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15. Juni 2008, 14:12 Uhr

Spanien

Regierung bezahlt Einwanderer für Rückkehr in ihre Heimat

Spaniens Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosigkeit steigt - nun will die Regierung mit einer ungewöhnlichen Maßnahme gegensteuern: Immigranten, die ihren Job verloren haben, sollen Geld für die Rückkehr in ihre Heimat bekommen.

Hamburg/Madrid - Jahrelang holte man Einwanderer ins Land, um die boomende Wirtschaft am Laufen zu halten. Sogar illegalen Immigranten wurden Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen gewährt. Doch nun stagniert Spaniens Ökonomie - und deshalb will die Regierung in Madrid arbeitslose Immigranten wieder loswerden: Sie plant laut einem Bericht der Zeitung "El País" einen radikalen Wandel ihrer Migrationspolitik. Wie das Blatt berichtet, möchte die Regierung mit Geld bis zu eine Million Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegen.

Afrikanische Flüchtlinge vor der spanischen Insel Teneriffa: Bis zu eine Millionen Einwanderer könnten vom Angebot der Regierung profitieren
DPA

Afrikanische Flüchtlinge vor der spanischen Insel Teneriffa: Bis zu eine Millionen Einwanderer könnten vom Angebot der Regierung profitieren

Als Anreiz soll Immigranten, die ihren Job verloren haben, die ihnen zustehende Arbeitslosenhilfe als Gesamtbetrag ausgezahlt werden. Einen Teil würden sie demnach in Spanien, den Rest in ihrer Heimat erhalten.

Besonders in der einst florierenden Baubranche sind zuletzt viele Arbeiter entlassen worden, darunter besonders Einwanderer aus Lateinamerika, Nordafrika und Osteuropa. Von den 2,2 Millionen Immigranten aus Nicht-EU-Staaten in Spanien sind derzeit rund 170.000 arbeitslos. Insgesamt machen Einwanderer in Spanien ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung aus.

Arbeits- und Immigrationsminister Celestino Corbacho sagte "El País", die Einwanderer müssten sich im Gegenzug verpflichten, innerhalb von drei Jahren nicht nach Spanien zurückzukehren. Das Programm soll Corbacho zufolge schon im nächsten Monat anlaufen. Die Einwanderer sollen so die Gelegenheit bekommen, sich in ihren Ländern eine neue Existenz aufzubauen. Ihre dort erworbenen Rentenansprüche würden sie dadurch nicht verlieren.

Minister Corbacho geht davon aus, dass rund eine Million Menschen von der neuen Regelung profitieren könnten, wenn die arbeitslosen Einwanderer mit ihren Familien die Rückkehr antreten würden.

Gleichzeitig will die Regierung laut Corbacho die Regelungen des Familiennachzugs von Einwanderern verschärfen. "Es gibt einen Familienkern, der nicht zu widerlegen ist: Ein Paar und Kinder unter 18 Jahren. Der Rest ist verhandelbar", sagte Corbacho "El País". Der Minister sagte weiter: "Familien können sehr groß sein ... im Verhältnis zu den Diensten, die der Sozialstadt leisten kann."

Nach Schätzungen von "El País" hat die spanische Regierung seit Anfang 2005 mehr als 250.000 Visa für nachziehende Angehörige ausgestellt.

flo/dpa/Reuters

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