Fotostrecke

Fidel Castro: Der alte Mann und die Fehler der Vergangenheit

Foto: ENRIQUE DE LA OSA/ REUTERS

Sozialismus-Kritik Castro fühlt sich missverstanden

War alles nur ein Scherz? Fidel Castro hat seine Kritik am kubanischen Wirtschaftsmodell zurückgezogen. Er habe genau das Gegenteil gemeint, erklärt der Máximo Líder nun - seine Ironie sei einfach falsch verstanden worden. Teilnehmer des Interviews bestreiten das entschieden.

Havanna - Fidel Castro ist für seine Ausdauer bekannt, auch für seinen legendären Charme. Als einen, der ständig Witze reißt, kannte man den kubanischen Revolutionsführer bislang nicht. Nun fühlt er sich von einem US-Journalisten missverstanden - dieser habe seine Ironie nicht erkannt.

Während eines dreitägigen Interviews mit dem amerikanischen Magazin "The Atlantic" hatte Castro gesagt, das kubanische Modell funktioniere "nicht einmal mehr für uns". So zitierte ihn der Journalist Jeffrey Goldberg . Doch Goldberg habe seine Aussage "wörtlich" genommen, sagte Castro am Freitag, dabei habe er "genau das Gegenteil" gemeint.

"Wie die ganze Welt weiß, ist meine Idee, dass der Kapitalismus nicht einmal mehr für die USA gut ist, und schon gar nicht für die Welt, da er sie von einer Krise in die nächste führt, die immer schwerer wird und sich wiederholt", sagte der 84-Jährige bei der Vorstellung eines weiteren Bandes seiner Memoiren in der Universität von Havanna.

Erbost sei er jetzt aber nicht: "Ich sagte ihm [dem US-Journalisten Goldberg, Anm. d. Red.] das ohne Bitternis und ohne Besorgnis. Es vergnügt mich jetzt zu sehen, wie er das buchstabengetreu interpretiert."

Kubas Wirtschaft muss dringend reformiert werden

Zur Sicherheit hatte die Zeitschrift "The Atlantic" bei dem Interview die Kuba-Expertin des US Council on Foreign Relations (CFR), Julia Sweig, hinzugezogen. Sweig beharrte am Freitag auf der Interpretation des Magazins: Castro habe "nicht gescherzt, und als ich ihn das sagen hörte, dachte ich, er meint, dass das Wirtschaftsmodell nicht mehr funktioniert - nicht die Revolution, die sozialistische Gesinnung, der Unabhängigkeitswille - nur das Modell", sagte sie. "Als er sagte, 'Oh, das Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns', bezog er sich geradezu auf dieses fast schon zum Fetisch erhobene Modell", sagte sie weiter.

Castros Äußerungen hatten weltweit Aufsehen erregt. In Kommentaren wurde darüber spekuliert, er wolle möglicherweise den Kurs seines Bruders Raúl in Richtung einer vorsichtigen Liberalisierung der Wirtschaft unterstützen. Raúl hatte zahlreiche Veränderungen angekündigt, die er aber bislang noch nicht durchgesetzt hat oder nicht durchsetzen konnte.

Unter anderem will Havanna mehr Privatwirtschaft zulassen. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen. Dies solle es dem Staat ermöglichen, "sich um wichtigere Dinge" zu kümmern, hatte Wirtschaftsminister Marino Murillo gesagt. Er beeilte sich aber zu versichern, dass es nicht um eine grundlegende Reform des sozialistischen Modells gehe.

Seit seinem Rückzug von der Staatsführung wegen einer Darmoperation vor vier Jahren hatte sich Castro lange Zeit nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, in den vergangenen Wochen mehrten sich jedoch seine Auftritte. Sweig bekräftigte, bei den Gesprächen habe er sich "in guter Form" gezeigt.

kgp/AFP/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.