Juan Carlos' Abdankung Der König ist weg, die Monarchie lebt

"Der König stirbt als König, in seinem Bett." Wohl jeder in Spanien glaubte, das gelte auch für Juan Carlos. Doch der Monarch, einst Hüter der Demokratie, hatte sich am Ende selbst beschädigt.

Von


Madrid - Die Worte der spanischen Monarchin Sofía klingen nach. "Der König wird niemals abdanken", soll sie vor Jahren ihrer Biografin anvertraut haben. "Der König stirbt als König, in seinem Bett."

Nun dankt Juan Carlos doch ab. Die Nachricht trifft Spanien mit Wucht, auch er selbst hatte den Schritt stets ausgeschlossen. Selbst Kenner des Königshauses waren überrascht. Der Schritt überrumpelt das Parlament: Die Abgeordneten müssen nun erst einmal ein Gesetz verabschieden, damit Sohn Felipe den Thron übernehmen kann.

Es ist das Ende einer Ära in Spanien. Juan Carlos führte das Land in die Demokratie, er galt als Symbol der spanischen Einheit. In den vergangenen Jahren aber demontierte sich das Königshaus mit Eskapaden und Skandalen selbst - ausgerechnet der einst so geschätzte Juan Carlos schadete dem Ansehen der Casa Real. Heute steckt die Monarchie in ihrer tiefsten Krise.

Fotostrecke

17  Bilder
Juan Carlos: Ein König tritt ab
Zudem hat die Wirtschaftsmisere dem Land zugesetzt, noch immer sind viele junge Spanier arbeitslos. Dazu ist die politische Lage angespannt, Katalonien will im November über seine Unabhängigkeit abstimmen. Kann ein 76 Jahre alter Monarch das Land in einer solchen Situation führen? Juan Carlos ist von zahlreichen Operationen in den vergangenen Monaten zudem gesundheitlich angegriffen.

Einen konkreten Grund für seine historische Abdankung nannte er nicht. Wörtlich sagte Juan Carlos in seiner Fernsehansprache vom Montag: "Eine neue Generation verlangt zu Recht, an erster Stelle zu stehen." Starke Worte, die darauf hindeuten, dass der ernste und pflichtbewusste Kronprinz Felipe das ramponierte Image des Königshauses nun retten will.

Besonders junge Spanier haben sich in den vergangenen Jahren abgewandt. In einer Umfrage vom Januar sagten mehr als drei Viertel der unter 30-Jährigen, sie seien dafür, dass Juan Carlos abdankt und den Thron für Felipe räumt.

"Er inspiriert alle Europäer"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Für die älteren Bürger aber wird Juan Carlos - trotz allem - immer der Mann bleiben, der das Land entgegen aller Widrigkeiten in die Demokratie führte. Juan Carlos wurde 1975 als Zögling von Diktator Francisco Franco gekrönt - um dann den Anstoß zu Reformen zu geben. 1978 wurde das moderne Spanien gegründet, das Juan Carlos fortan verteidigen sollte. 1981 stellte er sich mutig gegen rechte Putschisten.

Die Bürger aber meinen, dass er sich die Krone verdient hat. "Wir alle haben ihm gegenüber eine unbezahlbare Schuld", fasste Regierungschef Mariano Rajoy das Gefühl am Montag zusammen. Juan Carlos repräsentierte sein Land in der Welt, wurde noch vor vier Jahren als "Vermittler, Friedensstifter, weltweiter Botschafter" ("El País") gepriesen. Er galt als herzlich und offen, Gerüchte über heimliche Besuche bei Damen in Madrid schadeten ihm nicht. Spanien war lange kein Land von Monarchisten, sondern von "Juancarlisten".

Der Niedergang des Bürgerkönigs begann mit einem luxuriösen Jagdausflug nach Botswana im April 2012, mitten in der Wirtschaftskrise. Die Öffentlichkeit erfuhr von der Reise, weil der König gestürzt war und sich die Hüfte gebrochen hatte. Dass er in Afrika eine blonde Deutsche an seiner Seite hatte, machte die Sache nicht besser. Erstmals berichtete die Presse ausführlich über angebliche Eheprobleme des Königspaars. Einige Politiker legten Juan Carlos eine Abdankung nahe. Der König musste sich öffentlich entschuldigen.

Doch die ausufernde Korruptionsaffäre um Königstochter Cristina und deren Ehemann Iñaki Urdangarin erschütterte die Glaubwürdigkeit der Casa Real weiter. Urdangarin soll Millionen öffentlicher Gelder veruntreut haben. Zeitweise ging es auch um die Frage, wie viel der Monarch von den illegalen Aktivitäten seiner Verwandten wusste.

Nun verkündet Juan Carlos selbst, dass die Zeit für den Wandel gekommen sei. Wie er in Erinnerung behalten werden möchte, wurde er im vergangenen Jahr anlässlich seines 75. Geburtstags gefragt. "Ich möchte, dass man sich an mich erinnert als den König, der alle Spanier geeint hat." Dieser Wunsch wird ihm wohl erfüllt.

insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roskipper 02.06.2014
1. Viva Espanya . Viva el Rey !
Schade daß der Alte geht. Der war echt cool geblieben als es brenzlig wurde und hat Spanien zusammengehalten, als auch der vorletzte Demokrat sich aus Spanien Richtung Chile verdrückt hat. Die paar Weiber-Geschichten und den toten Elefanten in Afrika kann man ihm verzeihen. Da hat es so mancher Adelige und auch bürgerlicher Politiker und auch President in der EU viel schlimmer getrieben. Alles kommt wie's kommen muss. Seine Zeit war halt vorbei. Vaya con Dios Juan Carlos !
velkoryn 02.06.2014
2. Bye - bye
Nun - aus Sicht der Spanier hat der König sicher historische Verdienste an der Einigung des Landes nach der Jahrzehnte langen Diktatur Francos. Aber gerade die neuste Vergangenheit des spanischen Könighauses zeigt eben auch wie brüchig so eine Dynastie dann ist und deren Wert nicht grösser als eine Demokratie mit präsidentalen Repräsentaten, die gewählt werden. Als Deutscher bin ich doch sehr stolz das unsere Vorfahren die 1919 die Aristokratie in Deutschland verjagt haben - leider waren dann aber die Menschen nicht stark genug, ohne autoritären Regimewechsel die Weltwirtschaftskrise durchzustehen. Wird sicher interessant wie es in Spanien nun weitergehen wird - mit oder ohne Königshaus ...?
fiendie 02.06.2014
3. Erbmonarchie
Ich kann immer noch nicht verstehen, warum es immer noch so viele Leute gibt, die auf Monarchien abfahren? Dass es Personen gibt, die quar Geburt besser gestellt sind als andere ist eines der ekelerregendsten Konzepte, dass sich die Menschheit jemals ausgedacht hat. Auch wenn das ganze mittlerweile zu einer Art Kasperletheater verkommen ist, hat ein Monarch rein theoretisch immer noch weltliche Macht.
EDK100 02.06.2014
4. @neinsagen
Ich bin wahrlich kein Royalist, aber dass die Kosten des spanischen Königshauses im Milliardenbereich liegen ist hanebüchener Unsinn...diese Kosten sind Spaniens geringstes Problem...
gekkox 02.06.2014
5.
Zitat von roskipperSchade daß der Alte geht. Der war echt cool geblieben als es brenzlig wurde und hat Spanien zusammengehalten, als auch der vorletzte Demokrat sich aus Spanien Richtung Chile verdrückt hat. Die paar Weiber-Geschichten und den toten Elefanten in Afrika kann man ihm verzeihen. Da hat es so mancher Adelige und auch bürgerlicher Politiker und auch President in der EU viel schlimmer getrieben. Alles kommt wie's kommen muss. Seine Zeit war halt vorbei. Vaya con Dios Juan Carlos !
Aus welchem Geschichtsbuch ist denn das?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.