Spanien und die Nato Zapatero bietet Truppen für Afghanistans Westen

Kaum gewählt, zog Spaniens Regierungschef Zapatero vor vier Jahren seine Soldaten aus dem Irak ab - zum Ärger des US-Präsidenten. Jetzt gibt es beim Nato-Gipfel wieder ein heikles Thema: die Truppenaufstockung in Afghanistan. Denn in den umkämpften Süden des Landes wollen die Spanier keinesfalls.

Hamburg - Der Nato-Gipfel in Bukarest hat für den gerade wiedergewählten Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero große Bedeutung. Er soll dort erstmals mit dem US-Präsidenten George W. Bush unter vier Augen sprechen. Nach seinem überraschenden Wahlsieg vor vier Jahren hatte Zapatero sofort die spanischen Truppen aus dem Irak abgezogen und sich so den Zorn Washingtons zugezogen. Zur Kompensation hatte Zapatero damals Spaniens Einsatz in Afghanistan im Rahmen der Nato gefördert, der - anders als der Irak-Einsatz - von einem Beschluss des Sicherheitsrats der Uno gedeckt ist.

Jetzt strebt die Nato an, alle Bündnispartner zu verstärktem Engagement in Afghanistan zu überzeugen, damit die größte internationale Operation ihrer Geschichte mit insgesamt 43.000 Soldaten nicht scheitert. Spanien ist bereits mit 742 Militärs vertreten. Die Nato hatte beschlossen, an die 70 Einheiten zur Ausbildung Einheimischer, sogenannte OMLTs, aufzustellen. Bislang sind jedoch erst weniger als 50 Ausbildungseinheiten für die afghanischen Sicherheitskräfte im Einsatz, darunter zwei spanische von je 26 Mann.

Der spanische Regierungschef wird sich kaum dem Drängen auf Erhöhung des entsandten Truppenkontingents entziehen können. Denn in Bukarest soll der neue strategische Plan für die Region bis 2012 verabschiedet werden. Und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat die Partner mit dem Angebot von 1000 Franzosen zur Ablösung amerikanischer Kräfte schon im Vorfeld beeindruckt.

Spanien lehnt es ab, Soldaten in den Süden zu verlegen, wo die Taliban am stärksten sind. Das Madrider Verteidigungsministerium argumentiert, dass ihre Verbände im Westen bleiben sollen, wo es genug Probleme gebe.

Strategen planen bessere Einbeziehung der Zivilbevölkerung

Gerade am Dienstag hat die ständige Kommission des spanischen Parlaments, welche die Geschäfte führt, bis am 1. April in Madrid die neue Legislaturperiode beginnt, der zusätzlichen Entsendung von vier Flugzeugen und 36 Militärs zu ihrer Bedienung zugestimmt. Sie sollen die Luftaufklärung verbessern und so dafür sorgen, dass weniger Patrouillen am Boden eingesetzt werden müssen. Denn die werden häufig Opfer von Angriffen der Rebellen. Die Genehmigung der Volksvertreter erfolgte nachträglich. Damit durch die neue Regierungsbildung, die erst für den 8. April vorgesehen ist, keine Verzögerung eintritt, wurden die Soldaten schon vor zwei Wochen nach Afghanistan geschickt, nachdem der alte Ministerrat grünes Licht gegeben hatte.

Schon zum zweiten Mal haben damit die Spanier ihre Verbände in Afghanistan aufgestockt. Dennoch halten Madrider Verteidigungsexperten eine grundsätzliche Neuorientierung ihrer Mission nach der Verabschiedung des Nato-Plans bis 2012 in Bukarest für dringend geboten. Einige Analysen zielen darauf ab, die Zivilbevölkerung besser einzubeziehen, so dass den Bewohner den Nutzen des Truppeneinsatzes direkt zu spüren bekommen und nicht länger versucht sind, die Rebellen zu unterstützen.

Gute Erfahrung haben die Spanier schon in der Provinz Badghis gemacht. Dort helfen spanische Soldaten den örtlichen Sicherheitskräften dabei, die spanischen NGOs zu schützen. Die Spanische Agentur für Internationale Entwicklungszusammenarbeit baut in der Region beispielsweise Straßen, Krankenhäuser und sorgt für Anschluss an die Versorgungsnetze mit Elektrizität, Trinkwasser sowie Abwasserbeseitigung. Insgesamt hatte sich die spanische Regierung bereits im Februar 2006 in London verpflichtet, 150 Millionen Euro auf fünf Jahre verteilt für die Operation in Afghanistan zur Verfügung zu stellen.

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