Vor Wahlen am Sonntag SPD-Politiker treten Spekulationen um Nahles entgegen

Eine SPIEGEL-Meldung über ein Vieraugengespräch zwischen Andrea Nahles und Martin Schulz sorgt für Unruhe in der SPD. Führende Sozialdemokraten bemühen sich, den Fall herunterzuspielen.

Ralf Stegner: "Wer einen Funken Verstand hat, kämpft jetzt um jede Stimme."
DPA

Ralf Stegner: "Wer einen Funken Verstand hat, kämpft jetzt um jede Stimme."


Eine Konfrontation zwischen SPD-Chefin Andrea Nahles und Martin Schulz beschäftigt die Sozialdemokraten. Ein mögliches Szenario, wonach Schulz Nahles im Fall von Wahlniederlagen als Fraktionschef ablösen wolle, spielen SPD-Politiker nun herunter.

Dem "Handelsblatt" sagte der Sprecher des Seeheimer Kreises Johannes Kahrs, Nahles sei Fraktionsvorsitzende, und das bleibe sie auch. SPD-Vize Ralf Stegner sagte ebenfalls dem "Handelsblatt": "Wer einen Funken Verstand hat, kämpft jetzt um jede Stimme für die SPD in Bremen, bei den Kommunalwahlen und für Europa." Alle würden gemeinsam dafür kämpfen, dass die Sozialdemokraten ein gutes Ergebnis erzielen, so Stegner im SWR: "Es ist immer interessant über Personal zu spekulieren, aber ich halte davon gar nichts."

Nach SPIEGEL-Informationen hat Nahles den früheren Kanzlerkandidaten Martin Schulz Ende vergangener Woche in einem persönlichen Gespräch zur Rede gestellt. Sie höre, er wolle sie an der Fraktionsspitze ablösen, sagte sie nach übereinstimmenden Angaben aus Parteikreisen. Schulz habe Putschpläne bestritten, nicht aber grundsätzliche Überlegungen. Er habe im Gespräch mit Nahles ein Szenario entworfen, heißt es, wonach sie wieder das Arbeitsministerium übernehmen könnte, um öffentlich mit einem klaren Thema punkten zu können.

Schulz hatte nach Angaben aus Fraktionskreisen zuvor in zahlreichen Gesprächen seine Chancen sondiert. Dabei soll er betont haben, er wolle nicht gegen Nahles antreten, sondern sich nur dann um das Amt des Fraktionsvorsitzenden bewerben, wenn Nahles den Posten abgeben sollte.

Bereits seit Wochen ist aus der Fraktion zu hören, die Unzufriedenheit mit Nahles sei groß. Ob im Fall von Schlappen für die SPD bei der Bürgerschaftswahl in Bremen, bei den Kommunalwahlen und der Europawahl am Sonntag aus der Fraktion heraus tatsächlich die Führungsfrage gestellt werde, ist aber unklar.

Regulär muss sich Partei- und Fraktionschefin Nahles im September in der Fraktion zur Wiederwahl stellen. Im Dezember soll auf einem Parteitag die Parteispitze neu gewählt werden.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

aev/cte/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spiegelneuronen 24.05.2019
1. Andrea Nahles - simply the best
She´s simply the best...ist das die SPD-Aussage zu dem diversen anstehenhen Wahlen oder nur!!! die offizielle Spachregelung. (offiziellle Sprachregelung= so nannte man in der Analog-Zeit Dinge, die ein offizieller Specher, den Menschen vor dem verschlossenen Vorhang verkünden durfte aber einiges hinter diesem Vorhang bleiben sollte). Oh je - first SPD-Lady since stoneage and we are all spd-family. - Unbelievable
pandora14 24.05.2019
2. Nahles weiß ganz genau,
wie man Vorsitzende stürzt. Daher hat sie genau wie Merkel und Kohl sich sofort eine Hausmacht aufgebaut und wie eine Mauer um sich geschart. Die Ehrlichkeit und Naivität, mit der sich Schulz ins Bockshorn jagen ließ, sind ihr fremd. Selbst wenn die SPD einstellig werden würde, würde sie an ihrem Amt kleben und jeden Umsturz verhindern. Nahles wird die SPD ebenso schreddern wie Merkel die CDU.
Emderfriese 24.05.2019
3. Änderungen
Da kann Kahrs forsch auftreten und Stegner noch so tönen - wenn die SPD bei den Wahlen zur EU und in Bremen deutliche Verluste hinnehmen muss, ist Nahles Geschichte. Wenn sie dann nicht von sich aus zurücktritt, wird es ein Rumoren in der Partei geben, an dem niemand mehr vorbei kommt. Ob dann Schulz die richtige Alternative ist, darf man bezweifeln, aber ändern wird sich etwas.
heissSPOrN 24.05.2019
4.
"Wer einen Funken Verstand hat, kämpft jetzt um jede Stimme für die SPD in Bremen, bei den Kommunalwahlen und für Europa." Wer einen Funken Verstand [in der SPD] hat, tritt für ein unverzügliches Ende der GroKo ein... solange die SPD an diesen Koalitionsvertrag gebunden ist, wird ihr weiterer Abstieg gewiss sein.
hausfeen 24.05.2019
5. Naja, Wahlkampfmodus. Den Schulz auszupacken, ist doch ein ...
... durchsichtiges Störmanöver. Das Ziel ist allerdings perfekt gewählt: die von Beginn an angeschlagene Verlegenheitskandidatin Nahles. Aber der angebliche Täter hat nach wie vor nicht das notwendige Netzwerk in der SPD: Und sein Stil wäre es auch nicht, so kurz vor dem Europawahlsonntag.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.