Tanken für Kriegseinsatz Spaniens Ärger mit russischen Kriegsschiffen

Acht russische Kriegsschiffe sollen in der spanischen Exklave Ceuta aufgetankt werden. Da sie für den Kriegseinsatz in Syrien vorgesehen sind, üben Nato-Partner heftige Kritik an der Regierung in Madrid.

DPA/ DOVER MARINA.COM

Die spanische Regierung zieht den Unmut ihrer Nato-Verbündeten auf sich. Hintergrund ist eine vorläufige Entscheidung Madrids, acht russischen Kriegsschiffen zu gestatten, in der spanischen Exklave Ceuta aufzutanken.

Die Flotte wird angeführt vom Flugzeugträger "Admiral Kusnezow". Die Regierung in Moskau hat die Flotte zur Unterstützung ihrer Kriegseinsätze in Syrien losgeschickt. Russland kämpft seit September 2015 in dem Bürgerkriegsland, um das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu stützen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnt davor, dass Russland und Syrien mithilfe der Flotte ihre Luftangriffe auf Aleppo intensivieren und noch mehr Zivilisten sterben könnten. Insbesondere wegen der wiederholten Bombardierungen von Krankenhäusern werfen westliche Regierungen der Führung in Moskau Kriegsverbrechen vor.

Guy Verhofstadt, Ex-Premierminister von Belgien und führender EU-Politiker, nannte Spaniens Entscheidung, die Schiffe zu betanken, daher "einen Skandal".

Die Schiffe sollten am Mittwochvormittag im Hafen von Ceuta anlegen. Die Exklave liegt an der nordafrikanischen Küste, 20 Kilometer vom südlichsten Zipfel des spanischen Festlands entfernt. Sie gehört zu Spanien und damit zur Europäischen Union.

Der Nato-Status von Ceuta ist aber unklar. Seit 2011 haben laut "Guardian" mindestens 60 russische Kriegsschiffe in der Exklave angelegt. Seit Monaten gibt es in der EU Streit um das Thema: Ceuta diene den Schiffen aus Moskau als "Basis", so Kritiker.

Angesichts der Nato-Kritik erwägt die Regierung in Madrid nun einen Rückzieher: "Die Erlaubnis für den Stopp der Schiffe in Ceuta wird angesichts der Informationen, die wir von unseren Partnern und den russischen Behörden erhalten, überprüft", sagte ein Sprecher des spanischen Außenministeriums.

Der spanische Verteidigungsminister Pedro Morenés betonte der Zeitung "El Mundo" zufolge, dass Spanien als Nato-Mitglied entsprechend der Prinzipien der Militärallianz handeln werde. "Offensichtlich" werde Madrid nichts tun, was die Beziehungen belasten könnte.

Flugzeugträger gilt als in die Jahre gekommen

Die "Admiral Kusnezow" ist Russlands einziger Flugzeugträger. Auf dem 55.000 Tonnen schweren Kriegsschiff sind 15 Kampfbomber vom Typ MiG-29 und Su 33 stationiert, die mit tonnenschweren Bomben sowie Kurz- und Mittelstreckenraketen ausgerüstet sind.

Der Flugzeugträger wurde 1991 in Dienst gestellt und gilt als in die Jahre gekommen. So hat die "Admiral Kusnezow" keine Löschsysteme an Bord, mehrmals wurde das Schiff laut russischen Medien in den vergangenen Jahren aufwendig repariert: zwischen 1996 und 1998, zwischen 2001 und 2004 sowie 2008.

cte

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