Spannungen in Osteuropa Deutschland lässt "Eurofighter" voll bewaffnet starten

Säbelrasseln in Osteuropa: Deutschland lässt seine "Eurofighter" nun mit voller Kriegsbewaffnung über der Ostsee patrouillieren. Russlands Präsident Putin will eine Luftwaffen-Basis im benachbarten Weißrussland.
Deutscher "Eurofighter": "Das ist kein Mittel zum Eskalieren"

Deutscher "Eurofighter": "Das ist kein Mittel zum Eskalieren"

Foto: RAIGO PAJULA/ AFP

An der Ostgrenze der Nato erhöhen sich die Spannungen. Zum einen will Russland im Nachbarland Weißrussland eine eigene Luftwaffenbasis aufbauen. Es wäre der erste derartige Stützpunkt in dem Staat seit Sowjetzeiten. Zum anderen schickt Deutschland seine in Estland stationierten "Eurofighter" ab sofort mit voller Kriegsbewaffnung in die Luft. Die Jets überwachen den Luftraum über dem Baltikum. Weißrussland grenzt an Litauen und Lettland.

Die Pläne zum Bau einer russischen Luftwaffenbasis in Weißrussland sind bereits ziemlich konkret: Bis 2016 sollen SU-27-Kampfjets der russischen Luftwaffe in Babruisk südöstlich von Minsk stationiert werden. Es fehlte aber noch die Zustimmung von Präsident Wladimir Putin. Er habe einem entsprechenden Vorschlag der Regierung zugestimmt sowie Außen- und Verteidigungsministerium angewiesen, dazu Gespräche mit Weißrussland aufzunehmen, erklärte Putin am Samstag.

Beide Länder hatten bereits 2009 vereinbart, bei der Verteidigung ihrer Außengrenzen und ihres Luftraumes zusammenzuarbeiten. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ist ein enger Verbündeter Russlands. Russland hat bereits einige wenige Kampfflugzeuge in dem Nachbarland stationiert - bis 2016 könnten es insgesamt 24 sein.

Nicht nur die russische Seite erhöht den Druck auf den Westen - auch die Nato sendet entsprechende Signale nach Moskau. Deutschland schickt seine in Estland stationierten "Eurofighter" ab sofort mit voller Kriegsbewaffnung zu Patrouillenflügen übers Baltikum. Die Jets starten damit nun auch mit Kurz- und Mittelstreckenraketen. Luftwaffeninspekteur Karl Müllner hält das für ein notwendiges Signal - an die eigenen Soldaten und an Russland. "Das ist kein Mittel zum Eskalieren", betonte Müllner. "Das ist nur ein Mittel, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können."

Nirgendwo sonst kommen sich die Streitkräfte der Nato und Russlands so nah wie hier. Die Alarmierung der im Baltikum stationierten Kampfflieger ist inzwischen zum Alltag geworden. Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 gab es 365 solcher Einsätze.

Russische Kampfjets Su-27: 24 Maschinen schon 2016 in Weißrussland?

Russische Kampfjets Su-27: 24 Maschinen schon 2016 in Weißrussland?

Foto: © Stringer India / Reuters/ REUTERS

Das so genannte "Air Policing" der Nato über dem Baltikum gibt es zwar schon seit 2004, seit Beginn der Ukraine-Krise hat der Einsatz aber eine neue Bedeutung und Brisanz bekommen. Er ist eines der wichtigsten Zeichen der Bündnissolidarität an die baltischen Staaten, die sich seit der Annexion der ukrainischen Krim durch Russland massiv von ihrem mächtigen Nachbarn bedroht fühlen. Immer wieder müssen die Nato-Jets starten, um unbekannte Flugobjekte zu identifizieren und zu begleiten - in der Regel handelt es sich um russische Militärflugzeuge.

Im estnischen Ämari sind fünf "Eurofighter" aus Deutschland stationiert. Zur vollständigen Bewaffnung gehören eine scharfe Kanone, Infrarot-Kurzstreckenraketen, ein elektronisches Abwehrsystem und radargesteuerte Mittelstreckenraketen.

"Gibt uns eine gewisse Rückversicherung"

Letztere hat die Luftwaffe im Einsatz noch nie an Bord gehabt. Die US-Raketen vom Typ Amraam können Ziele in der Luft in 55 bis 180 Kilometern Entfernung treffen. Die Kurzstreckenraketen vom Typ Iris-T schaffen gerade einmal 25 Kilometer. Im Inland dürfen die "Eurofighter" die Mittelstreckenwaffen nur im Kriegs- oder Spannungsfall tragen, teilte die Luftwaffe mit.

Luftwaffeninspekteur Müllner sagte, die schwere Bewaffnung sei für die Moral der Truppe wichtig. "Es gibt uns schon eine gewisse Rückversicherung, auch mit einer vollen Ausstattung dabei zu sein, denn man weiß ja nicht, was der andere für Befehle hat", sagt er. "Man würde auch als Polizist nicht unbewaffnet oder ohne seine Schutzausrüstung in den Einsatz gehen."

Die stellvertretende Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, kritisierte die Aufrüstung scharf. "Das sind brandgefährliche Kriegsspiele, die die Kriegsgefahr für ganz Europa erhöhen", sagte sie der dpa. Wer voll bewaffnete "Eurofighter" der Bundeswehr nach Osteuropa schicke, habe offensichtlich den Verstand verloren. "Die Bundesregierung sollte diesen Wahnsinn sofort stoppen."

hda/dpa/Reuters
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