Sparkurs in Großbritannien Cameron verkleinert die British Army

Weniger Personal, weniger Panzer: Großbritanniens Premier Cameron streicht den Verteidigungshaushalt zusammen. Die britische Armee muss Tausende Stellen kürzen - und aus Deutschland wird die Truppe bis 2020 abziehen.
Flugzeuge der Royal Airforce in Lincolnshire: "Nicht nur eine Sparübung"

Flugzeuge der Royal Airforce in Lincolnshire: "Nicht nur eine Sparübung"

Foto: Lindsey Parnaby/ dpa

London - Großbritannien muss sparen - auch bei der Rüstung. Der Verteidigungsetat werde in den nächsten vier Jahren um acht Prozent beschnitten, kündigte Premierminister David Cameron am Dienstag im Unterhaus in London an. Er sieht in den Maßnahmen aber "nicht nur eine Sparübung". Es gehe auch um eine Neuausrichtung der Armee, sagte Cameron.

Die Bestände an Panzern und schwerer Artillerie sollen um 40 Prozent reduziert werden. Beim Zivilpersonal der British Army sollen 25.000 Stellen wegfallen. Die Royal Air Force soll bis 2015 etwa 5000 Posten verlieren, die Marine ebenfalls. Der Rest der Armee wird um 7000 Stellen reduziert. Insgesamt werden laut Cameron Ausgaben von jährlich 33 Milliarden Pfund angepeilt.

Bei der Technik soll der Senkrechtstarter Harrier abgeschafft werden. Ein Flugzeugträger wird schneller außer Dienst gestellt. Die Laufzeit der Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse - Träger der britischen Nuklear-Abschreckung Trident - wird verlängert. Damit ist eine Entscheidung über den Bau neuer U-Boote - einer der großen Streitpunkte in der Regierungskoalition aus Camerons Konservativen und den Liberaldemokraten - wie erwartet bis in die nächste Legislaturperiode aufgeschoben. Auch soll die Zahl der Atomsprengköpfe pro U-Boot von 58 auf 40 reduziert werden.

Fotostrecke

Camerons Streichliste: Weltmacht auf Sparflamme

Foto: MICHAEL CRABTREE/ REUTERS

Deutschland ist ebenfalls betroffen: Die 20.000 verbliebenen Soldaten der britischen Rheinarmee, derzeit noch auf zwölf Standorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verteilt, sollen schneller als bisher geplant nach Hause geholt werden. Die Hälfte soll bis 2015 zurück auf der Insel sein, der Rest bis 2020. Bisher war die Räumung der deutschen Standorte bis 2035 geplant.

Die britische Armee werde nach den Kürzungen gemessen am Budget Nummer vier in der Welt bleiben, versicherte Cameron. Die Vorgabe der Nato, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung auszugeben, werde weiterhin erfüllt.

Die USA, an deren Seite Großbritannien an mehreren Plätzen der Welt - darunter Afghanistan und Irak - bewaffnete Konflikte austrägt, hatten Bedenken geäußert, dass London wegen der Sparpläne nicht mehr in gewohnter Weise militärisch handlungsfähig bleibt. Außenminister William Hague und Cameron sehen das naturgemäß anders: Großbritannien werde weiter eine führende militärische Rolle in der Welt spielen, sagten sie.

Die kompletten Sparpläne für den Gesamthaushalt will Schatzkanzler George Osborne am Mittwoch vorstellen. Bereits am Dienstag demonstrierten mehrere tausend Menschen in London gegen die Pläne. "Brecht Großbritannien nicht auseinander!", stand auf einem Plakat. Die einzelnen Ministerien sollen bis zu 40 Prozent ihrer Ausgaben einsparen.

kgp/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.