Spekulationen um Kandidatur Sarah Palin heizt Republikanern in Iowa ein

Wer im Herbst vor den Präsidentschaftsvorwahlen nach Iowa geht, der hat was vor. Sarah Palin reihte sich mit einer kämpferischen Rede vor Republikanern in den Kreis der Favoriten ein. Selbst das Weiße Haus sieht in der Ex-Gouverneurin aus Alaska die nächste Gegnerin Barack Obamas.

US-Konservative Sarah Palin vor Anhängern in Iowa: "Schluss mit internen Machtkämpfen"
dpa

US-Konservative Sarah Palin vor Anhängern in Iowa: "Schluss mit internen Machtkämpfen"


Washington/Des Moines - Das Lob aus dem Weißen Haus war natürlich gleich doppelt vergiftet: Man könne sich eine Kandidatur Sarah Palins bei der Präsidentschaftswahl sehr gut vorstellen, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs. Sie sei wirklich eine "beeindruckende Kraft in der Republikanischen Partei". Dann korrigiert er sich und legt nach: "Und man muss es ehrlich sagen, sie ist derzeit wohl auch die beeindruckendste Kraft in der Partei überhaupt."

Das heißt zwischen den Zeilen allerdings auch: Einen besseren Kandidaten können die Republikaner offenbar nicht aufbieten.

Das käme den Demokraten um Barack Obama sehr gelegen - und das ist die zweite Gemeinheit der regierungsamtlichen Lobeshymne auf Palin. Man ist nämlich überzeugt, mit der ehemaligen Gouverneurin von Alaska, die in der Präsidentschaftswahl 2008 als Vize des republikanischen Kandidaten John McCain angetreten ist, eher leichtes Spiel zu haben.

Palin ist bei den Erzkonservativen sehr beliebt, aber in landesweiten Umfragen liegt sie immer noch abgeschlagen hinten. In der jüngsten Erhebung des TV-Senders CBS News gaben 46 Prozent der Befragten an, sie hätten eine schlechte Meinung von Palin. Nur 21 Prozent stehen auf ihrer Seite, 33 Prozent sind unentschieden, was sie von der rechtskonservativen Populistin halten sollen.

Die meisten US-Bürger haben noch in Erinnerung, dass sie 2008 insgesamt keine glückliche Figur machte. Anfangs von einer Welle der Euphorie getragen, vermasselte sie sich den guten Lauf durch eigenes Ungeschick. Als sie ihre außenpolitische Kompetenz damit begründete, sie könne von ihrem Heimatstaat aus Russland sehen, schalteten die Kommentatoren auf Hohn und Spott. Fortan flog ihr alles um die Ohren: wie sie die Familie in den Wahlkampf einspannte, ihre übertriebenen Jagd- und Angelgeschichten.

Selbst über ihre eher sympathische Gewohnheit, sich wichtige Stichworte mit Kugelschreiber auf die Hand zu schreiben, lachte später das ganze Land.Larry Sabato, ein Politikwissenschaftler der Universität Virginia, formulierte die Aussichten ihrer Kandidatur jedenfalls so: "Das ist wirklich das Beste, was den Demokraten passieren könnte."

Aber will sie denn wirklich antreten?

Versuchsballons steigen traditionell in Iowa

Für Regierungssprecher Gibbs ist ihr aktueller Abstecher ins ländliche Iowa der beste Beleg für ihre Ambitionen. "Man muss Unterstützung und eine Anhängerschaft sehr methodisch aufbauen", sagt er. "Normalerweise geht man in dieser Jahreszeit nach Iowa, um einen Versuchsballon starten zu lassen. Und ich denke, genau das wird sie auch tun."

Auf dem Experimentierfeld Iowa sind schon andere prominente Republikaner gesichtet worden: Newt Gingrich, der frühere Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, war gleich mehrfach da; Tim Pawlenty, der Gouverneur von Minnesota, hat schon einen festen Mitarbeiter in Iowa stationiert, der ehemalige Vorwahlkandidat Mitt Romney plant einen Ausflug, dito der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, und der ehemalige Senator von Pennsylvania, Rick Santorum.

Aber jetzt erst einmal Sarah Palin. Sie bringt ein schönes Gastgeschenk zum traditionellen Ronald-Reagan-Dinner der Partei in Des Moines: die Erfolge zweier erzkonservativer Kandidaten bei den Senatsvorwahlen in Delaware und New Hampshire. Vor rund 1500 Anhängern der Republikanern testet sie eine Taktik, die man von ihr bisher noch gar nicht kennt. Ihre Ausflüge zu den Veranstaltungen der konservativen Tea-Party-Bewegung wurden von manchem in ihrer Partei eher als Störmanöver gesehen. Offen unterstützte sie in Vorwahlen die Aktivisten der außerparlamentarischen Erzkonservativen - gegen die Kandidaten des republikanischen Establishments.

Der neue Sarah-Palin-Sound

In Des Moines waren jetzt ganz neue Töne zu hören: "Die Zeit ist gekommen, mit vereinten Kräften anzutreten", verkündete Palin und verlangte, es müsse nun "Schluss mit den internen Machtkämpfen" sein: "Der Druck auf uns ist groß, denn auch unsere gemeinsame Sache ist groß."

Also jetzt wieder eine gemeinsame Sache - die Rückeroberung der Macht in den USA. Erster Schritt sollen die Wahlen im November sein, wo das Repräsentantenhaus neu gewählt wird und etwa ein Drittel der Sitze im Senat neu verteilt werden. "Auf diese Wahl müssen wir uns jetzt konzentrieren", ruft sie aus, "nicht auf die nächste."

Die nächste: Das wäre dann die Präsidentschaftswahl 2012.

Was sagt Palin selbst zu einer möglichen Kandidatur? "Wenn die amerikanische Bevölkerung bereit ist für jemanden, der gewillt ist, die Angelegenheiten ein bisschen aufzumischen und zu bewährten Wahrheiten zurückzukehren", sagte sie unlängst dem TV-Sender Fox News, dann könne sie sich als Kandidatin sehen. Sicherheitshalber schickt sie noch eine Alternative hinterher: "Wenn es das Beste für meine Familie und mein Land wäre, dann würde ich es natürlich probieren."

Ihre Anhänger in Des Moines wollen es natürlich auch noch einmal live von ihr hören, aber Palin will die Spannung noch eine Weile aufrecht halten und rettet sich in einen Kalauer: Ihr Mann Todd hätte ihr geraten, vor der Veranstaltung nicht wie üblich eine Runde zu joggen, weil er die Schlagzeile schon vor sich sehe: "Palin läuft sich warm für das Rennen ums Weiße Haus."

oka/AP/Reuters

insgesamt 785 Beiträge
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Henner Dehn, 05.11.2008
1.
Zitat von sysopSchwere Schlappe für die Republikaner bei der US-Präsidentschaftswahl: Bedeutet die Niederlage das politische Ende für Vizekandidatin Sarah Palin? Oder steht ihr eine große Karriere bevor?
Kabarettsendungen oder vielleicht Pralinenwerbund wären doch eine Alternative ;)
harm ritter 05.11.2008
2.
Mannomann, ich hatte amerikanische Musiker bei mir zu Gast, und die haben mir auf Youtube dieses Video gezeigt, von dem alle sprachen, das ich aber nicht kannte: McCain hat mit Sarah Palin den Fehler begangen, sich eine Helferin an Bord zu holen, deren IQ nicht einmal meine aktuelle Zimmertemperatur übersteigt. Ich schätze, das hat ihn den Sieg gekostet.
ferrarinarr, 05.11.2008
3.
Nun, ich denke, daß sie erst einmal wieder auf ihren Gouverneursposten in Alaska zurückkehren dürfte. Ich halte es auch durchaus für möglich, daß man in Zukunft noch von ihr hören wird, da sie im Gegensatz zu McCain ein deutliches (nach amerikanischen Maßstäben) konservatives Profil verfügt. Nur meine Theorie :-)
SchneiderG 05.11.2008
4.
Zitat von sysopSchwere Schlappe für die Republikaner bei der US-Präsidentschaftswahl: Bedeutet die Niederlage das politische Ende für Vizekandidatin Sarah Palin? Oder steht ihr eine große Karriere bevor?
Ohne Ironie. Sind das wirklich Fragen die in Deutschland jemand interessiert?
-MCH- 05.11.2008
5.
Zitat von sysopSchwere Schlappe für die Republikaner bei der US-Präsidentschaftswahl: Bedeutet die Niederlage das politische Ende für Vizekandidatin Sarah Palin? Oder steht ihr eine große Karriere bevor?
Ihr Ende! Zumindest hoffe ich das. Das Klientel was sie anspricht wird schließlich auch nicht jünger. Außerdem wird eine Mehrheit der Republikaner ihr es nicht vergessen, dass sie McCain entscheidende Stimmen gekostet hat.
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