Spannungen mit China Koizumi entschuldigt sich für Japans Kriegsvergangenheit

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi versucht die Spannungen mit China zu beseitigen. Er entschuldigte sich für die Kriegsvergangenheit seines Landes. Dennoch pilgerten 80 Abgeordnete zu einem Schrein in Tokio, wo auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. China protestierte scharf.


Koizumi: "Tiefe Reue"
AFP

Koizumi: "Tiefe Reue"

Jakarta/Tokio - Zum Auftakt des Asien-Afrika-Gipfels im indonesischen Jakarta sagte Koizumi, er empfinde "tiefe Reue" für die Kriegsvergangenheit seines Landes. Außerdem sprach er eine "tief empfundene Entschuldigung" aus. Japan habe durch seine koloniale Herrschaft und Aggression vor allem in Asien "enormen Schaden und Leid verursacht", sagte Koizumi.

Japan verfolge seit Ende des Zweiten Weltkriegs strikt eine Politik, die besage, niemals zur Militärmacht zu werden, sondern sich zur Wirtschaftsmacht zu entwickeln und alle Angelegenheit friedlich zu lösen. Inhaltlich ging Koizumis Erklärung nicht über frühere Entschuldigungen japanischer Regierungen für die Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg hinaus.

Japan hatte ein Schulbuch zugelassen, in dem nach Ansicht Pekings japanische Kriegsverbrechen verharmlost werden. Das hatte zu einer Welle anti-japanischer Demonstrationen in China geführt.

Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao betonte auf dem Treffen in Jakarta, sein Land sei entschlossen, Konflikte friedlich beizulegen. "Die Absicht der chinesischen Außenpolitik ist es, den Weltfrieden zu wahren und die gemeinsame Entwicklung voranzutreiben", sagte er. Das geplante Treffen zwischen Hu und Koizumi soll nun am Samstag stattfinden. Zunächst war es schon für heute geplant, aber nach Angaben der Nachrichtenagentur gab es terminliche Probleme.

80 japanische Parlamentsabgeordnete pilgerten unterdessen zum Tokioter Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote. Dort werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. An dem Pilgergang anlässlich des jährlichen Frühjahrsfestes habe jedoch kein amtierendes Mitglieder des Kabinetts teilgenommen, berichteten japanische Medien. Ministerpräsident Junichiro Koizumis alljährliche Besuche des umstrittenen Schreins waren zu einem zentralen Punkt im Streit zwischen China und Japan geworden. In diesem Jahr ist Koizumi bisher jedoch nicht hingegangen.

China protestierte scharf gegen den Besuch der Parlamentsabgeordneten. "Im Moment stecken die chinesisch-japanischen Beziehungen in einer düsteren Lage", sagte ein Sprecher des Außenministeriums heute in Peking. "Wir sind höchst unzufrieden mit den negativen Aktionen der japanischen Politiker." Sie sollten die grundlegenden Interessen beider Völker berücksichtigen und mehr für die Verbesserung der Beziehungen tun.



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