NSA-Geheimdienstchef Alexander zur Spähaffäre "Jetzt wissen die Deutschen Bescheid"

Die Spähprogramme der USA lösen bei den Deutschen Besorgnis aus, den NSA-Geheimdienstchef lässt das offensichtlich kalt. "Wir sagen ihnen nicht alles - aber jetzt wissen sie Bescheid", stellte Keith Alexander klar. Sensible Daten wolle man in Zukunft sogar noch schärfer bewachen.
NSA-Chef Alexander: Lob für deutsche Geheimdienste

NSA-Chef Alexander: Lob für deutsche Geheimdienste

Foto: Charles Dharapak/ AP

Aspen/Berlin - In Deutschland ist die Empörung über das NSA-Schnüffelprogramm groß, auch darüber, dass selbst befreundete Staaten ausgespäht werden wie Feinde. Doch die Besorgnis deutscher Bürger lässt zumindest NSA-Chef Keith Alexander kalt. "Wir sagen ihnen nicht alles, was wir machen oder wie wir es machen - aber jetzt wissen sie es", sagte er kühl auf einem Sicherheitsforum in Aspen im US-Bundesstaat Colorado und antwortete damit auf die Frage eines ZDF-Journalisten, ob er überrascht sei von der Reaktion von deutschen Politikern und Behörden.

Die Deutschen wüssten aber auch, dass die US-Programme von gerichtlichen Verfahren reguliert würden - "vermutlich rigoroser als alle anderen Programme in der Welt". Alexander kündigte an, die US-Geheimdienste würden als Konsequenz aus den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden den Zugang zu sensiblen Daten deutlich erschweren. Für den Zugang zu Geheimdienst-Serverräumen trete eine "Zwei-Mann-Regel" in Kraft, wie sie auch auf Atomwaffen-Stützpunkten gelte. Die neuen Regeln gälten für Systemverwalter und alle Personen, die Zugang zu Serverräumen hätten.

Zudem werde auch die Zahl der Personen reduziert, die die Befugnis hätten, in Sicherheitsbereichen auf transportable Speichermedien wie mobile Festplatten zu schreiben, kündigte Alexander an.

Verteidigungsstaatssekretär Ashton Carter sagte, die verschärften Sicherheitsmaßnahmen gälten ab sofort. Auch die Praxis, umfassende Erkenntnisse auf einem einzigen Server zu speichern, werde überprüft. "Alles auf einen Server zu laden, ist etwas, das wir nicht machen können, weil es zu viele Informationen an einer Stelle zusammenfasst", sagte Carter.

In der vergangenen Woche war Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in die USA gereist, um Informationen über das gigantische Ausspähprogramm zu erhalten. Doch mit Hinweis auf die Geheimhaltungsvorschriften wurde er aber offenbar nicht informiert. Die Opposition hatte die Reise umgehend als "Desaster" und "Luftnummer" verhöhnt. Friedrich forderte dagegen die Deutschen auf, selbst mehr für den Schutz ihrer Daten zu tun. Die Ausspäh-Technik existiere nun mal.

Alexander sparte aber auch nicht mit Lob für die deutschen Geheimdienste: "Es ist eine Ehre und ein Privileg, mit den deutschen Diensten zusammenzuarbeiten und Terroranschläge zu verhindern", sagte er. "Was sie in Afghanistan leisten, ist großartig."

Der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald, ein Vertrauter des Informanten Edward Snowden, kündigte derweil weitere brisante Veröffentlichungen über die Abhöraktivitäten der USA an. "Ich bin sicher, dass in den nächsten Tagen weitere Artikel erscheinen werden, die wahrscheinlich noch explosiver sind als die, die schon veröffentlicht sind", sagte der "Guardian"-Journalist Greenwald am Donnerstag in der ARD-Sendung "Beckmann", in die er aus Rio de Janeiro zugeschaltet war.

Auf dem Forum in Aspen beteuerte NSA-Chef Alexander abermals, die Aufklärung durch die US-Dienste habe auch Ländern in Europa geholfen. Namentlich nannte er Deutschland, Frankreich und Dänemark.

als/Reuters