Massendemonstration in Madrid Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Sparkurs

Demonstranten warfen Steine, die Polizei antwortete mit Gummigeschossen: In Madrid eskalierten die Proteste gegen den Sparkurs der spanischen Regierung. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt. Auch in Griechenland demonstrieren die Bürger am Mittwoch gegen das Spardiktat. Die Gewerkschaften rufen zum Generalstreik.
Massendemonstration in Madrid: Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Sparkurs

Massendemonstration in Madrid: Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Sparkurs

Foto: Andres Kudacki/ AP

Madrid - Bei teils gewalttätigen Protesten gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung sind am Dienstagabend in Madrid mehr als 60 Menschen verletzt worden. Tausende Anhänger der Bewegung der "Empörten" versammelten sich vor dem Parlament in der spanischen Hauptstadt. Als einige Teilnehmer zum Gebäude vordringen wollten, versuchten Polizisten, die Menge mit Schlagstöcken zurückzudrängen.

Viele Protestierende warfen Steine auf Polizisten, die ihrerseits Gummigeschosse gegen die Demonstranten einsetzten. Unter den mehr als 60 Verletzten seien 27 Polizisten, teilten Rettungskräfte mit. Nach Polizeiangaben wurden 26 Menschen festgenommen. Medienberichten zufolge waren 1300 Polizisten im Einsatz.

Die Demonstranten forderten die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zum Rücktritt auf und skandierten "Weniger Polizei - mehr Bildung". Viele streckten die Hände in die Luft und riefen immer wieder "Hände hoch, das ist ein Überfall" - in Anspielung darauf, dass die Ärmeren des Landes für die Krise bezahlen müssten. "Sie haben uns unserer Demokratie beraubt", sagte die Demonstrantin Soledad Nunes aus dem Nordwesten Spaniens. Die 53-jährige Ladeninhaberin beklagte vor allem die Einschnitte in den Bereichen Gesundheit und Bildung.

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Proteste gegen Sparkurs: Gummigeschosse gegen Demonstranten

Foto: Andres Kudacki/ AP

In der Nacht zum Mittwoch beruhigte sich die Lage in Madrid. Mehrere hundert Menschen harrten friedlich auf einem Platz in der Nähe des Parlaments aus, bis die Polizei die Versammlung gegen 1.00 Uhr früh auflöste. Die Teilnehmer des Protests hatten sich wie schon in der Vergangenheit über das Internet organisiert. Hinter der Bewegung der "Empörten" stehen mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Bündnisse. Sie machen die Korruption und die Unfähigkeit des politischen Systems für die Krise in Spanien verantwortlich.

Die Krise hatte 2008 mit dem Platzen der Immobilienblase ihren Anfang genommen und den spanischen Bankensektor in den Abgrund gestürzt. Nach einem lange herausgezögerten Antrag an den Euro-Rettungsfonds hatten die Euro-Länder im Juni ein Hilfsprogramm für Spaniens Banken in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro beschlossen. Gegen direkte Unterstützung für seinen Staatshaushalt sträubt sich Madrid jedoch, weil es dafür Spar- und Reformanstrengungen nach den Vorgaben seiner internationalen Geldgeber erbringen müsste.

Streik in Griechenland

In Griechenland riefen die Gewerkschaften für Mittwoch zum größten Streik seit fünf Monaten auf. Vor allem im staatlichen Bereich soll nichts mehr gehen. Auch der Fähr-, Flug- und Zugverkehr werden massiv betroffen sein. Banken und Postfilialen bleiben ebenso geschlossen wie etliche Touristenattraktionen. Ab 9.00 Uhr wollen auch die Fluglotsen für drei Stunden streiken. Flugpassagiere müssen sich deshalb auf erhebliche Verzögerungen einstellen.

Vom Athener Haupthafen Piräus wird keine Fähre zu den Inseln auslaufen. Bei den Bussen in Athen soll es zwei dreistündige Arbeitsniederlegungen geben. Die Athener Vorstadtbahn soll ganztags bestreikt werden. Ärzte werden nur Notfälle behandeln. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie Schulen sollen für 24 Stunden bestreikt werden. Um die Mittagszeit sind in Athen und anderen Städten des Landes Demonstrationen geplant.

Eine Einigung auf das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket für Griechenland steht weiter aus. Die genauen Details sind zwar noch nicht bekannt, die Gewerkschaften aber rechnen mit weiteren Kürzungen von Löhnen und Renten zwischen sechs und 20 Prozent. Nur wenn Athen die weiteren Sparauflagen erfüllt, die von der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft werden, kann die Regierung mit einer weiteren Finanztranche von 31,5 Milliarden Euro rechnen. Andernfalls steht Griechenland vor dem Staatsbankrott.

Nach Informationen des SPIEGEL klafft eine weitaus größere Lücke im griechischen Haushalt als bisher bekannt. Die Geldgeber-Troika rechnet mit zusätzlich fehlenden 20 Milliarden Euro.

ler/AFP/dpa
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