Spanisch-marokkanischer Inselstreit Kanonenboote und Diplomatie

Die Außenminister von Spanien und Marokko haben beteuert, den Streit um das kleine felsige Eiland Perejil vor der marokkinischen Küste friedlich lösen zu wollen. Zuvor hatte Spanien ein sechstes Kriegsschiff vor die Küste Afrikas entsandt.


Die spanische Fregatte "Navarra" kreuzt in der Nähe von Perejil
DPA

Die spanische Fregatte "Navarra" kreuzt in der Nähe von Perejil

Madrid - Die beiden Außenminister der zerstrittenen Staaten, Ana Palacio, Spanien, und Mohammed Benaissa, Marokko, telefonierten am Dienstagabend wegen des Konflikts. Das Außenministerium in Madrid teilte mit, in dem Gespräch habe es einen "offenen Meinungsaustausch" gegeben.

Das spanische Militär hatte zuvor in der Exklave Ceuta, die wenige Kilometer von Perejil entfernt ist, eine Luftabwehr-Batterie installiert. Dies berichtete die Presse auf der Iberischen Halbinsel. Auch sei die so genannte Legion, eine Elite-Einheit der spanischen Armee, auf afrikanischem Boden kaserniert worden. Spanien hatte bereits in den vergangenen Tagen fünf Kriegsschiffe in das Gebiet verlegt. Die militärische Schlagkraft wurde am Dienstag noch einmal verstärkt, indem ein weiteres Kriegsschiff in die Gewässer von Gibraltar entsandt wurde.

Die Diplomaten beider Länder versuchen bereits vor dem Telefonat der Außenminister den Zündstoff aus dem Streit zu nehmen. In einer Note an die Regierung in Madrid hieß es, Rabat wolle mit dem Disput keinesfalls eine neue Debatte über die Souveränität der spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla entfachen.

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Beschwichtigend wirken sollen offenbar auch die Äußerungen Benaissas, in denen er andeutete, die Einnahme der Insel zur Einrichtung eines Beobachtungspostens habe mit den Hochzeitsfeiern von König Mohammed VI. am vergangenen Wochenende zu tun gehabt. In einer solchen Situation sei es legitim, die Schutzmaßnahmen zu verstärken.

Benaissa bekräftigte nach Presseberichten vom Dienstag allerdings auch, dass sich sein Land nicht von dem Eiland zurückziehen werde. Der Felsen sei marokkanisch. Inzwischen wurden bereits einige der Soldaten, die die marokkanische Flagge auf der Petersilien-Insel gehisst hatten, abgelöst.

Auch sei ein befestigtes Wachhäuschen errichtet worden, hieß es.

Benaissa kritisierte die Europäische Union. Er halte es nicht für fair, dass diese sich auf die Seite Spaniens gestellt habe und Sanktionen in Erwägung ziehe, ohne vorher Rabats Argumente gehört zu haben. Außer der EU hat auch die Nato den sofortigen Abzug Marokkos gefordert.

Der Konflikt animiert zwischenzeitlich auch Teile der Bevölkerung. Wie jetzt erst bekannt wurde, versuchte eine Gruppe Rechtsradikaler am Wochenende in Madrid, die Fahne der marokkanischen Botschaft gegen eine Piratenfahne mit Totenkopf auszutauschen. An der marokkanischen Mittelmeerküste unterbanden örtliche Behörden den Versuch Dutzender Badegäste, die zu Spanien gehörende Alhucemas-Insel symbolisch zu besetzen.

Der Reisebüroverband in Madrid teilte mit, wegen dem Konflikt gehe die Zahl spanischer Marokko-Touristen stark zurück.



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