Nach Spanien-Wahl Katalanische Separatisten blockieren Grenzübergang zu Frankreich

"Wir fahren alle zur Hölle": In Spanien droht nach der Wahl der politische Stillstand. Barcelonas Bürgermeisterin rief daher zu einer Front der Linken auf. Auch kam es zu neuen Protesten katalanischer Separatisten.

Verkehr lahmgelegt: Etwa 80 Personen seien an der Aktion beteiligt
ALEJANDRO GARCIA/EPA-EFE/REX

Verkehr lahmgelegt: Etwa 80 Personen seien an der Aktion beteiligt


Spanien hat zum zweiten Mal in diesem Jahr gewählt, und erneut wurden dabei keine klaren Mehrheiten geschaffen. Von einer stabilen Regierung ist Madrid nun weit entfernt - und die Katalonienfrage spaltet das Land weiter. Am Tag nach der Wahl haben katalanische Separatisten an der Grenze zu Frankreich eine Verkehrsader blockiert.

Sie legten am Montag am Autobahn-Übergangspunkt La Jonquera den Verkehr lahm, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Rund 80 Personen seien auf beiden Seiten der Grenze an der Aktion beteiligt. Die zumeist über soziale Medien operierende Plattform "Demokratischer Tsunami" reklamierte die Aktion für sich.

Nach einem richterlichen Verbot spielen die Organisatoren der Plattform mit den Behörden Katz und Maus, indem sie ihre Internetadresse wechseln. Die Gruppe hatte bereits zuvor Massenproteste in Katalonien koordiniert - darunter am Flughafen Barcelona.

Ministerpräsident Sanchez verfehlt absolute Mehrheit

Im Wahlkampf in Spanien hatte der Umgang mit den Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien eine zentrale Rolle gespielt. In der Region war es zu teils gewaltsamen Protesten gekommen, nachdem Haftstrafen gegen Separatisten verhängt wurden.

Die sozialistische PSOE des amtierenden Ministerpräsidenten Pedro Sánchez blieb bei den spanischen Parlamentswahlen zwar stärkste Kraft, verfehlte die absolute Mehrheit im 350 Mandate umfassenden Abgeordnetenhaus jedoch deutlich (Die Ergebnisse im Überblick finden Sie hier).

Wegen der zunehmenden Aufsplitterung und Polarisierung des Parteienspektrums gilt eine Regierungsbildung als sehr schwierig. Nationalisten aus Katalonien dürften im Parlament in Madrid als Mehrheitsbeschaffer ausfallen: Eine Kooperation mit ihnen gilt wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der Region als politisch heikles Unterfangen. Die Lage wird durch die Tatsache erschwert, dass die Rechtspopulisten von Vox ihre Sitze mehr als verdoppeln konnten.

Bürgermeisterin von Barcelona für breite Front der Linken

Die linksgerichtete Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, hat sich nach der Parlamentsneuwahl in Spanien für die Bildung einer "breiten Front" linker Parteien zur Überwindung der politischen Blockade ausgesprochen. "Entweder die Linken bilden eine breite Front, oder wir fahren alle zur Hölle", schrieb die 45 Jahre alte Politikerin auf Twitter.

asc/dpa/Reuters



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just me 11.11.2019
1. Katalanisch soll nicht mehr in Katalonien gesprochen werden
Wenn ich die Stimmen der grossen rechten Parteien so höre, die mehr Zentralismus fordern und letztendlich auch die lokalen Sprachen zu Folkloresprachen zurückdrängen wollen, verstehe ich gut, dass z.B. die Katalanen kein Vertrauen mehr in die zentrale Regierung haben und als einzigen Ausweg die Unabhängkeit sehen.
Sandbänker 11.11.2019
2. Wie wäre es denn ...
... wenn sich die Spiegel-Redaktion bequemen würde das regionale Wahlverhalten transparent zu machen. Ich bin sicher nicht der einzige den es interessiert wie die Katalonier (nicht die Katalanen) gestimmt haben.
Besserwisser1970 11.11.2019
3. Bitte schön
Zitat von Sandbänker... wenn sich die Spiegel-Redaktion bequemen würde das regionale Wahlverhalten transparent zu machen. Ich bin sicher nicht der einzige den es interessiert wie die Katalonier (nicht die Katalanen) gestimmt haben.
ERC-SOBIRANISTES 13 869.934 22,56 % PSC-PSOE 12 790.582 20,51 % JxCAT-JUNTS 8 527.375 13,68 % ECP-GUANYEM EL CANVI 7 546.733 14,18 % PP 2 286.302 7,43 % CUP-PR 2 244.754 6,35 % VOX 2 243.026 6,3 % Cs 2 216.373 5,61 % PACMA 0 44.389 1,15 % MÁS PAÍS 0 41.703 1,08 % RECORTES CERO-GV 0 5.790 0,15 % I.Fem 0 2.822 0,07 % PUM+J 0 2.345 0,06 % PCTC 0 2.215 0,06 % PCPC 0 2.135 0,06 % IZQP 0 1.916 0,05 % Die Parteien aber bitte selbst googeln. Da findet sich ja keiner mehr zurecht. Rund die Hälfte Unabhängigkeit, die andere nicht. Wobei die ECP da schwierig zu beurteilen ist.
sandra_b 11.11.2019
4.
Zitat von Sandbänker... wenn sich die Spiegel-Redaktion bequemen würde das regionale Wahlverhalten transparent zu machen. Ich bin sicher nicht der einzige den es interessiert wie die Katalonier (nicht die Katalanen) gestimmt haben.
Barcelona: PSOE 21,81 %, ERC 21,13 %, ECP 15,47 %, JxCat 11,74 %, PP 7,71 %, VOX 6,33 %, CUP 6,09 %, C's 5,95 % Gerona: ERC 25,84 %, JxCat 24,78 %, PSC-PSOE 14,81 %, ECP 9,48 %, CUP 8,9 %, VOX 5,21 %, PP 4,9 %, C's 3,89 % Tarragona: ERC 25,64 %, PSC-PSOE 19,1 %, JxCat 13,35 %, ECP 12,1 %, VOX 8,09 %, PP 7,76 %, C's 5,9 % Lérida: ERC 31,46 %, JxCat 22,59 %, PSC-PSOE 14,44 %, ECP 7,87 %, PP 7,09 % CUP 6,8 %, VOX 4,5 %, C's 3,43 % Was ist der Unterschied zwischen Katalonier und Katalane? Die PSOE hat in allen Provinzen Kataloniens Sitze gewonnen, die PP und Ciudadanos lediglich in Barcelona. Die der PP fehlenden Stimmen flossen VOX zu.
sandra_b 11.11.2019
5.
Zitat von just meWenn ich die Stimmen der grossen rechten Parteien so höre, die mehr Zentralismus fordern und letztendlich auch die lokalen Sprachen zu Folkloresprachen zurückdrängen wollen, verstehe ich gut, dass z.B. die Katalanen kein Vertrauen mehr in die zentrale Regierung haben und als einzigen Ausweg die Unabhängkeit sehen.
Das ist die Gefahr von VOX. Dass sie durch ihre harte Linie gegen die Autonomías noch mehr Separatisten ins Leben rufen. Und umgekehrt, je mehr Separatisten, umso mehr Spanier wählen VOX. Man schaukelt sich gegenseitig hoch. Die Spanier haben mit ihren Stimmen für VOX die grosse herrschende Unzufriedenheit gegenüber den gewalttätigen Demonstrationen der Katalanen ausgedrückt. Ich kennen kaum noch jemanden, der für die Separatisten auch nur eine winzige Sympathie übrig hat. Es ist nur zu hoffen, dass Pedro Sánchez die nötige Unterstützung zur Regierungsbildung findet, ansonsten würde sich die Situation in Katalonien mehr und mehr zuspitzen. Bzw. wären wieder Neuwahlen nötig, und dieses Mal wäre das der absolute Triumph von PP und VOX. Grosses Problem: Sánchez benötigt die regionalen Parteien zur Regierungsbildung. Die sind aber Spanienweit in Ungnade gefallen. Schwierige Situation, Regierung zu bilden, ohne sich in die Nesseln zu setzen.
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