisch und demokratisch sein", sagte Barak, der von 1999 bis 2001 Ministerpräsident war. "Wir brechen zu neuen Ufern auf." Den Parteivorsitz der Sozialdemokraten hatte er 2007 übernommen.

israelischen

Die Arbeitspartei stellte bislang 13 der 120 Abgeordneten im Parlament. Mit Barak gehen der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai, Landwirtschaftsminister Schalom Simchon sowie die weiblichen Abgeordneten Einat Wilf und Orit Noked.

Friedensprozess

Hintergrund der Spaltung ist ein heftiger ideologischer Richtungsstreit innerhalb der Partei. Mitglieder des linken Parteiflügels hatten Barak mehrfach aufgefordert, die Regierung Netanjahu zu verlassen, weil der mit den Palästinensern brachliegt. Der israelische Rundfunk berichtete, Baraks Vorgehen sei mit Netanjahu abgestimmt.

Palästinensern

Der sozialdemokratische Minderheitenminister Avischai Braverman sagte dem Sender, Baraks Schritt sei "der Höhepunkt einer Dauerkrise in der Arbeitspartei". Er sagte, man habe Barak zuletzt ein Ultimatum gestellt: Es müsse entweder wieder direkte Gespräche mit den geben oder die Partei müsse aus der Regierung ausscheiden.

Der linke Flügel wollte auch Neuwahlen für den Parteivorsitz. "Er hat sich entschlossen, mit Netanjahu weiterzumachen." Barak habe nun keinen Platz mehr in der Arbeitspartei. "Diese Krise bietet eine große Gelegenheit zur Wiederbelebung der Partei", sagte Braverman.

ler/dpa