Spanien Argentinischer Rechtsextremist Almiron festgenommen

Rodolfo Almirón, ein Rechtsextremist, nach dem Argentiniens Interpol seit über 30 Jahren fahndet, ist gefasst. Reporter der Tageszeitung "El Mundo" entdeckten den Mann, der unter Isabel de Perón Tausende Menschen ermorden ließ, gestern in seinem Domizil nahe Valencia.

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Torrent/Valencia - Der Name Rodolfo Eduardo Almirón Sena dürfte hierzulande wenigen Menschen ein Begriff sein; in Argentinien weckt der seit den siebziger Jahren gesuchte Rechtsradikale dagegen viele negative Assoziationen: Wut, Hass - und vor allem Angst.

Almirón Sena war ein Rädelsführer der Argentinischen Antikommunistischen Liga (AAA), einer paramilitärischen, rechtsextremistischen Gruppierung, die nach Juan Domingo Peróns Tod mit harten Bandagen gegen Regimekritiker vorging.

Nach Peróns Tod am ersten Juli 1974 regierte dessen dritte Ehefrau Isabel Martínez - eine ehemalige Nachtclubtänzerin - das Land und wurde von der regierenden peronistischen Partei als Marionette benutzt. Streiks waren an der Tagesordnung, die Industrie stagnierte, kriminelle Gruppierungen plünderten die Geschäfte. Argentinien befand sich - mal wieder - in einer Phase der wirtschaftlichen Krise und des politischen Chaos.

Um aufkeimende Widerstände gegen die Regierung zu zerschlagen, kooperierte die peronistische Partei damals offen mit "Triple A". Oppositionelle, Regimekritiker, Künstler und Intellektuelle wurden im Wissen der Regierung gefoltert, ermordet oder verschwanden spurlos. Teilweise für immer. Insgesamt wird die AAA für mehr als 1500 Morde und knapp 1000 Anschläge verantwortlich gemacht.

Gegen Almirón Sena ermittelt die argentinische Justiz schon seit 1975 - zuerst wegen Doppelmordes, später dann auch wegen seiner Mitgliedschaft bei der Terrorbrigade AAA. Der Rechtsradikale steht zudem unter Verdacht, in mindestens vier politische Morde verwickelt zu sein.

Irgendwann setzte sich Almirón Sena nach Spanien ab und blieb lange Zeit unentdeckt - nicht zuletzt, weil er mächtige Verbündete hatte: 1983 enthüllte die Wochenzeitung "Cambio 16", dass der Rechtsextremist inzwischen für Manuel Fraga Iribarne arbeitete - einem der umstrittensten spanischen Politiker, der während der Diktatur des Rechtspopulisten Francisco Franco unter anderem im Erziehungsministerium und in der Kommission für Auswärtige Angelegenheiten gearbeitet hatte. Fraga Iribarne, Gründer und damals Generalsekretär der konservativen Alianza Popular, entließ Almirón Sena daraufhin. Wieder verlor sich dessen Spur. Wieder war er, das Phantom, unauffindbar.

Vor einigen Tagen machten Reporter der Zeitung "El Mundo" Almirón Sena zufällig in dem Provinzstädtchen Torrent, einer kleinen Gemeinde im Speckgürtel von Valencia ausfindig. Gestern gegen 15.30 Uhr nahmen Beamte der Polizei und der Guardia Civil den inzwischen 70-Jährigen fest. Das spanische Sondergericht Audiencia Nacional in Madrid entscheidet nun über seine Ausweisung nach Argentinien.

Bei dem Prozess in Buenos Aires könnte dann auch Isabel Martinéz de Perón vorgeladen werden, die seit 1980 in Madrid lebt und Verbindungen zur Franco-Familie unterhält. Es sei gut möglich, dass sie sich im Laufe der Gerichtsverhandlungen zu den 800 bis 1000 Verbrechen äußern muss, die die AAA unter ihrer Regierung begangen hat, sagte der zuständige Bundesrichter, Norberto Oyarbide, am Mittwoch in Buenes Aires.



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