Regionalwahl in Katalonien Separatisten gewinnen Mehrheit im Parlament

Bei der Regionalwahl im nordostspanischen Katalonien haben die Befürworter der Unabhängigkeit den Sieg errungen. Die Partei von Ministerpräsident Mas und die linke CUP kommen zusammen auf die Mehrheit im Parlament.


Bei der Regionalwahl in Katalonien haben die Unabhängigkeitsbefürworter laut Hochrechnungen die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament der nordostspanischen Region gewonnen. Wie die Behörden nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen am Sonntagabend mitteilten, kommt das Bündnis Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) auf 62 Sitze, die linksradikale Unabhängigkeitsbewegung CUP errang zehn Sitze.

Beide gemeinsam stellen mit 72 der 135 Sitze im Parlament künftig die absolute Mehrheit. "Wir haben gewonnen", sagte der katalanische Ministerpräsident Artur Mas, der sich für die Unabhängigkeit der Region stark macht. Seine Anhänger feierten in Barcelona und schwenkten katalanische Flaggen.

Doch den Teilergebnissen zufolge erreichen sein Bündnis und die CUP zusammen bloß 47,8 Prozent der Stimmen - und damit weniger als die Hälfte. In Kreisen der konservativen spanischen Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hieß es deshalb, Mas sei mit seinem separatistischen Vorhaben gescheitert.

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Ja zur Unabhängigkeit: Jubel in Katalonien
Mas hatte die Wahl zur Abstimmung über die Abspaltung von Spanien erklärt und angekündigt, Katalonien im Falle eines Wahlsieges bis 2017 in die Unabhängigkeit von Spanien zu führen. Die autonome Region mit 7,5 Millionen Einwohnern ist stolz auf ihre eigene Sprache und Kultur und sieht sich von der Zentralregierung in Madrid gegängelt und wirtschaftlich ausgenutzt.

Dem separatischen Wahlbündnis von Mas gehören die katalanische Regierungspartei CDC (Demokratische Konvergenz), die Linksrepublikaner (ERC) und Bürgerinitiativen an. Auf ihrer Kandidatenliste stand auch der Trainer des deutschen Fußballmeisters FC Bayern München, Pep Guardiola. Die weit links stehende CUP (Kandidatur der Volkseinheit) tritt ebenfalls für eine Abspaltung ein, lehnt eine Wiederwahl des Liberalen Mas zum Regierungschef aber strikt ab.

Die spanische Regierung hatte im Vorfeld der Abstimmung gewarnt, eine Abspaltung Kataloniens von Spanien sei nicht nur verfassungswidrig, sondern würde auch den Verlust der EU-Mitgliedschaft und des Euro für Katalonien bedeuten. Ferner sei die Auszahlung der Renten in Gefahr. Während des Wahlkampfs riefen Rajoy und andere führende spanische Politiker wiederholt zur Einheit Spaniens auf.

mka/AFP/dpa



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Thorsten_Barcelona 27.09.2015
1. Noch zu früh ...
Momentan sind 73 Sitze für die Unabhängigkeitsanhänger und 62 für die anderen 4 Parteien. Allerdings sind erst 8% ausgezählt, allerdings werden die Schwankungen bei den Sitzen schon recht klein. Das ist die Schuld von Rajoy, der zwar sagte, dass sie die spanische Staatsbürgerschaft verlieren würde, aber nicht wusste, dass die eigene Verfassung dies ausschließt. In Deutschland würde man dem nicht mal das Saarland anvertrauen.
Helmbrecht1422 27.09.2015
2. Die Zahlen?
Die 49,8 Prozent der Stimmen haben die beiden Listen der Unabhängigkeitsbefürworter zusammen (ca. 40 und 10). Die 63 bis 66 Sitze hat alleine die größere der beiden Listen. Zusammen haben sie die klare absolute Mehrheit der Sitze.
cherrypicker 27.09.2015
3. Nur die halbe Wahrheit
Der Artikel vergisst zu erwähnen, dass die linksradikale und pro-Unabhängigkeit eingestellte CUP nach den ersten Befragungen bei Schließung der Wahllokale auf neun bis 13 Sitze kommt. Koaliert sie mit der Unabhängigkeitspartei Junts Pel Si, hätten die beiden Parteien zusammen die absolute Mehrheit (72 bis 78 Sitze) und eine Abspaltung von Spanien wäre möglich.
niss 27.09.2015
4. Sie schließen sich selbst aus
OK, dann ziehen die Banken wie angekündigt aus Katalonien ab. In die EU werden sie nie eintreten können, weil Spanier, Franzosen und Engländer dagegen stimmen werden, also bleiben auch die EU-Gelder. Und Barca spielt in einer Miniliga.
tarkurron 27.09.2015
5. CUP Partei
CUP muss man auch zu den Separatisten zählen (nicht nur Junts per el si), trotz linksextremer Ausrichtung. Somit erreichen (zum jetzigen Zeitpunkt der Auszählung zumindest) separatistische Kräfte die absolute Mehrheit.
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