Spanien Eta-Waffenstillstand in Geheimverhandlungen vorbereitet

Der Waffenstillstand der Separatistengruppe Eta kam für die spanische Regierung offenbar nicht so überraschend, wie es zunächst den Anschein hatte. Vertreter aus Madrid sollen letztes Jahr in Oslo mit der Eta in geheimen Gesprächen die Bedingungen ausgehandelt haben.


Oslo -  Vertreter beider Seiten hätten sich vergangenen Herbst zu fast einwöchigen geheimen Verhandlungen in Oslo getroffen, berichtete der norwegische Sender NRK heute. Bei den Gesprächen legten sie demnach die Grundlagen für die Waffenruhe, welche die Eta in dieser Woche ausgerufen hat und die heute in Kraft trat.

Auch die Schweiz habe sich an den vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen den Konfliktparteien beteiligt. Der Sender nannte keine Quelle. Das norwegische Außenministerium wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Nur wenige Stunden nach dem In-Kraft-Treten der angekündigten dauerhaften Waffenruhe der Eta hat die Regierung des Baskenlandes Verhandlungen mit allen Parteien der nordspanischen Region angekündigt. Die Gespräche sollen nach dem Sommer beginnen, sagte der baskische Regierungschef Juan José Ibarretxe heute im Parlament in Vitoria. Nach dem Willen des Nationalisten soll auch die verbotene Baskenpartei Batasuna an den Verhandlungen teilnehmen. Batasuna, was zu deutsch "Einheit" bedeutet, gilt als politischer Flügel der Eta. Die konservative Volkspartei lehnte Gespräche mit der illegalen Partei umgehend ab.

Ziel soll die Normalisierung der Situation im Baskenland sein, sagte Ibarretxe. Über das Ergebnis sollen die Basken anschließend in einem Referendum abstimmen. Die spanische Regierung will sich mit etwaigen Verhandlungen dagegen noch Zeit lassen. Zunächst müsse sichergestellt werden, dass die Eta es ernst meint.

Die Untergrundkämpfer hatten am Mittwoch überraschend angekündigt, die Waffen "dauerhaft" schweigen zu lassen. In ihrem knapp vier Jahrzehnte langen Kampf für eine Unabhängigkeit des Baskenlandes im Norden Spaniens und Südwesten Frankreichs sind fast 850 Menschen getötet worden.

ler/Reuters/dpa



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